Happy Birthday, Robert Crump (78)!

Happy Birthday Robert Crump (78)!

Zwischen 1965 und 1972 erschien sein Comicstrip FRITZ THE CAT, der 1972 als Animationsfilm in die Kinos kam. Er erzählt die Geschichte des sex- und drogensüchtigen Katers Fritz. Der Kultfilm war damals erst ab 18 zugelassen, heute würde er wohl gar nicht mehr zugelassen. Auch daran erkennt man, wie prüde, intolerant und humorlos die westliche Öffentlichkeit geworden ist.


Die Woke-Bewegung ist der/die/das wieder aufgewachte Bünzli aus grauer Vorzeit.


COMIC, das Magazin für Comic-Kultur schrieb:

 

Ein versoffener, rüdiger Kater

Er säuft, er ist ein Mann ohne Moral und Ethik, er nimmt Drogen, er behandelt Frauen wie Dreck, er ist die Person gewordene Antithese zur Hippie-Bewegung der 1960er Jahre: Robert Crumbs Fritz the Cat ist all das und noch mehr, denn mit dem Establishment kann er auch nicht. Ein wütender junger Mann spricht hier, verklausuliert in den Underground-Comics einer Zeit, in der alles im Aufbruch war – auch das Medium selbst.

Aus heutiger Sicht sind die Eskapaden von Fritz mindestens kurios, manchmal auch abstoßend, durchaus aber immer noch faszinierend. (…)

Crumbs berühmteste Schöpfung war dabei so etwas wie die Speerspitze, was weniger an den Comics selbst, sondern an dem Umstand lag, dass Ralph Bakshi einen Zeichentrickfilm inszenierte, der 1972 weltweit für Furore sorgte und mehr als 100 Millionen Dollar einspielte. Das machte Fritz und seinen Schöpfer bekannter, als es noch so viele Comic-Geschichten jemals hätten tun können.

Damit wurde aber auch der Anfang vom Ende eingeläutet. 1964 ersonnen und 1965 erstmals publiziert, ließ Crumb seinen Antihelden 1972 mit der Geschichte „Fritz the Cat Superstar“ sterben, weil er das Gefühl hatte, dass der Film seiner Schöpfung nicht gerecht geworden war. Darum erlaubt er dem Kater eine letzte Sexkapade, bevor er zulässt, dass dessen Geliebte ihm einen Eispickel in den Hinterkopf rammt.

(…)


 

093 Blick »Es war doch nur eine Frau«

© Blick 20. August 2021


Claude Cueni ist Schriftsteller und lebt in Basel. Zuletzt erschienen bei Nagel & Kimche «Genesis – Pandemie aus dem Eis» (2020) und «Hotel California» (2021).


«Es war doch nur eine Frau», sagte der junge Afghane Hussein K. bei der Vernehmung. Der bereits in Griechenland verurteilte Sexualtäter hatte 2016 die 19-jährige Studentin Maria L. vergewaltigt und brutal ermordet. August 2021: Zwei Afghanen ermorden ihre 34-jährige Schwester, weil sie die westliche Lebensweise annahm. Dazwischen: immer wieder Vergewaltigungen und Ehrenmorde.

Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt (1918–2015) hatte einst gefordert, dass man eine weitere Zuwanderung aus völlig fremden Kulturen unterbindet, das schaffe nur «ein zusätzliches dickes Problem».

Eine Minderheit, die dem Ruf ihrer Landsleute schadet

Es ist gut, wenn man ein grosses Herz hat, aber es sollte noch eine Spalte frei sein für den Verstand. Man kann afghanische Kinder, Frauen und Familien aufnehmen, aber wir sollten nicht leugnen, was seit Herbst 2015 in Europa geschieht, und keine weiteren allein reisende und gewaltgewohnte Jungs aus dem Hindukusch aufnehmen, die Frauen als nuttiges Freiwild, unsere Gesellschaft als Beutegesellschaft und unsere Toleranz als Schwäche betrachten. Sie sind nicht integrierbar und strapazieren mit ihrer niedrigen Frustrationstoleranz und eingebildeten Ehrverletzungen unsere Gastfreundschaft.

