Binningen.
«Ich könnte problemlos jeden
Tag einen 1000-seitigen Roman
schreiben, wenn ich über die
physischen Kapazitäten dazu
verfügen würde», sagt Claude
Cueni und lehnt sich in seinem
Sessel zurück. Leider hat aber
der Tag nur 24 Stunden und einen
Teil davon muss auch der 47-jährige
Schriftsteller, Drehbuchautor
und Computerspiel-Austüftler
schlafend verbringen. Bereits um
fünf Uhr morgens sitzt er aber
wieder vor dem Computer und
schreibt, derzeit an einem
historischen Roman, der im 17.
Jahrhundert spielen soll. Ferien
macht Claude Cueni keine. «Ich
würde nur unter Zwang an
irgendeinen Strand liegen»,
meint er. Allenfalls verlässt
er sein Schreibpult für
ausgedehnte Recherchen, die ihn
auch schon mal in die
Kanalisation von Basel, in
Marseilles Altstadt oder wie unlängst
auf den grossen St. Bernhard führen.
Zielstrebig und präzise
Denn: Ob er an einem
historischen Roman aus der Zeit
um 60 vor Christus oder an einem
Drehbuch zur Fernsehkrimi-Serie
«Tatort» schreibt: Cueni legt
grössten Wert auf Authentizität;
was er beschreibt, will er auch
nachvollziehen können. «Ich
bin keiner, der im stillen Kämmerlein
Geschichten erfindet», sagt er,
«die historische Kulisse muss
akribisch recherchiert sein,
aber bei den fiktiven Figuren
habe ich meine Freiheiten.»
Allzu viel Freiheit nimmt er
sich aber dabei nicht heraus.
Bei seinem ersten historischen
Roman «Cäsars Druide»,
mittlerweile in dritter Auflage
erschienen und in mehrere
Sprachen übersetzt, liess er
die Fakten von Historikern überprüfen.
10 Jahre lang schrieb und
recherchierte er an dem Buch und
erfüllte sich mit der
Geschichte des Druidenlehrlings
Korisios einen Bubentraum: «Schon
als Knirps spielte ich ständig
mit kleinen Römerfiguren»,
erinnert sich Cueni, der
mittlerweile über Römer nicht
nur weiss, dass deren Rüstungen
bei Asterix und Obelix
historisch unkorrekt dargestellt
sind.
Zielstrebig umgesetzt hat er
auch seine Berufsvisionen:
Schriftsteller werden wollte der
gebürtige Basler schon als
Schuljunge. Dazu ent
schlossen
hat er sich just ein Jahr vor
der Handelsmatur. Statt weiter
die Schulbank zu drücken, hielt
er den Daumen in den Wind und
trampte durch Europa. 1974
erschien sein erstes Buch «ad
acta». Allerdings klappte es
mit der Schriftstellerei nicht
auf Anhieb: Zehn Jahre lang
versuchte der zielstrebige
Jungautor insgesamt, sein
Manuskript bei einem Verlag
unterzubringen. «Ich habe
meinen Text nach jeder Absage
wieder verbessert», erinnert er
sich und attestiert sich auch
heute noch die Fähigkeit zur
Selbstkritik. Seinen
Lebensunterhalt verdiente er
sich in dieser Zeit mit
Gelegenheitsjobs, unter anderem
als Verkäufer in einem
Jagdgeschäft, als
Bahnhofarbeiter, Privatsekretär
eines iranischen Händlers oder
als Kellner. «Meine Jobs hatten
immer auch mit der Geschichte zu
tun, an der ich gerade schrieb»,
sagt Claude Cueni.
Theater und Computergames
Heute kann er vom Schreiben
gut leben. Das hat er nicht
zuletzt seiner Arbeit als
Drehbuchautor zu verdanken.
Cueni schrieb Folgen von
Fernsehkrimis wie «Tatort», «Peter
Strohm» «Der Clown», «Alarm
für Cobra 11» oder «Eurocops»,
die in 28 Sprachen und 36 Ländern
ausgestrahlt wurden. Naserümpfenden
TV-Verächtern kann der
vielseitige Schreiber auch Hörspiele
oder Theaterstücke
entgegenhalten, die unter
anderem in Basel, Zürich oder
Bonn aufgeführt wurden.
Und als sei das alles noch nicht
genug, erfindet der Mann auch
noch Computerspiele. Zuerst ein
historisches Spiel namens
Hannibal, dann in Zusammenarbeit
mit Fachleuten das erste
interaktive Spiel am Fernseher
und schliesslich Computer-Games
wie «Catch the Sperms», «Smoke
Attack» oder «Spacebar», wo
die Spieler so ganz nebenbei für
die Gefahren von Aids, Tabak und
Alkohol sensibilisiert werden.
Claude Cuenis neuster Coup ist
der glupschäugige Geier Harry
Buster. Das Austüfteln von
Software-Spielen empfindet
Claude Cueni als reizvolle
Abwechslung zum Schreiben. Den
Kulturbetrieb nämlich empfindet
er zunehmend als «elitär,
weltfremd und abgehoben». Ganz
auf das Entwickeln von
Computergames umzusatteln käme
ihm aber trotzdem nie in den
Sinn. «Wenn das Romanschreiben
mal funktioniert», meint er
lapidar, «ist das eine
ungeheuer grosse Befriedigung.»
Esther Ugolini
www.cueni.ch