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V ON DANIEL METZGER
Neuerdings interessiert sich Claude Cueni für Bluewin-TV. In
seinem Arbeitszimmer in Binningen bei Basel hat er eine
Empfangsanlage für das Telefonfernsehen aufgebaut. Noch ist
er mit der Qualität der Technik nicht wirklich zufrieden: «Die
Bildqualität ist schlecht und bei Livesendungen sind Bild und
Ton nicht synchron», sagt der 50jährige Cueni.
Seit vielen Jahren beschäftigt sich Cueni mit den Fortschritten
der Kommunikationstechnik: «Ich bin ein Technik-Freak.» Vor
allem das Telefon hat ihn schon immer fasziniert. 1991 erfand
Cueni das erste interaktive TVSpiel in Europa, bei dem die
Zuschauer mit Telefonanrufen das Geschehen bestimmten. Es lief
im Schweizer Fernsehen, der ARD, bei Pro7 und in Finnland. 15
Jahre lang führte er die Softwarefirma Black Pencil AG, die
unter anderem Kurzspiele für das Bundesamt für Gesundheit
schrieb. Dazu gehörte «Catch the Sperm», das Jugendliche
wegen Aids zum Gebrauch von Kondomen animieren sollte und das
auch auf Chinesisch übersetzt worden ist.
Jetzt hat Cueni das Kunststück geschafft, mit den Chinesen ins
Geschäft zu kommen. Der Baselbieter hat der in Hongkong ansässigen
Firma Artificial Life sein Wissen über Fernsehunterhaltung
per SMS verkauft. Cueni macht Mobiltelefone zu Fernsteuerungen:
Das Publikum lenkt die Spielfiguren am TV-Bildschirm mit
Kurznachrichten, die ins Studio geschickt werden. Schweizer
Fernsehzuschauern ist die Technik seit vier Jahren als «SMS
Galaxy» bekannt. Das SMS-Quiz für Kinder auf SF 2 handelt von
Ausserirdischen.
Die Hauptrolle spielt ein steppender Kaiserpinguin
Bei Artificial Life wird Cueni keine Spiele-Drehbücher mehr
schreiben. «Ich werde Mitglied des Beraterstabs sein sein.» Artificial
Life wurde 1993 in Boston gegründet und wollte während der
Interneteuphorie mit virtuellen Verkäufern den Onlinehandel
auf den Kopf stellen. Doch das klappte nicht. Die Firma zog
nach Asien und stieg dort in die Mobilunterhaltung ein. Zu ihren
Angeboten gehören die virtuelle Freundin und der virtuelle
Freund fürs Handy. Die Beziehung zu den zweibeinigen
Tamagochis wird mittels kostenpflichtiger SMS geführt.
Zu den Kunden von Artificial Life gehören neben chinesischen
Fernsehstationen europäische Mobilfunkanbieter wie TeliaSonera
und Mobilkom Austria. Seit April sitzt René C. Jäggi, der frühere
Präsident des FC Basel, im Aufsichtsrat der Firma. Zusammen
mit dem Filmstudio Warner entwickelt Artificial Life für den
japanischen Markt ein auf dem Animationsfilm «Happy Feet»
basierendes Handyspiel. Ein steppender Kaiserpinguin spielt
darin die Hauptrolle.
Cueni ist ein Frühaufsteher. Morgens schrieb er Romane und
Drehbücher fürs Fernsehen, nachmittags beschäftigte er sich
mit der Erfindung von Computerspielen. So entstanden Folgen für
die TV-Krimiserien «Peter Strohm», «Eurocops» und «Tatort
», aber auch Games wie «Hannibal », «Harry Buster» und «Smoke
Attack». Diese Präventionsspiele gegen Aids, Zigaretten
und Alkohol waren für Cueni eine erfolgreiche Nebenbeschäftigung.
Die Software wurde auch an Gesundheitsämter in Deutschland,
Spanien und Island verkauft und in insgesamt 180 Ländern
gespielt. «Unser Hauptinteresse galt aber dem interaktiven
Fernsehen», sagt Cueni. Hier gehörten auch das renommierte
Britische Museum mit einem virtuellen Amphitheater und die frühere
Swissair zu den Kunden.
Erfindung des Papiergeldes als Romanvorlage
Der Handel mit Artificial Life beendet Cuenis Leben als
SoftwareUnternehmer. In Zukunft will er sich vorwiegend dem
Schreiben von historischen Romanen widmen. Diese verkauften
sich gut, sagt Cueni. 2006 veröffentlichte er «Das grosse
Spiel». Darin beschreibt er, wie das Papiergeld vor 300
Jahren erfunden wurde. Das Werk ist das zweite einer Trilogie.
Der letzte Teil erscheint nächstes Jahr. Im Roman geht es um
Geld und Virtualität. Und um China.
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