Sie sind eine Minderheit, das sei hier ausdrücklich betont, aber sie schaden dem Ruf ihrer integrierten Landsleute, denen teilweise bewundernswerte Karrieren gelingen. 

Privat würde man jeden Gast vor die Tür stellen, der sich an einem Familienmitglied sexuell vergreift. Sind nicht auch Frauen im eigenen Land schützenswert? Fehlt es an Empathie für unbekannte Opfer?

Man sollte aus den Fehlern lernen

Ex-Parteichef Helmut Hubacher (1926–2020) erklärte es so: «Für viele Sozialdemokraten war jeder Ausländer ein armer Siech, den man wie einen Kranken hegen und pflegen musste. Dass auch Ausländer kriminell sein und nicht anständig arbeiten können, wurde ausgeblendet.»

Nach 40 Jahren Mitgliedschaft trat Ursula Sarrazin (Ehefrau von Thilo Sarrazin) aus der Partei aus: «Die SPD ist zu einer Partei geworden, in der man die Wirklichkeit nicht mehr beschreiben darf.»

Die Realität ist nun mal so, wie sie ist. Ob es uns gefällt oder nicht. Man sollte aus den Fehlern lernen. Tun wir das nicht, «retten wir nicht Afghanistan, sondern werden selbst zu Afghanistan» (frei nach Peter-Scholl Latour).

Claude Cueni (65) ist Schriftsteller und lebt in Basel. Er schreibt jeden zweiten Freitag im Blick. Zuletzt erschienen bei Nagel & Kimche «Genesis – Pandemie aus dem Eis» und «Hotel California».

Weltwoche: Tagebuch

© Die Weltwoche – 12. August 2021


Claude Cueni ist Schriftsteller und lebt in Basel. Zuletzt erschienen bei Nagel & Kimche «Genesis – Pandemie aus dem Eis» (2020) und «Hotel California» (2021).

Im Mai erhielt ich meine zweite Pfizer/Biontech-Impfung. Jeder hat sein eigenes Risikoprofil und wägt ab. Da ich seit einer leukämiebedingten Knochenmarktransplantation immunsupprimiert bin und sechs der neun gelisteten Vorerkrankungen habe, hielt ich in meinem Fall das Risiko einer Impfung für das kleinere Übel. Hatte ich Nebenwirkungen? Vor dreissig Jahren hätte ich gesagt: O ja, es war schrecklich. Heute sage ich: Nicht der Rede wert. Die chronische Fatigue von Krebskranken nach einer Transplantation ist Long Covid hoch zehn. In einer Studie klagten 40 Prozent der Placebogruppe über Nebenwirkungen . . . «Generation beleidigt» ist auch «Generation wehleidig». Man fragt sich manchmal, wie unsere Vorfahren den Zweiten Weltkrieg durchgestanden haben.

In meinem Bekanntenkreis werden viele gegensätzliche Standpunkte vertreten. Ich habe damit kein Problem. Die einen misstrauen einem Impfstoff, der im «beschleunigten Verfahren» zugelassen wurde, andere vertrauen dem Wohlwollen der Götter, Geschichtslose wähnen sich in einer Nazi-Diktatur und wieder andere lehnen die Eingriffe in unsere Grundrechte ab. Der Ton wird gehässiger. Ich halte es für eine zeitgeistbedingte Unreife, dass manche glauben, sie könnten nur mit Leuten befreundet sein, die zu 100 Prozent ihre Meinung teilen. Niemand ist das Mass aller Dinge. Selbst auf einem Dating-Portal wird man kaum jemanden mit hundert Matching-Punkten finden.

Es gibt jedoch eine Gemeinsamkeit: den enormen Vertrauensverlust in Politik, Medien und Wissenschaft. Alain Berset und seine Task-Force haben zu oft die Unwahrheit gesagt. Wissenschaftler widersprechen sich im Stundentakt. Einige deutsche Kliniken melden falsche Zahlen, weil sie für jedes belegte Intensivbett staatliche Zuschüsse erhalten. Medien richten sich nach der Dramaturgie erfolgreicher TV-Serien: Eine Staffel folgt der nächsten, eine Angstkampagne löst die nächste ab, Horrorvisionen im Konjunktiv, das nächste Virus könnte das Schlimmste sein.

