#chronos (1956)

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Unknown-11956 erschien im Magazin Fantastic Universe die Shortstory des schreibsüchtigen und drogenabhängigen Philip K. Dick. Sein «Minority Report» wurde 46 Jahre später von Steven Spielberg verfilmt. Manchmal sind die Erben tüchtiger als der Autor. Philip K. Dick war Atheist: «Die Realität ist das, was übrigbleibt, wenn man aufhört zu glauben.»

«Ich würde sogar die Sonne angreifen, wenn sie mir etwas zuleide täte!», sagte Kapitän Ahab als die Schiffsbesatzung seine Besessenheit kritisierte, den weissen Hai aufzuspüren und zu töten. John Huston verfilmte «Mobby Dick» nach dem gleichnamigen Roman von Herman Melville. Die Besetzung des Bösewichts mit dem liebenswürdigen Gregory Peck hielt die Kritik für eine krasse Fehlleistung, der Film floppte, heute wird er nur gerade für die aussergewöhnliche Licht- und Farbstimmung gelobt.

Erfolgreicher war der 21-jährige Elvis Presley, der nach seinem Wechsel vom regionalen SUN-Musiklabel zum nationalen RCA Label mit seinem Debütalbum gleich auf Platz 1 der Charts landete. Mit seinem erotischen Hüftschwung sorgte die «singende Tolle» für tumultartige Begeisterungsstürme und einen enormen Medienhype. Elternverbände, Religions­gemeinschaften und Lehrerorganisationen machten «Elvis the Pelvis» («Elvis, das Becken») für den Zerfall der Moral verantwortlich. Die TV Sender buchten ihn weiterhin, filmten seine Shows aber nur noch von der Hüfte aufwärts.

VictrolaZehn Jahre nach Kriegsende wurde Adolf Hitler auch noch vom Amtsgericht Berchtesgaden für tot erklärt, fand in Wien wieder der Opernball statt, warfen die USA ihre erste Wasserstoffbombe über den Marshall-Inseln ab, wurde in London Europas erstes Atomkraftwerk eingeweiht und in der wieder boomenden Bundesrepublik warb man Gastarbeiter aus Italien an, um den Mangel an Arbeitskräften zu kompensieren. Da die Arbeitsmigranten aus dem gleichen Kulturkreis kamen und die Regeln des demokratischen Rechtsstaates respektierten, war die Integration einfach und für beide Seiten ein Gewinn.

1956 plädierte Parteichef Nikita Chruschtschow am XX. Parteitag der KPdSU für eine friedliche Koexistenz zwischen Kapitalismus und Sozialismus, er kritisierte auch seinen ­georgischstämmigen Vorgänger Josef Stalin und bezeichnete ihn als «brutalen Despoten». Er verlangte im Zuge der Entstalinisierung den Personenkult zu beenden. Die Georgier fühlten sich in ihrem Nationalstolz verletzt, waren sie doch ein Leben lang stolz darauf gewesen, dass ein Georgier Russland regierte und die Welt in Atem hielt. Zornig stürmten sie die Tifliser Radiostation und das Telegrafenamt. Wie üblich sandte die Sowjetunion Panzer, die den Aufstand blutig niederwalzten.

hrushchev_503109506Ein halbes Jahr später proklamierte Ungarns Ministerpräsident die Neutralität und kündigte die Mitgliedschaft im Warschauer Pakt. Die Sowjetunion schickte erneut ihre Panzer. Über 2500 Ungarn verloren ihr Leben.

Beinahe vergessen: Am 29. Juni heiratete Marilyn Monroe den Schriftsteller Arthur Miller. Die Medien malten sich aus, wie grossartig die genetische Veranlagung des Babys sein würde angesichts seiner Eltern, dem Sexsymbol der 60er-Jahre und der Intelligenzbestie der Literatur. Doch Arthur Miller fragte: «Was ist, wenn das Baby den Verstand der Mutter und das Aussehen des Vaters hat?» Nachdem die meistfotografierte Frau ihrer Zeit heimlich die Tagebücher ihres Mannes gelesen hatte, trennten sie sich. Arthur Miller hatte sie als tablettensüchtige, unberechenbare und hilflose Kindfrau beschrieben, für die er nur noch Mitleid empfand.

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