Medium FACTS, Schweiz
Datum 2006
Thema Claude Cueni tritt aus dem Schriftstellerverband aus
   

«Das ist undemokratisch»

Der Baselbieter Schriftsteller Claude Cueni tritt aus dem Schweizer Autorenverband aus - ein Protest gegen Gesinnungsschnüffelei.

Facts: Herr Cueni, was haben Sie gegen den Autorenverband?

Claude Cueni: Ich habe als Mitglied den Antrag gestellt, dass demokratisch darüber abgestimmt wird, ob der Gesinnungsartikel in den Statuten gestrichen wird. Der Vorstand hat die Abstimmung verboten. Das ist statutenwidrig, undemokratisch und erinnert an die Gebaren unein-sichtiger DDR-Funktionäre. Ich plädiere für einen professionellen Autorenverband, der frei ist von politischen, religiösen und ideologischen Vorgaben

Facts: Aber Literatur ist politisch.

Politisch oder parteipolitisch?

Facts: Was steht denn in dem Artikel?

Er verpflichtet die Mitglieder, «Bestrebungen zur Erweiterung der rechtlichen Freiheiten der Bewohnerinnen und Bewohner unseres Landes» zu unterstützen. Man kann sich auch zu ernst nehmen.

Facts: Anlass für Ihre Intervention war die Ablehnung des Aufnahmegesuchs des Walliser SVP-Dichters Oskar Freysinger.

Cueni: Es geht um demokratische Gepflogenheiten und nicht um politische Parteien.

Facts: Gründen Sie einen alternativen Verband?

Cueni: Brauche ich einen Verband, um Bücher zu schreiben? Aber wenn noch mehr austreten, wird es einen neuen Berufsverband geben.

Interview: Rolf Hürzeler