Es ist auch für mich mittlerweile irrelevant, was Alain Berset und seine Task-Force verkünden. Ich halte mich an meine Vertrauensärzte. In meinem Bekanntenkreis arbeiten viele im Gesundheitswesen. Mit einer Ausnahme sind alle geimpft. Zwei Monate nach der zweiten Impfung hatte ich die maximale Anzahl Antikörper. Wie lange noch? Sechs Monate, zwölf Monate, lebenslänglich? Die Angaben wechseln wie die wöchentlichen Lottozahlen. Mittlerweile sind alle Risikogruppen und jene, die sich impfen lassen wollten, geimpft. Was nun?

Ich bin mir durchaus bewusst, dass die Pandemie dreist missbraucht wird, um, wie es Wolfgang Schäuble in einem Interview formulierte, Dinge durchzusetzen, die ohne Pandemie nicht möglich gewesen wären (Hannoversche Allgemeine, 21. 8. 2020). Die Pandemie kann langfristig einen Vorwand liefern, um den von Klaus Schwab geforderten «Great Reset» durchzusetzen, eine grüne Variante des chinesischen Social-Credit-Systems ohne Bargeld. Ist das denkbar? Obwohl ich gegen die Abschaffung des Bargeldes bin (weil sie den gläsernen Bürger schafft), bezahle ich aus hygienischen Gründen nur noch mit der Karte . . .

Fazit: Slow down. Jeder hat sein eigenes Risikoprofil. Abhängig von Alter und Gesundheitszustand. Wer eine andere Meinung hat, ist kein Feind. Die Pandemie wird vorbeigehen. Kein Grund für Gehässigkeiten gegenüber Andersdenkenden. In einem demokratischen Rechtsstaat kann man an der Urne jene abstrafen, die sich an der plötzlichen Machtfülle berauscht haben.

Dienstag, 3. August:

Jetzt, wo ich geimpft bin und nach beinahe zwei Jahren freiwilliger Quarantäne wieder mit Dina im Freien spazieren kann, kaufen wir uns bei Orell Füssli einen Schweizer Hotelführer. Inmitten von Büchern stapeln sich die wunderbaren amerikanischen Peanut Butter Cups von Reese. Steht es so schlecht um den Buchhandel, dass man diversifizieren muss? Demnächst Zahnbürsten und Kartoffelschäler?

Montag, 9. August:

Auch Greta Thunberg, 18, muss diversifizieren. Ihr Eventmanager Svante Thunberg weiss Rat. Greta posiert als Cover-Girl der skandinavischen Vogue -Ausgabe. Der «alte, weisse Mann» Alexandrov Klum hat sie als esoterische Hohepriesterin im Märchenwald in Szene gesetzt. Das Porträt verfasste Tom Pattinson, ein Mann von «toxischer Männlichkeit». Greta trägt laut eigenen Angaben dem Klima zuliebe nur Secondhand-Klamotten, die irgendwelche «Klimasäue» einst neu gekauft haben. War auch die Hochsee-Rennjacht «Malizia II» vom Trödlermarkt? Pattinson zitiert Greta: «In der einen Sekunde werde ich von meinen Eltern kontrolliert, ich kann nicht selbständig denken; in der nächsten Sekunde bin ich ein böses, manipulatives kleines Kind.»


 

Meine Woche 30/2021

Das traditionelle Balikbayan-Shopping ist für mich heute genauso befriedigend wie früher eine Woche Sardinien. Wie jedes Jahr senden wir im August Balikbayan Boxen auf die Philippinen. Das Containerschiff erreicht im November Manila. Von dort geht es weiter auf die Insel Negros. Die Boxen erreichen den Zielort nach ca. 3 Monaten, also wenige Wochen vor Weihnachten.

Ca. zehn Prozent der philippinischen Gesamtbevölkerung (101’000 Mio.) leben im Ausland. Über 80 Prozent sind Frauen. Sie sind sehr familienorientiert, wobei der Begriff »Familie« wesentlich breiter gefasst ist.

Monatlich senden die Overseas-Filipinas eine halbe Million Balikbayan Boxen und jährlich rund 32 Milliarden Dollar auf die Insel, das sind über 10 Prozent des Bruttosozialproduktes.

