Medium Blick, Schweiz
Datum 17. September 1998
Thema Caesars Druide / "War Caesar der Hitler der Antike?"
 

Interview mit Claude Cueni

War Cäsar der Hitler der Antike?

BASEL - Lügen unsere Geschichtsbücher? War Cäsar ein Hitler der Antike? War er sexbesessen wie Bill Clinton? BLICK-Autor Helmut-Maria Glogger sprach mit dem Basler Schriftsteller Claude Cueni, der in seinem neuen Roman (Cäsars Druide» die neueste Cäsar Forschung benutzt hat.

War Cäsar nun wie Clinton ein Sexmaniac?

Claude Cueni: «Er versuchte stets, Sex mit Politik und der Sanierung seiner Finanzen zu verknüpfen. Es sind unzählige Frauengeschichten überliefert. Als Cäsar durch Rom zog, sangen seine Legionäre: <Römer, hütet eure Frauen, den Kahlkopf bringen wir. Dein Geld verhurtest du in Gallien, neues pumptest du dir hier,.»

Die Medien ziehen heute Clinton die Hose aus. Gab es damals keine Anti-Cäsar-Presse?

Cueni: «Doch. Während des Gallischen Krieges warfen ihm Zeitgenossen vor, ohne Einwilligung des Senats Legionen ausgehoben, die Grenzen der römischen Provinz überschritten, in Gallien einen Privatkrieg angezettelt zu haben.»

Und seine Völkermorde?

Cueni: «Auch sein Völkermord an den germanischen Usipetern schockierte. Cato verlangte gar seine Auslieferung an die Barbaren. Aber Cäsar stopfte seinen Gegnern mit Raubgold das Maul. Und seine Überfahrt nach Britanien war so sensationell wie die ersten Schritte auf dem Mond. Da erlosch die Kritik.»

Führte Cäsar denn seine Kriege zur privaten Schuldensanierung?

Cueni: «Auch. Um in Rom Karriere zu machen, brauchte es riesige Geldsummen, um Entscheidungsträger bestechen zu können. Als Cäsar sein Prokonsulat in Gallien antrat, war er einer der meistverschuldeten Männer Roms. Gallien galt als Land des Goldes. Cäsar plünderte derart hemmungslos, dass in Rom der Goldpreis um 30 Prozent fiel.»

Weiche Rollen spielten nun die Helvetier?

Cueni: «Sie dienten als Vorwand, den Gallischen Krieg zu eröffnen. Sie dienten auch als Sparringspartner für Cäsars frische Legionäre. Und als Puffer gegen die Germanen. Cäsar hatte keine Erlaubnis, die Helvetier zu verfolgen. »

War Cäsar ein Hitier der Antike?

Cueni: «Cäsar war kein Rassist. Er war eher der Napoleon der Antike, der am liebsten so lange Krieg geführt hätte, bis Rom an Rom grenzt. Mit der Einführung des Aureus war er ein Vordenker des Euro.»

Müssen wir uns ein neues Bild von Cäsar machen?

Cueni: «Unter Hitler und Napoleon gab es ein anderes Cäsar-Bild. Unser heutiges Bild stammt aus Hollywoodfilmen, Auch das Cäsar-Bild, das heute in Schulen vermittelt  wird, deckt sich in keiner Weise mit der neuesten Forschung.»

Wird Ihr Buch von der Forschung bestätigt?

Cueni: «Ja. Ich habe das neue Material benutzt und mein fertiges Manuskript Historikern vorgelegt. <Cäsars Druide> ist zweifellos der erste Roman, der die allerneuste Cäsar- und Keltenforschung berücksichtigt. Trotzdem ist mein Buch kein Geschichtsbuch, sondern ein spannender Roman, der Leser faszinieren soll.