#chronos (1982)

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Unknown-11982 hörte Lucky Luke mit dem Rauchen auf. Nachdem er seit 1946 in 30 Millionen Alben geraucht hatte, beugte er sich der Political Correctness und verwandelte den Wilden Westen in eine No Smoking Area. Von 1955 bis 1977 hatte übrigens Asterix-Sprechblasenkünstler René Goscinny die Storys getextet. Leider fiel er ausgerechnet bei einem Gesundheitscheck tot vom Fitnessvelo.

«Kompanieführer ruft Rambo! Melde dich Junge!» 1982 erschien der Klassiker des ­Faustrechts in den Kinos. Sylvester Stallone kämpfte sich als One-Man-Army durch British Columbia und übte Selbstjustiz. Am Ende erlitt er ein Burn-out und die Duden-Redaktion nahm «Rambo» ins Lexikon auf. Der Name geht auf eine Apfelsorte zurück, einige behaupten, es sei eine Verballhornung des rebellischen Dichters ­Rimbaud, der mit englischem Akzent gesprochen wie «Rambo» klingt.

Friedfertiger war ein grossartiger Ben Kingsley in der Rolle des indischen Unabhängigkeits­kämpfers und Pazifisten Mohandas Gandhi. Die mit beinahe 300 000 Statisten gedrehte Film­biografie von Richard Attenborough wurde mit acht Oscars ausgezeichnet.

1982 präsentierte Nokia mit dem «Mobira Senator» das erste Mobile der Welt. Es wog ­lediglich 9,8 Kilo und verlangte erst nach drei Stunden nach einer Steckdose. Das 1865 von einem Finnen gegründete Unternehmen produzierte ursprünglich Gummistiefel und Radmäntel für Rollstühle. Bis 2011 war Nokia Markt­führer für Mobiles, 2014 schluckte Microsoft das ­Unternehmen, verschluckte sich daran und stellte ein Jahr später die Handysparte von Nokia ein. Wer nach 1982 geboren ist, fragt sich, wie die Menschen früher ohne Handy ihr Leben gemeistert haben.

1982 besetzten 5000 argentinische Soldaten die Falklandinseln im ­Südatlantik und nahmen 79 britische Marine­soldaten gefangen. Die Inselgruppe, die seit ihrer ersten Besetzung im Jahre 1690 abwechselnd Franzosen, Spaniern und Briten gehörte, wurde seit dem 19. Jahrhundert sowohl von Argentinien als auch von England beansprucht. Die britische Premierministerin Margaret Thatcher sandte ­umgehend 36 Kriegsschiffe mit 5000 Mann ­Besatzung auf ihre 13 000 Kilometer entfernte Kronkolonie. Nach Luftangriffen und über 1000 Toten, ­kapitulierte Argentinien und überliess seine ­hunderttausend Schafe und Pinguine den Briten. Die nationale Schmach führte zum Sturz der ­Militärjunta und zur Wiederherstellung der Demokratie. In einem späteren Referendum ­sprachen sich 99,8 Prozent der 1672 wahl­berechtigten Insulaner für einen Verbleib bei ­England aus, doch seit 60 Milliarden Barrel Öl vermutet werden, steht einem erneuten ­militärischen Konflikt nichts mehr im Wege.

1982 kam der erste Commodore 64 auf den Markt und brachte den «Brotkasten» in die ­Kinderzimmer. Das Magazin Der Spiegel titelte: So schön kann hässlich sein. Noch hässlicher war das erste Computervirus Elk Cloner, das der 16-jährige Rich Skrenta in Umlauf brachte. Das Time Magazine wählte den Computer zur «Person of the year» und bildete eine anonymisierte Person vor einem PC ab.

«Hundert Jahre Einsamkeit». Gabriel García Márquez erhielt den Nobelpreis für Literatur. Der Kolumbianer prägte den Stil des «Magischen ­Realismus» und thematisierte die Einsamkeit des Individuums, aber auch die Isolation Latein­amerikas in seinen Werken.

Einsam war auch E.T., die Filmfigur, die von ihren ausserirdischen Kumpels auf der Erde ­vergessen wurde und sich unter der Leitung von Steven Spielberg nach ihrer drei Millionen ­Lichtjahre entfernten Heimat sehnte. Er hatte nur einen Wunsch: «Nach Hause telefonieren.»

Claude Cueni ist Schriftsteller und lebt in Basel.

www.cueni.ch

© Basler Zeitung; 18.12.2015

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