In der Schweiz leben ca. 10.000 Filipinas, die meisten arbeiten im Gesundheitswesen und werden sehr geschätzt. 1975 lebten erst 188 Filipinas in der Schweiz.


© Transportbilder http://www.philswissexchange.ch die auch unsere Boxen verschifft.


 

 

092 Blick »Lollipops für Unentschlossene«

© Blick Kolumne 092 vom 6.8.2021


Wie kann man Süsses geniessen, ohne dass die Finger dabei klebrig werden? Schimpansen waren die Lehrmeister unserer Vorfahren. Mit einem dünnen Ast kratzten sie Honig aus den Bienenstöcken, behielten den Ast und leckten ihn sauber. Der erste Lollipop. In der Antike pflegte man Früchte, Mandeln und Sesam in Honig einzulegen und die gehärtete Masse aufzuspiessen.

Das taten auch George Smith und sein Kumpel Andrew Bradley in den 1880er-Jahren. Sie steckten alles Mögliche auf einen Stängel. Bei einem Pferderennen beeindruckte sie ein Pferd namens Lolly Pop. So nannten sie dann auch ihren ersten kommerziellen Lutschstängel, der die Welt der Kinder erobern sollte.

Heute nutzen Eltern gerne einen Lollipop, um ihre Kinder zu belohnen. Oder gefügig zu machen. Esswaren eignen sich vorzüglich für die Dressur. Ratten dressiert man mit Bananenscheiben, Hunde mit Knochen, Katzen mit Fisch.

Könnte man einige Unentschlossene mit Lollipops in die Impfzentren locken? Kommt drauf an. Auf der philippinischen Insel Negros erhält man nach dem Impfen fünf Kilo Reis. In einem Land, in dem ein durchschnittlicher Jahreslohn in etwa einem durchschnittlichen Schweizer Monatslohn entspricht, ist das durchaus ein Anreiz.

Dass solche Lockangebote auch in Deutschland funktionieren, deutet auf einen sinkenden Lebensstandard hin. In Niederbayern gibts ein kleines Geschenk, so eine Art Überraschungs-Ei, in Regensburg gibts Freigetränke, in Kelheim eine Bratwurst mit Semmel, in anderen Städten Kinotickets oder ein Bier. Wäre in der Schweiz eine Zuger Kirschtorte Anreiz genug?

Auf der schweizerischen Hochpreisinsel ist kein Lollipop gross genug, um alle Gruppierungen umzustimmen. Die einen misstrauen einem Impfstoff, der im beschleunigten Verfahren zugelassen wurde, andere vertrauen dem Wohlwollen der Götter, Geschichtslose wähnen sich in einer Nazi-Diktatur. Die Beweggründe sind so vielfältig wie unsere Parteienlandschaft. Vielleicht wäre ein Steuerrabatt für einige Anreiz genug. Unsere tiefe Impfquote verlängert die Pandemie und kostet den Bund wesentlich mehr.

Disclaimer: Ich bin zweifach geimpft und pflege weder wirtschaftliche noch sexuelle Beziehungen zu Impfstoff-Herstellern.


 

Meine Woche 29/2021

Dienstag, 08.00 Augenspital (chronische GvHD), 15.00 Lac Léman. Ich wollte endlich das Château de Chillon besuchen, das ich einst als Inspiration für einen Kinofilm »Sigurd« vorgesehen hatte. Als Kind mochte ich Tintin, als Primarschüler war »Sigurd, der ritterliche Held« von Hansruedi Wäscher, mein beliebtester Comic. Ein etwa gleichaltriger Basler war ebenfalls ein begeisterter Sigurd Fan. Ich traf ihn per Zufall 1982 in einer Basler Videothek, die er als 25-jähriger gegründet hatte. Wir wussten nichts von unserer gemeinschaften Leidenschaft aus Kindstagen, wir kannten uns nicht.

