Medium DIE WELT
Datum 21. Dezember 2006
Thema Das Grosse Spiel
   

Banker sind langweilige Menschen und derivative Finanzprodukte neumodisches Teufelszeug? Wer dieser Meinung ist, sollte den Historienroman "Das große Spiel" lesen. Er schildert das Leben des 1671 in Edinburgh geborenen John Law of Lauriston. Gesegnet mit mathematischem Verständnis, Beharrlichkeit und Selbstbewusstsein, wird dieser zunächst zum legendären Spieler und dann zum ersten Bankier moderner Prägung. Er erfindet das Papiergeld, überzeugt schließlich den französischen Regenten - den Herzog von Orléans - von den Vorzügen dieses Zahlungsmittels und revolutioniert damit den Handel, der unter dem Mangel an edelmetallgedeckter Währung zu ersticken drohte. Law wird zeitweise zum reichsten Mann seiner Zeit, muss aber auch erleben, wie der Missbrauch seiner finanztechnischen Revolution durch die Herrschenden den ersten Börsencrash der Geschichte auslöst. Geschickt verwebt der Autor Claude Cueni in seinem Roman Geschichte mit Geschichten und zieht den Leser in einen packenden Erzählfluss. Spannender ist die Entstehung des heutigen Finanzsystems wohl noch nie dargestellt worden. Thomas Exner

Claude Cueni: "Das große Spiel", Heyne-Verlag, 19,95 Euro, ISBN 3453265297