Medium Tele, Schweiz
Datum 30.01.1999
Thema Caesars Druide / "Hot Spots" Interview mit Sylvia Ostermann
 
Seine Leidenschaft gehört der Zeit Cäsars, der Zeit der Druiden und Legionäre: der Schweizer Claude Cueni (42). Er ist Schriftsteller und einer der erfolgreichsten Drehbuchautoren ("Der Clown", "Peter Strohm", "Tatort") im deutschsprachigen Raum. Jüngst erschien sein Roman "Cäsars Druide" (Heyne, 512 S. Fr. 41.--)

 

Mögen Sie die Zukunft nicht?

Doch warum?

Weil Sie sich seit Ihrer Kindheit mit Druiden und dem alten Rom befassen. Jüngst erschien sogar ein Historienroman von Ihnen: CÄSARS DRUIDE.

Ich lebe in verschiedenen Welten. Wer die Antike kennt, versteht die Gegenwart besser, und wer beides kennt, interessiert sich automatisch für Zukunftsfragen. Sprechende Kühlschränke sind doch genauso faszinierend wie das römische Latrinensystem.

Stimmt alles mit Ihnen?

Bis jetzt brauczhe ich keinen Psychiater. Sie können mir aber unterstellen, dass die Behandlung viel zu teuer wäre.

Das würde ich niemals tun. Sie dürften zumindest mit ihren Drehbüchern fürs Fernsehen ordentlich Geld verdienen.

Wenn Sie meinen... Wichtig ist die Abwechslung. Es gibt so viele interessante und spannende Themen. Und der eine Stoff eignet sich eben besser für ein Buch, der andere für einen Film.

Ein kleiner Mord ist immer gut für einen TATORT. Woher nehmen Sie für so ein Verbrechen eigentlich die Idee?

Ich habe gute Kontakte zu Polizisten, Kommissaren, ehemaligen Undercover-Agenten, lese Zeitungen und Newsmagazine - und wenn man ein Leben lang Geschichten erfindet, geht man mit der Zeit wie ein multimedialer Staubsauger durchs Leben.

Wie bitte?

Wenn ein Handwerker zu mir kommt, um den Kühlschrank zu reparieren, frage ich standardmässig: Wie kann ich mit diesem Kühlschrank einen Menschen umbringen?

Interessant, und?

Sie möchten wohl, dass ich Sie zum Essen einlade. Aber ich werde Ihnen keine Details verraten.

Ich bin aber neugierig.

Die Tat an sich ist doch gar nicht so spannend. Interessant ist erst die Extremsituation, die dazu führt. Zudem braucht jeder Krimiautor eine gewisse kriminelle Energie und die Moral, es trotzdem nicht zu tun.

Dann schreiben Sie sich - in einer Selbsttherapie - von ihren Aggressionen frei?

Ich denke bei krimineller Energie nicht an Mord und Totschlag. Ich denke an den perfekten Coup, wie einen Postraub. Den muss ich ja für meine Figuren auch noch planen.

Apropos: Planen Sie auch aktuelle Themen in Ihre Arbeit ein? Wie zum Beispiel den Lehrermord von St. Gallen?

Auf keinen Fall! Ich bin kein Trittrrettfahrer, der sich an eine tragische Aktualität ranhängt, um daraus eine Geschichte zu machen. Ich fände das gegenüber den Angehörigen höchst unanständig.

Es gibt viele Kollegen, die das machen.

Weil die armen Kerle nichts anderen können. Man sollte nicht alles schreiben, was man schreiben könnte. Ich kehre lieber nach Massilia zurück und begleite Cäsars Druiden durch das nächste Buch. Die Leser wollen unbedingt, dass ich ihm seine Sklavin zurückgebe. Wenn die wüssten....

Interview: Sylvia Ostermann