34 Jahre später begegneten wir uns wieder: Er war mittlerweile als Besitzer der Highlight Communication (Constantin Film) ein international erfolgreicher Filmproduzent und Sportvermarkter: Bernhard Burgener (Ex-FCB-Präsident). Er hatte wie ich noch alle Sigurd Abenteuer im Kopf und zu meinem sehr grossen Erstaunen hatte er die Filmrechte erworben und schlug mir vor, einen Entwurf für einen Kinofilm zu schreiben. Ich war sehr euphorisch, begann sofort mit den Recherchen*, doch dann kam das Leben dazwischen und ich musste Sigurd in Labans Kerker zurücklassen.

Obwohl das alles Schnee von gestern ist, war ich nach vielen Jahren immer noch neugierig, das Schloss mit eigenen Augen zu sehen. Bereits im Innenhof endete meine Visite. Ich hatte schlicht vergessen, dass ich aufgrund der fortschreitenden Polyneuropathie keine Schlosstreppen mehr hochkomme. Comedy. Dina und ich haben herzhaft gelacht. Sehr schöne Gegend diese Schweizer Riviera.


*Ich gab Sigurd einen historischen Rahmen: Die Zeit von Friedrich I., genannt Barbarossa, von 1155 bis 1190 Kaiser des römisch-deutschen Reiches.


 

Blick fragt: Wieso sollte man Ihr Buch lesen?

»Blick« hat 8 Autorinnen und Autoren gefragt, wieso man ihre Bücher lesen sollte. Hier also meine schamlose Eigenwerbung:


Darum geht es:

Der Song »Hotel California« ist der Soundtrack dieses surrealistischen Romans. Ein Mann wacht in der kalifornischen Wüste auf. In der Ferne sieht er ein Hotel ohne Nachbarschaft. Man kann es jederzeit betreten, aber nie mehr verlassen. Der Mann ist auf der Suche nach seiner noch ungeborenen Tochter Elodie. Absurd? Ja, ziemlich absurd.


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Marc Stucki schrieb auf Facebook: »Wenn ich meiner Tochter nur ein Buch auf ihren Lebensweg mitgeben dürfte – das wäre es.« Den Text schrieb ich ursprünglich für meine ungeborene Enkelin Elodie, da ich sie nicht mehr als Teenager erleben werde. Das Ganze ist mir entglitten, es wurde ein Lebensratgeber in Romanform. Ich sage Elodie, was im Leben wirklich zählt, weil man das erst am Ende des Lebens erfährt. Wenn es vorbei ist. Wenn es zu spät ist. Das ist die Ironie unseres Daseins. Radiolegende Francois Mürner kommentierte auf Amazon »Muss man gelesen haben«. Gehört dieses Buch in Ihren Reisekoffer? Das geringe Gewicht spricht auf jeden Fall nicht dagegen.


Hotel California, Nagel & Kimche


 

091 Blick »Muss Schneewittchen sterben?«

Seit 1955 schläft Schneewittchen in einem der meistbesuchten Freizeitparks der Welt, im Disneyland Resort in Kalifornien. Die Pandemie zwang die Betreiber vorübergehend zur Schliessung. Nach 400 Tagen endlich die Wiedereröffnung. Die Tageszeitung «San Francisco Chronicle» sandte zwei Woke-Journalistinnen zur Inspektion.

Die beiden Expertinnen blieben wie versteinert vor dem schlafenden Schneewittchen stehen, die von einem Prinzen wachgeküsst wird, und stellten die Frage, die zum Politikum wurde: Hätte der Prinz Schneewittchen, die 1812 in einen komatösen Schlaf verfiel, nicht zuerst um Erlaubnis fragen sollen, bevor er sie wachküsst?

Da sie schlief, wäre das selbst für erfahrene Märchenerzähler eine Herausforderung. Hätte der Prinz sanft ihre Hand streicheln sollen? Ein No-Go in Zeiten von #MeToo!

Schwarze küsst Ladyboy wach

Die beiden Journalistinnen verlangten, dass man das über zweihundert Jahre alte Märchen der Gebrüder Grimm umschreibt. Wieso schrieben sie nicht gleich selber ein gendergerechtes Märchen mit woken Figuren?

