Medium Sonntagsblick, Schweiz
Datum 21. September 2008
Thema "Gehet hin und tötet"
   
Schweizer schreibt Skandal-Roman über den Vatikan

 

Der Papst – Totengräber der Kirche!
Von Johannes von Dohnányi | 01:20 | 21.09.2008

In einem spannenden Mix aus Fakten und Fiktion beschreibt Claude Cueni (52), wie der Vatikan den guten Glauben der Katholiken missbraucht. Und die Welt damit an den Rand einer Katastrophe führt.

Der greise Papst weiss, dass er im Sterben liegt. Deshalb drängt er auf die Erfüllung seines Vermächtnisses: den Frieden zwischen den Weltreligionen.

Dafür hat er in Geheimverhandlungen einen hohen Preis akzeptiert: Der Vatikan wird seine Goldreserven an islamistische Extremisten übertragen.

Die Würdenträger sind ebenso entsetzt wie die historischen Verbündeten des Kirchenstaats. Sie wissen, dass wahrer Friede nicht erkauft werden kann. Mehr noch fürchten sie aber um die eigene Macht.

Der letzte Wille des Papstes löst innerhalb des Vatikans ein Feuerwerk von Intrigen und Mord und auf der Weltbühne einen «monetären Dschihad» (Heiligen Krieg) aus.

Claude Cuenis neuer historischer Roman hätte zu keinem passenderen Zeitpunkt erscheinen können. In diesen Tagen, in denen kaum noch verständliche Ereignisse das globale Finanzsystem an den Rand des Kollapses gebracht haben, bringt jede noch so fiktive Erklärung einen Hauch von Erleichterung.

Vor allem: Die reale Skandalchronik des Vatikans allein des letzten Vierteljahrhunderts reicht, um nach der letzten Zeile von «Gehet hin und tötet» zu wissen: So oder so ähnlich könnte sich alles zugetragen haben.

Die von Cueni ins Spiel gebrachte Mafia hat ihren festen Platz in der Geschichte des Vatikans. Nicht nur leugnete Palermos Kardinal Salvatore Pappalardo (†88) ihre Existenz bis in die späten 80er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts.

Der am 22. März 1986 in einem Mailänder Gefängnis ermordete Sizilianer Michele Sindona war der erste Beweis für die lange vermuteten engen Finanzbeziehungen zwischen der Ehrenwerten Gesellschaft und dem Kirchenstaat.

Sechs Jahre später hing unter der Blackfriars Bridge in London Roberto Calvi. Der Präsident des Banco Ambrosiano hatte sich bei der Verwaltung von Kirchengeldern verzockt – zusammen mit Erzbischof Paul Marcinkus (†84).

Der von der italienischen Justiz gesuchte Würdenträger aus Al Capones Geburtsort Cicero (USA) war der Verantwortliche der grössten Finanzskandale des Vatikans.

Selbst Papst Johannes Paul II. hielt seine Hand über den «Bankier Gottes». Marcinkus hatte ihm die geheime Finanzierung der polnischen Gewerkschaft Solidarnosc orchestriert, die letztlich zum Ende des Sowjetimperiums führte.

Cueni hat scheinbar unzusammenhängende Ereignisse zu einer verblüffenden Kausalkette verknüpft. So macht er die 1971 von US-Präsident Richard Nixon beschlossene Aufhebung der Goldbindung an den Dollar für den Turbo-Kapitalismus und damit letztlich für die derzeitige Finanzkrise verantwortlich.

Dass er in seine Version der jüngsten Geschichte auch noch den islamistischen Terrorismus und den rasanten Aufstieg Chinas packt, macht den Roman nur noch überzeugender.

So oder so ähnlich könnte die Wirklichkeit sein. Wa­rum aber der Friedenswunsch des Papstes die gesamte Existenz der katholischen Kirche bedroht – dieses Geheimnis sei an dieser Stelle nicht verraten.

Illusion Das wahre Fundament der Kirche ist eine Lüge. Sagt Romanautor Claude Cueni
Die Trilogie ist vollendet

Der 1956 in Basel geborene Claude Cueni hat über 50 auch international beachtete Romane, Hörspiele, Theaterstücke und Drehbücher geschrieben. Mit «Gehet hin und tötet» hat er seine packende Trilogie über die Geschichte der Menschheit und des Geldes vollendet.