| Medium | Solothurner Zeitung |
| Datum | 13.11.1998 |
| Thema | Caesars Druide / Vom Krimi zur keltischen Gegengeschichte |
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Neue Sicht auf gallischen «Tatort» «Cäsars Druide», ein historischer Thriller von Claude Cueni Der Basler Claude Cueni, Jahrgang 1956, hat es gewagt, sich in die Untiefen des historischen Thrillers zu begeben: «Cäsars Druide», ein Roman aus einem antiken Krieg mit Knalleffekten für heutige Leser. CHRISTIAN GATTIKER Die Schweiz gilt gemeinhin nicht als Qualitätssiegel für spannungsgeladene Literatur. Ebensowenig haben Generationen von Latein Lernenden den Gallischen Krieg von Cäsar als leichtfüssige Belletristik in Erinnerung behalten. Um so überraschender ist es also, wenn sich ein Schweizer Autor ans Werk macht und den Gallischen Krieg stinkfrech und unterhaltsam neu schreibt.Vom Krimi zur keltischen Gegengeschichte Claude Cueni, Jahrgang 1956, bringt vom Handwerk her einiges an Erfahrung mit: Er hat schon mehrere Drehbücher für Krimiserien wie «Tatort» «Peter Strohm» und «Eurocops» geschrieben. Schon von den ersten Seite an brennt er denn auch im Stil des schlitzohrigen Krimiautors ein Feuerwerk ab, das mit Knalleffekten nicht geizt. Der Ich-Erzähler, der keltische Rauriker Korisios, muss mitansehen, wie sein Dorf im Zuge des Germaneneinfalls 58 v. Chr. ausgelöscht wird. Er schliesst sich in der Folge dem grossen Keltenzug unter dem Heivetier-Führer Divico an. Die Helvetier wollen an die Atlantikküste gelangen, um dort bei einem befreundeten Stamm ein friedliches Leben zu führen. Ein römischer Prokonsul stellt sich den friedfertigen Kelten mit seinem Heer entgegen: Gaius Julius Cäsar. Von da an gerät der junge Kelte mit druidischen Ambitionen in die Faszination um den vorerst scheinbar unscheinbaren, aber äusserst charismatisehen Feldherrn. Korisios tritt nach der demütigenden Niederlage der Helvetier bei Bibracte in die Dienste der Römer und schreibt dank seiner guten Kenntnisse der lateinischen und der keltisehen Sprache selber am Bericht «Der Gallische Krieg» mit. Politisches Kalkül Genau hier hat der Roman auch seine besten Qualitäten, nämlich dann, wenn vermeintliche Realität und Fiktion aufeinandertreffen. Wenn Korisius zugleich die wahren historischen Fakten miterlebt und -erzählt, um dann anschliessend als Kontrast die Fassung des Berichts und historischen Dokuments anzufügen, dann wird ein politisches Kalkül offenbar, das es mit jeder politischen Bewegung des 20. Jahrhunderts aufnehmen kann. Friedliche keltische Völker werden als reissende Bestien dargestellt, die sich am römischen Reich vergreifen wollen. Auch vor dem Genozid an einem Volk von 300000 Menschen schreckt die römische Kriegsmaschinerie in ihrem Machthunger nicht zurück, um territoriale Auseinandersetzungen ein für allemal zu beenden. Unterhaltsamer Wälzer. Die Menschen in diesen Zeiten der Kriegswirren wirken dabei höchst modern, um dann im nächsten Moment etwas gänzlich Barbarisches oder Unverständliches zu tun. Auf die Richtigkeit der historischen Tatsachen hin hat Claude Cueni immerhin das Werk von einem Experten durchforsten lassen - wir wollen ihm also glauben. Das fällt auch nicht so schwer, denn Cueni berichtet in einer leicht lesbaren, spannenden Art. Für lange Winterabende Dieser 500-Seiten-Wälzer ist ein Buch für Liebhaber des historischen Romans und eignet sich bestens als Lektüre für lange Winterabende. Ob es sich bei diesem Werk um hochstehende zeitgenössische Literatur handelt, ist eher müssig zu diskutieren. Zur Hauptsache ganz einfach gute Unterhaltung. |