Denkbar wäre eine schwarze Frau (nicht zu dick, nicht zu dünn, nicht zu hübsch, nicht zu sexy), die einen thailändischen Ladyboy wachküsst. Und was wird aus den sieben Zwergen? Sie sind entweder homosexuell, bisexuell, heterosexuell, fluidsexuell, sexuelle Flexitarier oder noch Forschende. Und wo bleibt die Inklusion? Wir brauchen die Zwerge in allen Hautfarben, Geschlechtern, Alters- und Einkommensklassen. Dann gibts mehr Zwerg*innen als Bäum:innen im Wald:in.

Woke-People erreichen heute nicht selten Kabarett-Niveau. Expertin Deanne Carson meint zum Beispiel, man müsse auch Babys vor dem Wickeln um Erlaubnis fragen. Leslie Kern fordert ein Verbot von Hochhäusern, weil sie diese als sexistische Symbole erkannt hat, die in den Himmel ejakulieren.

Anmassende Wohlstandsverblödung

Traut man den Online-Umfragen, halten jeweils etwa 90 Prozent der Leserschaft diese Diskussionen für ziemlich bescheuert. Es ist somit vor allem ein Medienthema, eine peinliche Anbiederung an den Zeitgeist, der von einer anmassenden Minderheit im elitären Milieu ausgebrütet wird.

Wenn man bedenkt, wie Menschen in Armutsländern täglich um das nackte Überleben kämpfen, empfindet man diese Wohlstandsverblödung zum Fremdschämen.


Claude Cueni (65) ist Schriftsteller und lebt in Basel. Er schreibt jeden zweiten Freitag im Blick. Kürzlich erschien im Verlag Nagel & Kimche sein Roman «Hotel California – Botschaft an Elodie».


 

090 Blick »Gringokiller«

© Blick 9.7.2021

Für die Schärfe von Chili gibt es sogar eine eigene Messskala. Die Sorte, die obenausschwingt, ist nichts für schwache Geschmacksnerven. Kein Wunder, wird Chili auch als Waffe eingesetzt. Und manchmal als Potenzmittel.


Claude Cueni

Die Zunge brannte, die Speiseröhre stand in Flammen, das Herz raste, und bevor Christoph Kolumbus zusammenbrach, schossen entzündungshemmende Endorphine in sein Gehirn und linderten den Schmerz.

Nachdem Kolumbus 1492 nicht Indien, sondern Amerika entdeckte hatte, irrte er auch bei dieser scharfen Chilischote. Er hielt sie für eine unbekannte Pfeffersorte und nannte sie ganz unbescheiden «spanischer Pfeffer». Chili war jedoch in Mittel- und Südamerika seit rund 9000 Jahren bekannt, verbreiteter als Mais, und diente als Schmerz- und Heilmittel. Die Göttin Tlatlauhqui-cihuatl-ichilzintli wachte über die rote Schote, die fast jeder Mahlzeit beigemischt wurde.

In Europa schmeckte das Essen damals unglaublich fad. Nur Könige, Adlige und Geistliche konnten sich Gewürze leisten. Die Diener Gottes verspottete man als Pfeffersäcke, weil sie in Saus und Braus lebten. Pfeffer wurde zeitweise sogar in Gold aufgewogen. Unter den Seefahrernationen war deshalb ein Wettlauf zu den sagenumwobenen Gewürzinseln ausgebrochen.

Würzen, wärmen, Angreifer vertreiben

Es gibt heute über 200 verschiedene Chilisorten mit unterschiedlichen Namen, die bekanntesten sind Jalapeño und Cayenne. Ja, der Cayenne-Pfeffer hat nichts mit Pfeffer zu tun, er besteht ausschliesslich aus Chili. Die Schoten unterscheiden sich in Geschmack, Grösse, Farbe und Schärfe recht stark voneinander. Die Schärfe ist dem brennenden Capsaicin geschuldet und wird in Scoville-Einheiten gemessen. Mexikanische Jalapeños haben weniger als 5000 Scoville, es gibt jedoch einige südamerikanische Sorten mit Spitzen von bis zu 300’000 Scoville. Die krasseste Schärfe weist der Manzano-Chili auf, nicht umsonst wird er «Gringokiller» genannt.

Während Azteken ihre Feinde zur Abwechslung dem beissenden Rauch gerösteter Chili aussetzten, würzen wir heute unsere Pfeffersprays mit Chili. Auch in der Medizin hat die Schote überlebt. Wir finden sie in Wärmepflastern, die man bei Hexenschuss auf den Rücken klebt.

