Medium Sonntags Zeitung Schweiz
Datum 03.11.1996
Thema Cobra 11 Autobahnpolizei / So begehrt wie ein Starfussballer
 
So begehrt wie ein Starfussballer


Der Schweizer Drehbuchautor Claude Cueni schreibt sich mit seinen Fernsehkrimis von Erfolg zu Erfolg


VON MICHAEL SENNNAUSER

Claude Cueni aus Ettingen BL gehört zu den erfolgreichsten Drehbuchautoren im deutschsprachigen Raum. Heute abend sendet RTL seinen neuesten Actionknüller «Der Clown». Und vielleicht ist auf dem Internet gleichzeitig das Drehbuch einsehbar.

Von einem Schmied lässt er sich zurzeit eine komplette römische Uniform anfertigen - mit seinen Massen (1,80 Meter). Claude Cueni kennt sich aus mit der Ausrüstung römischer Soldaten, kennt den Unterschied zwischen Ketten- (lorica hamata), Schuppen- (lorica squamata) und Schienenpanzer (lorica sogmentata).

Die Römer haben es ihm schon in seiner Jugend angetan, dem wohl erfolgreichsten Schweizer Drehbuchautor der Gegenwart. «Das ist mein grosses Hobby, die römische Geschichte. Im Internet stelle ich zurzeit mein eigenes virtuelles Museum zusammen. Und zurzeit arbeite ich an einem Krimi, der in der Römerzeit spielt. Aber dafür lasse ich mir Zeit, ich denke, in etwa zwei Jahren wird er fertig sein.»

Zeit lässt sich Claude Cueni ganz pragmatisch, er arbeitet am Römerroman nur während der offiziellen Schulferien. Das hat damit zu tun, dass er seinen vierzehnjährigen Sohn Clovis täglich zur Schule fährt und wieder abholt: «Mit vier Autofahrten täglich wird die Arbeit an einem Roman unmöglich. Meine Drehbücher hingegen, die ohnehin in einzelne Szenen zerlegt entstehen, die lassen sich auch in dem Rhythmus problemlos schreiben.»

Cueni ist vielseitig. Dutzende von Romanen, Theaterstücken, Hör- und Fernsehspielen hat er publiziert, seit er 1974 mit dem Roman «Ad acta» debütierte. Und Cueni ist erfolgreich. Seine TV-Krimis wurden in achtzehn Sprachen übersetzt und in 25 Ländern über 200mal ausgestrahlt. 

Ueber die Höhe der Gage gibt's keine Auskunft mehr

Wie verkauft sich ein Autor wie Cueni? «Ein Drehbuchautor hat ja sozusagen keine Öffentlichkeit, keine Bildschirmpräsenz. Aber branchenintern hat jeder seinen Marktwert. Und nach einem Erfolg wie jenem von unserem <Cobra 11 - Die Autobahnpolizei> auf RTL klopfen sehr schnell auch die Konkurrenzsender bei einem an und versuchen einen abzuwerben. Nur schon, damit man beim Konkurrenten nicht mehr arbeitet. Das funktioniert mittlerweile ganz ähnlich wie beim Fussball...

So wie Starkicker in ganz Europa herumverkauft werden, werden auch Starautoren gehandelt. Cueni gehört längst zu den Spitzenspielern und darf über seine Gagen bei RTL keine Auskunft mehr geben. «Damit wollen die Sender natürlich die Preisspirale ein wenig bremsen.»

Ob sein Marktwert in nächster Zeit weitersteigt oder einen Dämpfer erhält, entscheidet sich heute abend, wenn RTL mit dem «ultimativen Actionfilm» «Der Clown» auf Quotenjagd geht.

«<Der Clown> ist ein rein unterhaltender Actionfilm», erklärt Cueni vergnügt: «Die russische Mafia will in Düsseldorf ihre europäische Zentrale einrichten. Max Zander, ein Agent der WIPA, der World Intelligence Police Agency, versucht das zusammen mit seinem Freund Leo zu verhindern. Leo kommt bei einem Attentat um, und Max beginnt, ein Doppelleben zu führen. Tagsüber steht er als Polizist auf der Seite des Gesetzes, nachts bekämpft er, als Clown getarnt, das organisierte Verbrechen. Russische Tarnfirmen gehen in Flammen auf, Wagenparks explodieren, schmutziges Geld verschwindet per Computer von Geheimkonten.»

Ein klassischer Batman-Plot also? Der maskierte Rächer mit der Doppelexistenz? «Ja klar. Batman. Oder das Phantom: Hier geht es klar um Spannung und Action>>, erklärt Cueni. Sollte sich der Film heute abend als Zuschauererfolg erweisen, soll die Sache in Serie gehen. Cueni sind einige der potentiellen Folgen vertraglich bereits zugesichert, die Rechte an den Figuren und dem Serienpotential liegen aber vollumfänglich beim Sender. «Das ist ganz I normal. Kein Sender würde heute andere Verträge akzeptieren. Mir ist das recht so, ich mache lieber immer wieder etwas Neues, sonst verliere ich den Spass an der Arbeit.»

Zurzeit tummelt sich Cueni mit Interesse auf dem Internet. Da hat er nicht nur Seiten zu seiner Arbeit und seiner Biographie eingerichtet, die Homepage seiner eigenen Agentur «Black Pencil» und Kontaktmöglichkeiten, sondern auch ein virtuelles Römermuseum, das demnächst seine virtuellen Tore öffnen soll. «Ich glaube, ein moderner Autor darf ruhig auch die modernen Kanäle nutzen, um zu seinem Publikum zu kommen.»

Ob er, wie geplant, das Drehbuch zu dem «Clown» heute abend zeitgleich zur Ausstrahlung auf dem Internet zugänglich machen kann, hängt von der Erlaubnis des Senders ab. Und RTL ist in solchen Belangen offenbar nicht so furchtbar schnell.

Am besten selber überprüfen: unter www.cueni.ch - für all jene, die in einer Pausenwerbung rasch den Computer anwerfen mögen.