Interview mit TELE / Oktober 2002
von Marco Morosoli (109)

TOTGELAUFEN. Action Drehbücher. 

Der Schweizer Drehbuch Autor Claude Cueni glaubt, dass die Zeit der TV Action Serien abgelaufen ist.

 

Arbeitsam: Claude Cueni hat Drehbücher für "Der Clown", "Tatort", "Alarm für Cobra 11 - Die Autobahnpolizei", "Peter Strohm" und die "Eurocops" verfasst. 

ungekürzte Version

Der Pilotfilm zu «Cobra 11» war er erfolgreichste Serienstart im deutschen Fernsehen. Sind sie stolz?

Natürlich. Wer möchte schon in der 2. Liga spielen? Im Gegensatz zum subventionierten Theater ist Misserfolg in meiner Sparte keine Auszeichnung. Bei Drehbuchautoren zählt die Quote. 

Sie haben unter anderem die Actionserien «Der Clown» und «Cobra 11» konzipert. Wieso sind solche Actionserien beim Publikum so beliebt?

Am Anfang wars halt ein bisschen Action Kino fürs Fernsehen. Aber mittlerweile hat sich das tot gelaufen.

Weshalb?

Heutzutage wissen wir doch, dass jeder Lastwagen einen doppelten Salto drehen und unbeschädigt weiterfahren kann. Um die Actionszenen in TV-Serien zu toppen, bräuchte es noch grössere TV Budgets. Und die sind beim Fernsehen nicht vorhanden. Dehalb wirkt das Genre repetitiv und uninspiriert. Die Qualität der Plots lässt nach, weil man sich nur noch überlegt: Welche Actionszene haben wir noch nicht gehabt?

Trotzdem: Was macht eine gute Action-Serie aus?

Es gelten stets die gleichen Gesetze wie bei allen anderen Film Genres auch: Das A und O sind Figuren mit klar durchdachten Positionierungen. Wenn sie handwerklich schlecht strukturiert sind, machen wir uns keine Sorgen um sie und es ist uns egal, ob ihnen ein Intercity um die Ohren fliegt. 

Während in Deutschland das Geschäft zu boomen scheint, sind in der Schweiz Action-Filme eine Seltenheit. Aus welchen Gründen?

Zu teuer. Ich bezweifle aber, dass das Action Genre noch gross boomt. Was heute produziert wird, ist ja nicht der Trend von Morgen. Der Trend von Morgen ist das Exposé, das heute geschrieben wird.

>Wie kamen Sie zum Drehbuchschreiben?

Martin Hennig, der damalige Abteilungsleiter von SF DRS, rief eines Tages an und fragte mich, ob ich blitzschnell eine Komödie schreiben könnte.Er hatte gerade ein Drehbuch in den Papierkorb geworfen und brauchte dringend ein neues. Ich schrieb dann den Millionenfund, der über eine Million Zuschauer erreichte. Und anschliessend 40 weitere Drehbücher.

Wo sammeln Sie ihre Ideen.

Ein Drehbuchautor, der Ideen sucht, ist wohl ein Stoff für Woody Allen. So wie ein Fussballer die Ballbeherrschung im Blut haben muss, muss auch ein Drehbuchautor über eine unerschöpfliche Phantasie verfügen. Der schwierigere Teil ist, das Rohmaterial von Ideen, Bildern und Figuren in eine dramaturgische Struktur zu bringen und mit viel Disziplin und Fleiss zu einem Drehbuch zu formen.

Wie lange dauert es von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt? (Bsp. Alarm für Cobra 11)

Da ist alles möglich. Es gab "Peter Strohm" Folgen, die ich in 5 Tagen geschrieben habe, aber auch Drehbücher wie den Tatort "Tod einer alten Frau" mit Günther Lamprecht, wo die Gefahr bestand, dass ich mit diesem Drehbuch in Rente gehe. Vier oder fünf Monate sind aber schon realistisch.

Sie arbeiten nicht nur an Drehbüchern, sondern sind auch Schriftsteller und haben interaktive Spiele für TV-Serien entwickelt. Welche Tätigkeit macht am meisten Spass?

Immer die, die ich gerade ausführe. Als ich 20 war, wollte ich so schnell wie möglich vom Schreiben leben können. Mit 30 hatte ich dieses Ziel erreicht und war nur noch von weltfremden Schöngeistern umgeben. Ich hatte keine Lust die nächsten 30 Jahre als geschützte Vogelart zu verbringen und entwickelte Drehbücher für Computerspiele. So entstand dann die virtuelle Firma "Black Pencil", eine Firma, die gar nie geplant war. 

Zuletzt waren Sie auch an der Entwicklung von «Quiz Today» beteiligt. Wie gefällt Ihnen das fertige Produkt?

Ich bin froh, dass die Fremdkörper wieder entfernt worden sind und dass wir uns nun wieder dem Originalkonzept, das Kurt Felix und ich abgeliefert haben, annähern. Die Show ist nun schlanker und schneller geworden. Und das ist gut.

Welche Ambitionen haben Sie für die Zukunft? Hat Hollywood schon angeklopft?

Ja, aber ich war gerade unter der Dusche. Für "Caesars Druide" gibts Interesse an den Filmrechten. Dass Hollywood die Geschichte des helvetischen Druidenlehrlings Korisios verfilmt, ist ja ziemlich unwahrscheinlich, aber genau das ist das Interessante an diesem Projekt. Etwas Unmögliches wahr zu machen.

Verraten Sie uns, an welchen Projekten Sie zur Zeit arbeiten?

Ich arbeite an der Fortsetzung von "Caesars Druide". Nachdem die Geschichte des helvetischen Druiden auch in Italien und Spannien erfolgreich verkauft wird, habe ich mich entschlossen weiter zu machen. "Caesars Druide" ist mein Lieblingsstoff. Und es freut mich enorm, dass sich in diesen Wochen so viele Leserinnen und Leser aus Italien, Spanien und Südamerika nach dem Verbleiben der Sklavin Wanda erkundigen. Die machen sich eben Sorgen um diese Figur. Ich übrigens auch.