Chili statt Viagra

Da Capsaicin auch die Durchblutung fördert, benützen es Experimentierfreudige als günstigen Viagra-Ersatz. Sofern man sich für Tabasco entscheidet, sollte man die Chilisauce nur über das Essen tröpfeln und nicht an der hilfsbedürftigen Körperstelle einreiben.


Claude Cueni (65) ist Schriftsteller und lebt in Basel. Im März erschien im Verlag Nagel & Kimche «Hotel California», ein Lebensratgeber in Romanform für seine Enkelin. Cueni schreibt jeden zweiten Freitag im Blick.


 

089 Blick »Greenpeace: Einst gemeinnützig, heute oft gemeingefährlich«

25. Juni 2021

©Blick-Kolumne von Claude Cueni über die Radikalisierung von Greenpeace.


Statt die Umwelt zu schützen fungiert Greenpeace heute als Selbstverwirklichungsplattform für Risikosportler, die sich ihre Abenteuer mit Spendengeldern finanzieren lassen. Rechtsbruch gehört zum System.


Claude Cueni


1978 hörte erstmals eine breite Öffentlichkeit von der 1971 gegründeten Umweltschutzorganisation Greenpeace (grüner Frieden). Mit einem Fisch-Trawler protestierten sie gegen den isländischen Walfang, gegen die Robbenjagd auf den Orkney-Inseln und gegen die Entsorgung von radioaktivem Müll in den Ozeanen. Ich fand das toll und spendete Geld, obwohl ich damals kaum welches hatte. 

Paul Watson, der Co-Gründer von Greenpeace, nannte sein Baby rückblickend die «grösste Wohlfühlorganisation der Welt», ihr Geschäft bestünde darin, den Menschen ein gutes Gewissen zu verkaufen. Ja, ich fühlte mich gut und hielt es für üble Nachrede, wenn Aussteiger wie Watson behaupteten, Greenpeace sei mehr am Spendensammeln interessiert als an der Rettung der Natur.

Mit dem Abgang der Realos kam die Radikalisierung

Auch Co-Gründer Patrick Moore warf nach 15 Jahren das Handtuch: «Greenpeace hat sich von Logik und Wissenschaft verabschiedet», Ideologen würden dominieren, jeder, der auch nur geringfügig von der Linie abweiche, würde als Öko-Judas diffamiert. Sind alle Realos weg, bleibt ein radikaler Kern übrig, der jede Verhältnismässigkeit verliert, weil ihm das Korrektiv fehlt. 

Einst gemeinnützig, heute oft gemeingefährlich. Straftaten häufen sich: Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung, versuchte Nötigung, besonders schwere Fälle von Diebstahl, gefährliche Eingriffe in den Strassenverkehr, gefährliche Körperverletzung. Mit solchen Aktionen erwirtschafteten die «Gewaltfreien» 2019 einen Umsatz von 368 Millionen Dollar (das meiste davon Spenden) und zahlten ihrer Angestellten Jennifer Morgan 168’000 Euro Lohn. 2014 verzockte die grüne Geldmaschine mit hochspekulativen Termingeschäften 3,8 Millionen Dollar an der Börse.

Der Kämpfer gegen VW fährt selber einen VW

Greenpeace ist heute attraktiv für selfiehungrige Risikosportler, die sich ihre Abenteuer mit Spendengeldern finanzieren lassen und «dem Klima zuliebe» um die Welt jetten.

Der 38-jährige Chirurg, der kürzlich mit seinem motorisierten Gleitschirm über das mit 14’000 Zuschauern besetzte Münchner Stadion crashte, nahm für eine altbekannte Message Tote in Kauf. War das gemeinnützig? Diente die Aktion der Umwelt oder eher der Spendenakquisition? Der uneinsichtige Wiederholungstäter protestierte gegen VW. Und fährt selbst einen VW Golf.


Claude Cueni (65) ist Schriftsteller und lebt in Basel. Im März erschien im Verlag Nagel & Kimche «Hotel California», ein Lebensratgeber in Romanform für seine Enkelin. Cueni schreibt jeden zweiten Freitag im Blick.