Römische Münzen sind immer auch Dokumente ihrer Zeit. Hier ein Beispiel anhand einer Nero-Münze.


muenzexl.jpg (301071 Byte)

 
Römischer Denar: Vorläufer des Euro
Schon in der gesamten antiken Welt gab es eine Einheitswährung: den römischen Denar. Die im Jahr 180 vor Christus eingeführte Währung soll - vor allem aufgrund des ausserordentlich stabilen Preisniveaus - der römischen Welt einen erheblichen wirtschaftlichen Aufschwung beschert haben.
Bonn. Der Euro hat einen erfolgreichen Vorläufer: Bereits vor rund 2000 Jahren bestand im weitgespannten Römischen Reich ein einheitlicher Wirtschaftsraum, in dem vor allem mit dem Silber-Denar ein allgemein anerkanntes Zahlungsmittel kursierte. Über Jahrhunderte hinweg konnten die Völker der Antike im Schutz des Reichsfriedens zwischen Mittelmeer und Nordsee, Atlantik und Schwarzem Meer praktisch ungehindert Handel treiben und bei stabilen Preisen allerorten mit einer Währung zahlen. Bis in die heutige Zeit ist die Erinnerung an den Denar wach: Sein Name lebt zum Beispiel im jugoslawischen Dinar fort. Auch der britische Penny wurde bis vor wenigen Jahren noch etwa auf Briefmarken mit einem «d» für Denarius abgekürzt.
Eine Art Dollar der Antike
«Es war vielleicht die erfolgreichste Währung der Welt», meint der Numismatiker Wolfram Weiser von der Universität Köln zu der römischen Devise, die in Silber- und auch Goldprägungen auch ausserhalb des Römischen Reiches und selbst in entfernten Weltgegenden wie Südindien gefragt war - eine Art Dollar des antiken Erdkreises. Eingeführt wurde der Denar in Rom um 180 vor Christus, als die aufstrebende Republik erkannte, dass ihr bisheriges rohes Kupfergeld nicht mit den feinen Silbermünzen anderer Staaten mithalten konnte. Je weiter sich in der Folgezeit die römische Herrschaft ausdehnte, desto mehr wurde der Denar zur führenden Währung im Mittelmeerraum.
Handel ohne Schranken
Die hohe Zeit der einheitlichen Wirtschaftszone mit ungehindertem Warenverkehr und weitgehender Freiheit vor staatlichen Eingriffen ins Erwerbsleben begann dann um Christi Geburt im römischen Kaiserreich unter Augustus: Ein Friedens-Imperium mit hervorragender Infrastruktur wie den zum Teil bis heute zurückzuverfolgenden Römerstrassen gestattete die Einfuhr von Zinn aus Britannien und Bernstein von der Ostsee, von Gold aus Sudan und Seide aus China. Vor allem die Metropole Rom mit ihren Hunderttausenden von Einwohnern hatte einen riesigen Bedarf an Gütern aller Art. «Zweihundert Jahre lang hat das System hervorragend funktioniert», sagt Weiser. Nicht zuletzt ein ausserordentlich stabiles Preisniveau habe der römischen Welt einen erheblichen wirtschaftlichen Aufschwung beschert.
Zurück zur Tauschwirtschaft
Im dritten nachchristlichen Jahrhundert war es dann aber mit der Blüte vorerst vorbei: Eine massive Geldentwertung setzte ein. Vergleichbar mit den grossen Papiergeldinflationen unseres Jahrhunderts wurden für Brot und Fleisch Millionenbeträge verlangt, am Ende gab es wie in den Anfängen der römischen Republik in weiten Bereichen wieder Natural- und Tauschwirtschaft. Es waren jedoch nicht in erster Linie wirtschaftliche Ursachen, die zum Niedergang führten, obwohl viel Geld für Unterstützungszahlungen an arme Bevölkerungsschichten draufging, Unsummen in unproduktive Bereiche wie luxuriöse Grossbauten der Kaiser flossen und die Völker ausserhalb des Reiches, die kein eigenes Geld besassen, römische Münzen horteten. Hauptgründe für die Krise waren vielmehr zermürbende Kriege mit aufbegehrenden Grenzvölkern, die eingeschleppte Pest und eine Reihe verheerender Erdbeben.
Reglementierte Wirtschaft
Erst dem Reformkaiser Diokletian gelang es um 300 nach Christus, die Inflation zu bändigen und die Wirtschaft wieder ins Laufen zu bringen. Die Goldmünzen, die er und seine Nachfolger prägen liessen, halten aber einem Vergleich mit dem Euro nicht stand: Anders als die Wirtschafts- und Währungsunion unserer Tage, die auf dem freien Verkehr von Waren, Kapital und Personen basiert, existierte unter Diokletian ein staatlich reglementiertes Wirtschaftssystem mit starker Einschränkung der Freizügigkeit, Innungszwang und Preiskontrolle.
Stefan Mechnig/AFP