Medium HISTO COUCH / Das online Magazin für historische Romane
Datum 6. September 2006
Thema «Das große Spiel»
   

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„Eine unglaubliche, aber wahre Lebensgeschichte“

von Silvia Lewald

Wahrscheinlich kennen die meisten Menschen John Law nicht, auch mir war sein Name bis zu diesem Buch kein Begriff. „Das große Spiel“ erzählt die Lebensgeschichte dieses Mathematikers und Frauenhelden allerdings in einer spannenden Art und Weise und lässt die eigene Unwissenheit in den Hintergrund treten.

John Law, geboren 1671 in Edinburgh, lebt für eine Idee, die ihn in ganz Europa berühmt macht. Als junger Mann verspielt er das Vermögen seines Vaters und muss nach einem Duell, sehr zur Freude einiger gehörnter Ehemänner, das Land verlassen. John flieht zunächst nach London, wo er sein Glück am Spieltisch versucht. Seine genialen mathematischen Fähigkeiten lassen ihn schnell in die oberen Gesellschaftskreise aufsteigen. Er ist überall gern gesehen und außerordentlich beliebt bei der Damenwelt, was er sich zunutze macht, denn er ist kein Kostverächter.

Immer mehr ist er von der Idee besessen, Geld nicht länger mit den immer knapper werdenden Edelmetallen zu decken, sondern Papiergeld in Umlauf zu bringen. Doch der König von England will davon nichts hören, sein Horizont erfasst sicher auch nicht die Vorteile, die das Papiergeld mit sich bringen würde. John reist durch halb Europa und lernt nicht nur einflussreiche Leute kennen, sondern erfährt auch wirtschaftliche Missstände und die Auswirkungen der Kriege, die ständig geführt werden.

1701 kommt er nach Paris und lernt den Duc d' Orleans kennen. Nach dem Tod des Sonnenkönigs verlieh er, gerade zum Regenten gekürt, seinem schottischen Freund die französische Staatsbürgerschaft, ließ ihn zum Katholizismus konvertieren, machte ihn zum Generalkontrolleur der Finanzen und gestattete ihm die Gründung einer Bank. Durch die Herausgabe des Papiergeldes blüht die Wirtschaft auf und die Armut geht zurück. Auch der Bruder von John, beide haben ein Verhältnis wie Kain und Abel, kommt nach Paris um seinen Bruder finanziell zu erleichtern.

John häuft ein Vermögen an und wird zum reichsten Mann seiner Zeit, doch der Reichtum ist ihm nicht wichtig. Ihm geht es nur darum mit seiner Idee die Welt zu verbessern. Leider hat er in seinen mathematischen Berechnungen den Faktor Mensch außer Acht gelassen. Der Herzog von Orleans findet Gefallen an der Vorstellung, die enormen Staatsschulden per Druckerpresse zu reduzieren und löst damit die erste Inflation aus. Neid, Gier und Dummheit machen sich auch unter der Bevölkerung breit und John kommt zu einer bitteren Erkenntnis…

Gesellschaft, Wirtschaft und Politik

Claude Cueni gelang mit seinem zweiten großen historischen Roman ein brillantes Meisterwerk. Die Hauptfigur wird so emotional beschrieben, dass sie sofort sympathisch erscheint und man das Gefühl hat selbst am Geschehen teilzunehmen. Man muss wissen was mit ihr passiert, wie sie mit ihren Gegenspielern fertig wird. Man freut sich mit John, man leidet mit John- ganz so, wie es in einem guten historischen Roman sein muss.

Durch die Gliederung in Kapitel und die genauen Angaben von Ort und Zeit in Form von Überschriften, findet der Leser sich gut zurecht. Mit Witz und Komik beschreibt Cueni die Aristokratie des 17. und 18. Jahrhunderts in Europa. Der Leser erhält nicht nur Einblick in die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse in dieser Zeit, sondern wird auch in das gesellschaftliche Leben eingeführt mit seinen Sonnen- und Schattenseiten.

Sehr direkt, manchmal ist die Sprachwahl schon schockierend, beschreibt er die hygienischen Verhältnisse dieser Zeit. Erstaunlich ist mit welcher Arroganz und Ignoranz Machtpositionen benutzt wurden, um sich persönlich darzustellen und sich zu bereichern. Dies machen gut verständliche Dialoge deutlich.

Nicht nur für Mathe-Asse ein Muss

Auch wer kein großer Mathematiker ist und vom Bankwesen nicht viel versteht, sollte das Buch unbedingt lesen. Es ist nicht nur Geschichtsunterricht allererster Güte, sondern auch brillante Unterhaltung. Obwohl keiner ermordet wird – was Fans von historischen Krimis womöglich langweilen könnte – ist dieser Roman spannend bis zur letzten Seite. Der Leser fiebert mit John Law mit und will ihm am liebsten als persönlicher Berater zur Seite stehen.

Trotz vieler Rückschläge lässt John sich von seiner Idee nicht abbringen, sie ist sein Leben. Diese Lebenseinstellung regt den Leser zum Nachdenken über sein eigenes Leben an. Auch 300 Jahre später werden sich viele Leser wünschen ein bisschen wie John Law zu sein und auch schwierige Situationen derart gut meistern zu können.

Ein unterhaltsamer, spannender Roman, der es auf alle Fälle verdient, gelesen zu werden.