| Medium | Bilanz, Schweiz |
| Datum | 10. Juli 1999 |
| Thema | Caesars Druide / "Dank Raubgold reich" |
Dank Raubgold reich Wie der
Pleitier Gaius Julius Cäsar mit einem Privatkrieg seine Schuldensaniierung organisierte
und einer der reichsten Römer wurde: ein Roman aus dem Wirtschaftsleben um 50 vor
Christus. Von JÜRG BÜRGI Das opulente Sittengemälde aus der Römerzeit, «Cäsars Druide», ist zweifellos eine spannende Ferienlektüre. Der über 500 Seiten dicke Schmöker strotzt von prallem Leben, von Liebe und Leidenschaft, politischen Intrigen und gefährlichen Abenteuern. Seinen besonderen Wert verdankt das Werk aber seiner akribischen Faktentreue: Was die neuste Forschung an Erkenntnissen hergibt, hat der Autor Claude Cueni eingearbeitet. «Erfunden», sagt er, «habe ich nur das Nötigste.» Im Zentrum steht die Eroberung Galliens, die der völlig überschuldete Gaius Julius Cäsar (100 bis 44 vor Christus) vornehmlich zu seiner privaten Bereicherung inszenierte. Die unglücklichen Helvetier auf ihrem Weg an die Atlantikküste waren 58 vor Christus bei Bibracte die ersten Opfer des Raubzugs. Acht Jahre später hatte Cäsar, nun 50 Jahre alt, mit seinen Truppen Galliens Stämme unterworfen, 800 Städte und Dörfer zerstört und geplündert und eine Million Menschen abgeschlachtet. Der einst bankrotte Statthalter war mit dem geraubten Gold der Kelten zum Milliardär aufgestiegen, was ihm die Finanzierung des Bürgerkrieges gegen Pompeius erlaubte («De bello civili») und ihm dadurch den Titel Imperator und Diktator auf Lebenszeit eintrug. Die Beute aus Gaffien war so gigantisch, dass der Preis des Edelmetalls in Rom um ein Viertel nachgab und das Überangebot im Sklavenhandel die Margen dramatisch drückte. Dass er reüssierte, verdankte Cäsar einer Mischung aus waghalsiger Risikobereitschaft und einem Sinn für weitsichtige Planung. Um einen reibungslosen Nachschub zu gewährleisten, übertrug er das Management der Getreidekäufe und -transporte für sein Expeditionskorps einem zivilen Unternehmer. Cäsar bezahlte seine Söldner gut, unterhielt Kantinen und einen Bestattungsverein für sie. Er beschäftigte einen eigenen Geheimdienst und unterhielt ein Propagandabüro, um die Stimmung in Rom mit Briefen und seinen «Commentarii de bello gallico», einer PR-Schrift voller Bluff und Beschönigungen, zu manipulieren. «Es ist erstaunlich», wundert sich Claude Cuem, «dass ein solches Buch, das unverhohlen Kriegsverbrechen und Völkermord rechtfertigt, bis heute kritiklos im Unterricht verwendet wird.» Wer wissen will, wie es wirklich war, und sich dabei auch noch bestens unterhalten will, der kann sich von «Cäsars Druide» aufklären lassen. Und für Unersättliche gibt es als Dreingabe auch noch eine Website (www.cueni.ch). |