Claude Cueni aus Ettingen BL gehört zu den erfolgreichsten
Drehbuchautoren im deutschsprachigen Raum. Heute abend sendet RTL seinen neuesten
Actionknüller «Der Clown». Und vielleicht ist auf dem Internet gleichzeitig das
Drehbuch einsehbar.
Von einem Schmied lässt er sich zurzeit eine komplette römische Uniform
anfertigen - mit seinen Massen (1,80 Meter). Claude Cueni kennt sich aus mit der
Ausrüstung römischer Soldaten, kennt den Unterschied zwischen Ketten- (lorica hamata),
Schuppen- (lorica squamata) und Schienenpanzer (lorica sogmentata).
Die Römer haben es ihm schon in seiner Jugend angetan, dem wohl
erfolgreichsten Schweizer Drehbuchautor der Gegenwart. «Das ist mein grosses Hobby, die
römische Geschichte. Im Internet stelle ich zurzeit mein eigenes virtuelles Museum
zusammen. Und zurzeit arbeite ich an einem Krimi, der in der Römerzeit spielt. Aber
dafür lasse ich mir Zeit, ich denke, in etwa zwei Jahren wird er fertig sein.»
Zeit lässt sich Claude Cueni ganz pragmatisch, er arbeitet am
Römerroman nur während der offiziellen Schulferien. Das hat damit zu tun, dass er seinen
vierzehnjährigen Sohn Clovis täglich zur Schule fährt und wieder abholt: «Mit vier
Autofahrten täglich wird die Arbeit an einem Roman unmöglich. Meine Drehbücher
hingegen, die ohnehin in einzelne Szenen zerlegt entstehen, die lassen sich auch in dem
Rhythmus problemlos schreiben.»
Cueni ist vielseitig. Dutzende von Romanen, Theaterstücken, Hör- und
Fernsehspielen hat er publiziert, seit er 1974 mit dem Roman «Ad acta» debütierte. Und
Cueni ist erfolgreich. Seine TV-Krimis wurden in achtzehn Sprachen übersetzt und in 25
Ländern über 200mal ausgestrahlt.
Ueber die Höhe der Gage gibt's keine Auskunft mehr
Wie verkauft sich ein Autor wie Cueni? «Ein Drehbuchautor hat ja
sozusagen keine Öffentlichkeit, keine Bildschirmpräsenz. Aber branchenintern hat jeder
seinen Marktwert. Und nach einem Erfolg wie jenem von unserem <Cobra 11 - Die
Autobahnpolizei> auf RTL klopfen sehr schnell auch die Konkurrenzsender bei einem an
und versuchen einen abzuwerben. Nur schon, damit man beim Konkurrenten nicht mehr
arbeitet. Das funktioniert mittlerweile ganz ähnlich wie beim Fussball...
So wie Starkicker in ganz Europa herumverkauft werden, werden auch
Starautoren gehandelt. Cueni gehört längst zu den Spitzenspielern und darf über seine
Gagen bei RTL keine Auskunft mehr geben. «Damit wollen die Sender natürlich die
Preisspirale ein wenig bremsen.»
Ob sein Marktwert in nächster Zeit weitersteigt oder einen Dämpfer
erhält, entscheidet sich heute abend, wenn RTL mit dem «ultimativen Actionfilm» «Der
Clown» auf Quotenjagd geht.
«<Der Clown> ist ein rein unterhaltender Actionfilm», erklärt
Cueni vergnügt: «Die russische Mafia will in Düsseldorf ihre europäische Zentrale
einrichten. Max Zander, ein Agent der WIPA, der World Intelligence Police Agency, versucht
das zusammen mit seinem Freund Leo zu verhindern. Leo kommt bei einem Attentat um, und Max
beginnt, ein Doppelleben zu führen. Tagsüber steht er als Polizist auf der Seite des
Gesetzes, nachts bekämpft er, als Clown getarnt, das organisierte Verbrechen. Russische
Tarnfirmen gehen in Flammen auf, Wagenparks explodieren, schmutziges Geld verschwindet per
Computer von Geheimkonten.»
Ein klassischer Batman-Plot also? Der maskierte Rächer mit der
Doppelexistenz? «Ja klar. Batman. Oder das Phantom: Hier geht es klar um Spannung und
Action>>, erklärt Cueni. Sollte sich der Film heute abend als Zuschauererfolg
erweisen, soll die Sache in Serie gehen. Cueni sind einige der potentiellen Folgen
vertraglich bereits zugesichert, die Rechte an den Figuren und dem Serienpotential liegen
aber vollumfänglich beim Sender. «Das ist ganz I normal. Kein Sender würde heute andere
Verträge akzeptieren. Mir ist das recht so, ich mache lieber immer wieder etwas Neues,
sonst verliere ich den Spass an der Arbeit.»
Zurzeit tummelt sich Cueni mit Interesse auf dem Internet. Da hat er
nicht nur Seiten zu seiner Arbeit und seiner Biographie eingerichtet, die Homepage seiner
eigenen Agentur «Black Pencil» und Kontaktmöglichkeiten, sondern auch ein virtuelles
Römermuseum, das demnächst seine virtuellen Tore öffnen soll. «Ich glaube, ein
moderner Autor darf ruhig auch die modernen Kanäle nutzen, um zu seinem Publikum zu
kommen.»
Ob er, wie geplant, das Drehbuch zu dem «Clown» heute abend zeitgleich
zur Ausstrahlung auf dem Internet zugänglich machen kann, hängt von der Erlaubnis des
Senders ab. Und RTL ist in solchen Belangen offenbar nicht so furchtbar schnell.
Am besten selber überprüfen: unter www.cueni.ch - für all
jene, die in einer Pausenwerbung rasch den Computer anwerfen mögen.