Interview mit Basler Zeitung / Magazin 9. Nov. 2002
(110)  Originaltext ohne irrtümlich vertauschten Frage- und Antwortteile
 

Gretchenfrage:

Titel:

Wie halten Sie es mit der Sucht?

Lead:

Claude Cueni wollte schon immer Geschichten erzählen. Kurz vor der Matura hat er dafür die Schule abgebrochen, ist wie sein damaliges Vorbild Henry Miller durch Europa gereist und Schriftsteller geworden. Unterdessen hat sich der heute 46-Jährige auch als Drehbuchautor und Entwickler von Computerspielen einen Namen gemacht. Vor gut einem Jahr entwarf er zusammen mit der Basler Werbeagentur cR DDB Basel und dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) das erste Präventionsspiel für die «Stop Aids»-Homepage des BAG. Seither wurde «Catch the Sperm» von mehr als 18 Millionen Surfern in 189 Ländern heruntergeladen. Auch die beiden neueren Präventionsspiele, ein Anti-Alkohol- und ein Anti-Rauch-Game, leisten Aufklärungsarbeit und beugen  Sucht vor. Mena Kost wollte wissen, ob die Spiele auch bei ihm Wirkung zeigen und ob Cueni selbst einer Sucht frönt.

 

Claude Cueni, wie halten Sie es mit der Sucht?

 

Ich habe vor zwei Jahren mit dem Rauchen aufgehört und bin sehr erleichtert, endlich davon befreit zu sein. Zur Zeit versuche ich, das Sprichwort «Die Summe aller Laster bleibt stets gleich» zu widerlegen.

 

Und, haben sie sich ein anderes Laster zugelegt?

 

Nein, ich bin noch nicht fündig geworden. Aber nach zwei Jahren ist das eh kein Thema mehr. Man raucht ja schliesslich bloss, um die Entzugserscheinungen zu lindern, und die sind ja irgendwann abgehakt.

 

Sie haben drei Präventionsspiele mitentwickelt: Catch the Sperm, Spacebar und Smoke Attack. Sind die Games der Grund, dass Sie mit Rauchen aufgehört haben?

 

Nein, das wäre dann doch eine zu schöne Geschichte.

 

Im «Spacebar» fliegen Biere durch die Luft, die abgeschossen werden müssen. Wenn ich ständig volle Biergläser vor mir habe, bekomme ich dann nicht eher Lust, eins zu trinken?

 

Ist das so bei Ihnen? Also ich steh eher auf Rotwein. Aber im Ernst: Es gibt Spiele, die nur dazu dienen, die Surfer auf eine Homepage zu locken und es gibt andere wie etwa «Catch the Sperm», die durch Häufigkeit, Dauer und Intensität des Spiels präventiv wirken. Catch the Sperm wurde zum Beispiel im Schnitt 94-mal gespielt. Der Memory-Effekt ist enorm. Das schafft kein anderes Medium.

 

94-mal! Wird man von Ihren Spielen also auch süchtig?

 

Es gibt tatsächlich Gamer, die das Spiel bereits über 10´000 Mal gespielt haben. Den Rekord hält eine Spielerin mit 39´490. Das entspricht etwa einem Tagespensum von acht Stunden während vier Monaten. Aber würde die Person nicht Catch the Sperm spielen, dann halt ein anderes Game.

 

Und was ist mit Ihnen, sind Sie  auch ein «Spieler»?

 

Früher ja. Da habe ich mit meinem Sohn oft Strategiegames gespielt. Da er jetzt aber erwachsen ist und nicht mehr spielt, musste ich wohl oder übel auch erwachsen werden. Heute ist für mich die internationale Vermarktung der Spiele das interessante Game.

 

Vor vier Jahren erschien mit «Cäsars Druide» Ihr erster historischer Roman. Kann die intensive Recherche zur Antike auch zur Sucht werden?

 

Ja, kommt auf die Definition drauf an. Ich würde es eher als grosse Leidenschaft bezeichnen, als Hunger, der nie genügend gestillt wird. Denn je mehr man über die römische Antike erfährt, desto mehr möchte man wissen. Recherchieren bedeutet aber nicht nur Lesen, sondern auch Reisen und Gespräche mit Historikern, Archäologen und anderen Süchtigen.

 

 

Box:

 

Claude Cueni wurde am 13.1.1956 in Basel geboren und arbeitet heute als Schriftsteller und CEO der von ihm gegründeten Black Pencil Entertainment AG. Neben Computerspielen entwickelt Cueni Film Drehbücher und schreibt historische Romane (Cäsars Druide). Mit «Quiz Today», einer zusammen mit Entertainer Kurt Felix ausgetüftelten SMS-Quiz Show, startete Cueni diesen September das aktuellste Black Pencil-Produkt im Schweizer Fernsehen.