151 / 4. November 2003

 


Computerspiele, Drehbücher und Romane

 

Morgens schreibt er Bücher, nachmittags tüftelt er Computergames aus: Für seine vielen Ideen und Projekte schöpft der in Binningen lebende und arbeitende Autor Claude Cueni aus dem Vollen. Dass er davon gut leben kann, verdankt er auch der Tätigkeit als Drehbuchautor.
  Der Computerspiel-Designer Claude Cueni. Der 47-jährige Basler ist ein Multitalent: Er schreibt historische Romane, entwirft Drehbücher für das Fernsehen, zum Beispiel für «Tatort», aber auch Computergames. Foto Claude Giger
Binningen. «Ich könnte problemlos jeden Tag einen 1000-seitigen Roman schreiben, wenn ich über die physischen Kapazitäten dazu verfügen würde», sagt Claude Cueni und lehnt sich in seinem Sessel zurück. Leider hat aber der Tag nur 24 Stunden und einen Teil davon muss auch der 47-jährige Schriftsteller, Drehbuchautor und Computerspiel-Austüftler schlafend verbringen. Bereits um fünf Uhr morgens sitzt er aber wieder vor dem Computer und schreibt, derzeit an einem historischen Roman, der im 17. Jahrhundert spielen soll. Ferien macht Claude Cueni keine. «Ich würde nur unter Zwang an irgendeinen Strand liegen», meint er. Allenfalls verlässt er sein Schreibpult für ausgedehnte Recherchen, die ihn auch schon mal in die Kanalisation von Basel, in Marseilles Altstadt oder wie unlängst auf den grossen St. Bernhard führen.

Zielstrebig und präzise

Denn: Ob er an einem historischen Roman aus der Zeit um 60 vor Christus oder an einem Drehbuch zur Fernsehkrimi-Serie «Tatort» schreibt: Cueni legt grössten Wert auf Authentizität; was er beschreibt, will er auch nachvollziehen können. «Ich bin keiner, der im stillen Kämmerlein Geschichten erfindet», sagt er, «die historische Kulisse muss akribisch recherchiert sein, aber bei den fiktiven Figuren habe ich meine Freiheiten.» Allzu viel Freiheit nimmt er sich aber dabei nicht heraus. Bei seinem ersten historischen Roman «Cäsars Druide», mittlerweile in dritter Auflage erschienen und in mehrere Sprachen übersetzt, liess er die Fakten von Historikern überprüfen. 10 Jahre lang schrieb und recherchierte er an dem Buch und erfüllte sich mit der Geschichte des Druidenlehrlings Korisios einen Bubentraum: «Schon als Knirps spielte ich ständig mit kleinen Römerfiguren», erinnert sich Cueni, der mittlerweile über Römer nicht nur weiss, dass deren Rüstungen bei Asterix und Obelix historisch unkorrekt dargestellt sind.
Zielstrebig umgesetzt hat er auch seine Berufsvisionen: Schriftsteller werden wollte der gebürtige Basler schon als Schuljunge. Dazu entschlossen hat er sich just ein Jahr vor der Handelsmatur. Statt weiter die Schulbank zu drücken, hielt er den Daumen in den Wind und trampte durch Europa. 1974 erschien sein erstes Buch «ad acta». Allerdings klappte es mit der Schriftstellerei nicht auf Anhieb: Zehn Jahre lang versuchte der zielstrebige Jungautor insgesamt, sein Manuskript bei einem Verlag unterzubringen. «Ich habe meinen Text nach jeder Absage wieder verbessert», erinnert er sich und attestiert sich auch heute noch die Fähigkeit zur Selbstkritik. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich in dieser Zeit mit Gelegenheitsjobs, unter anderem als Verkäufer in einem Jagdgeschäft, als Bahnhofarbeiter, Privatsekretär eines iranischen Händlers oder als Kellner. «Meine Jobs hatten immer auch mit der Geschichte zu tun, an der ich gerade schrieb», sagt Claude Cueni.

Theater und Computergames

Heute kann er vom Schreiben gut leben. Das hat er nicht zuletzt seiner Arbeit als Drehbuchautor zu verdanken. Cueni schrieb Folgen von Fernsehkrimis wie «Tatort», «Peter Strohm» «Der Clown», «Alarm für Cobra 11» oder «Eurocops», die in 28 Sprachen und 36 Ländern ausgestrahlt wurden. Naserümpfenden TV-Verächtern kann der vielseitige Schreiber auch Hörspiele oder Theaterstücke entgegenhalten, die unter anderem in Basel, Zürich oder Bonn aufgeführt wurden.
Und als sei das alles noch nicht genug, erfindet der Mann auch noch Computerspiele. Zuerst ein historisches Spiel namens Hannibal, dann in Zusammenarbeit mit Fachleuten das erste interaktive Spiel am Fernseher und schliesslich Computer-Games wie «Catch the Sperms», «Smoke Attack» oder «Spacebar», wo die Spieler so ganz nebenbei für die Gefahren von Aids, Tabak und Alkohol sensibilisiert werden. Claude Cuenis neuster Coup ist der glupschäugige Geier Harry Buster. Das Austüfteln von Software-Spielen empfindet Claude Cueni als reizvolle Abwechslung zum Schreiben. Den Kulturbetrieb nämlich empfindet er zunehmend als «elitär, weltfremd und abgehoben». Ganz auf das Entwickeln von Computergames umzusatteln käme ihm aber trotzdem nie in den Sinn. «Wenn das Romanschreiben mal funktioniert», meint er lapidar, «ist das eine ungeheuer grosse Befriedigung.»
Esther Ugolini

www.cueni.ch