#chronos (1973)

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intensivundgelassenElvis Presley brach am 14. Januar 1973 mit ­seinem legendären Konzert «Aloha from Hawaii» (Honolulu) sämtliche Rekorde: Erstmals in der Geschichte wurde der Auftritt eines Solokünstlers live via Satellit in über 40 Länder übertragen. In einigen Ländern lag die Einschaltquote bei über 70 Prozent, auf den Philippinen gar bei 90 Prozent. Mit gegen 1,5 Milliarden Zuschauer lockte der unangefochtene «King of Rock ’n’ Roll» mehr Zuschauer vor den Fernseher als seinerzeit Neil Armstrong auf dem Mond.

Vom Thron gestossen wurden in diesem Jahr zahlreiche Despoten und Diktatoren: In Ruanda putschte das Militär und übernahm die Macht, in Afghanistan putschte Mohammed Daoud Khan und rief die Republik aus, in Griechenland wurde Diktator Georgios Papadopoulos durch einen Militärputsch gestürzt, in Thailand wurde die Militärregierung nach Massenprotesten zum Rücktritt gezwungen und in Chile fiel der demokratisch gewählte sozialistische Präsident Salvador Allende einem Militärputsch zum Opfer. Mithilfe der USA gelangte Augusto Pinochet an die Spitze einer Militärjunta und versetzte fortan die Bevölkerung mit Folterungen, Verschleppungen und zahlreichen Morden in Angst und Schrecken.

Auch der Nahe Osten kam nicht zur Ruhe: Völlig überraschend griffen Ägypten und Syrien ausgerechnet am höchsten jüdischen Feiertag (Jom Kippur) Israel an und lösten damit den vierten arabisch-israelischen Krieg seit der Gründung des Staates Israel aus. Nach anfänglichen Erfolgen gegen das unvorbereitete Israel erlitt die arabische Allianz bereits nach 19 Tagen eine endgültige Niederlage. Eine Folge davon war der israelisch-ägyptische Friedensvertrag und die Anerkennung des jüdischen Staates durch Ägypten.

Um den Westen unter Druck zu setzen, erhöhte die Opec den Ölpreis von rund drei US-Dollar pro Barrel auf über fünf Dollar. Der Westen erlebte seine erste grosse Ölkrise. Sieben arabische Staaten verhängten zudem einen Lieferboykott gegen die USA und die Niederlande. In einigen Ländern wurde ein ­Sonntagsfahrverbot für Pkws angeordnet, die Autobahnen wurden am Wochenende zu Fussgängerzonen.

Kuba-Auto-Import-Verbot-Neuwagen-aufgehoben-Oldtimer-US-Cars-08Auch auf Kuba kam der Verkehr etwas zum Erliegen, obwohl Fidel Castro ein paar Truppen in den Nahen Osten geschickt hatte, um die arabischen Armeen zu unterstützen. Dass auf Kubas Strassen eher wenig Fahrzeuge verkehrten, lag nicht an einem Sonntagsfahrverbot, sondern daran, dass die USA das Embargo gegen Kuba weiterführten und der einst florierende Import amerikanischer Autos unterbunden war. So ­wurden die Oldies auf den Strassen Kubas nicht nur beliebte Kunstsujets, sondern auch Sinnbild für das Scheitern eines sozialistisch-autoritären Einparteiensystems. Fidel Castro prophezeite, dass die USA erst mit Kuba verhandeln würden, wenn ein Schwarzer Präsident und ein Südamerikaner Papst würde.

Dass man mit Kapitalismuskritik auch Multimillionär werden kann, bewies die britische Rockband Pink Floyd mit ihrer neuen LP «The Dark Side Of The Moon». Das legendäre Konzeptalbum verkaufte sich mittlerweile über 50 Millionen Mal, hielt sich 14 Jahre lang in den US Billboard-Charts und gilt heute als Jahrhundertwurf. «Money, it’s a crime. Share it fairly but don’t take a slice of my pie» (Geld ist ein Verbrechen, verteile es gerecht, aber Hände weg von meinem Anteil).

In der deutschen Fussball-Bundesliga ­missachtete Eintracht Braunschweig das bisher geltende Verbot von Leibchenwerbung und lief mit dem Jägermeister-Hirsch auf dem Trikot ins Stadion ein. «Ich trinke Jägermeister, weil mein Mami voll davon ist.»

© Basler Zeitung; 02.09.2016

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