Interview, Salis Verlag 2019

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Claude Cueni:

»Der Mensch ist stärker als er meint.«

 


Interview von Steven Schneider


 

Claude Cueni, warum lacht man, wenn es längst nichts mehr zu lachen gibt?

Einige haben den Rhythmus im Blut, ich vielleicht den Humor. Mir fällt einfach immer ein ironischer Aspekt ein, eine Pointe, ein Wortspiel, in zahlreichen Alltagssituationen steckt eine Menge Komik. Mir fällt das sofort auf und ich speichere ab.

 

Worüber können Sie lachen?

Über mich. Ich gehöre nicht zu den Autoren, die sich furchtbar ernst oder gar zu ernst nehmen.

 

Lebt es sich besser mit dem Tod vor Augen?

Besser sicher nicht. Aber anders. Man ist auf den Augenblick fokussiert. Es ist ein eigenartiges Gefühl, wenn die Zukunft abhandenkommt. Es ist ein Wechsel zwischen Gelassenheit und Gleichgültigkeit.

 

Würden Sie es als Wunder bezeichnen, dass wir uns überhaupt unterhalten können?

Nein, ich glaube nicht an Wunder. Dass ich wider Erwarten noch am Leben bin, verdanke ich nicht einem unsichtbaren Freund, sondern der modernen Medizin, der hämatologischen Abteilung des Basler Uni-Spitals und einem anonymen Knochenmarkspender.

 

Wie würden Sie es dann bezeichnen, dass Sie nach dem vermeintlichen Schlusspfiff eine Verlängerung geschenkt bekommen haben? Glück, Schicksal?

Der Glauben an ein Schicksal mag tröstlich sein, weil er uns von jeder Schuld freispricht, aber es ist auch die Weigerung, Verantwortung zu übernehmen. Ich weiß nicht, wieso ich noch am Leben bin. Nennen wir es also einen glücklichen Zufall.

 

Und dank dieses glücklichen Zufalls können Sie nun weiter Verantwortung übernehmen. Wofür?

Als Vater tragen Sie lebenslänglich Verantwortung. Das bedeutet nicht, dass sie ihren Kindern reinreden, das bedeutet, dass Sie immer für sie da sind. Ich bin auch dafür verantwortlich, dass es meiner Frau nach meinem Tod weiterhin gut geht. Auch ohne mich.

 

Glauben Sie, dass Ihre Geschichten, die Sie in die Welt hinausschicken, auch ein Hilfsangebot sind?

Einige Leserinnen und Leser sehen das tatsächlich so. Seit meinem autobiografischen Roman Script Avenue, schreiben mir viele Leute, die schwer erkrankt sind oder andere schwerwiegende Schicksalsschläge zu meistern haben, zum Teil viel schwierigere als meine. Für diese Menschen ist es schön, mit jemandem in Kontakt zu treten, der Ähnliches durchstehen muss und nicht aufgibt. Wenn es geht, besuche ich sie auch im Spital, falls es mit dem Taxi erreichbar ist. Aus Brasilien erhielt ich einmal eine Mail von einem Spastiker, der mir dankte, weil die Figur des jungen, spastischen Kelten in Cäsars Druide/Gold der Kelten ihn motiviert hatte, sich aufzuraffen und wieder Arbeit zu finden. Nach Das Grosse Spiel schrieben mir auffallend viele gescheiterte Unternehmer, dass sie dank meinem Romanhelden John Law ihre Firmenpleite überwunden und wieder Mut gefasst haben.

 

Ein detailreiches Buch über den Begründer der modernen Finanzwirtschaft, das jetzt auch als Serie in Deutschland verfilmt wird. War Ihnen eigentlich bewusst, dass, wie John Law, Ihre Figuren eine derart starke Wirkung auf andere haben können?

Nein, sicher nicht. Ich habe keine Botschaft. Aber ironischerweise schöpfe ich heute Kraft aus Romanfiguren, die ich selbst erschaffen habe.

 

Welche Romanfigur aus Ihrem Universum bringt Sie zum Lachen?

Wenn Onkel Arthur in der Pacific Avenue den Ich-Erzähler anschreit: »Hat dir jemals eine Romanfigur die Fresse poliert?«, kann ich immer noch darüber lachen. Eigentlich erheitern mich alle meine Figuren immer wieder, auch im Alltag liegt eine Menge Situationskomik, man muss nur beobachten, genau zuhören und später die schrägen Szenen mit einer gewissen Ernsthaftigkeit beschreiben, lachen sollen die Leser.

 

Bei Ihnen klingt es so, als sei gutes Schreiben ein Kinderspiel.

Meine Produktivität ist keine besondere Leistung. Es ist vielleicht ein Akt der Verzweiflung, vielleicht eine chronische Zwangserkrankung. Wahrscheinlich beides. Als ich die Script Avenue schrieb, träumte ich oft Pulp-fiction-mäßige Szenen oder Slapstick-Dialoge und lachte im Schlaf. Dann wachte ich abrupt auf und setzte mich an den Computer. Das ist völlig normal, wenn man sich rund um die Uhr in seiner eigenen fiktiven Welt bewegt. Meine Frau imitiert mich dann beim Frühstück und wir blödeln herum. Aber ich rechne es ihr hoch an, dass sie mich nachts nie aufweckt. Denn Sie weiß: Ich arbeite.

 

Woher nehmen Sie die Kraft, trotz Zerfall und Schmerzen großartige Bücher zu schreiben?

Ich wuchs in einem religiösen und gewalttätigen Irrenhaus auf und flüchtete in eine Phantasiewelt, in die Script Avenue. Ich musste enorm viel Kraft und Mut aufbringen, um dieser finsteren Welt zu entfliehen und in eine neue Welt einzutreten, die mir kaum bekannt war. Ich habe mein Leben von da an stets als sportliche Herausforderung gesehen. Never give up. Mein Freiheitsdrang war enorm. Jedes erfolgreich gemeisterte Hindernis gab mir Mut, auch höhere Herausforderungen durchzustehen.

 

Sie scheinen sehr leidensfähig zu sein.

Ja. Kommt hinzu, dass ich mich fast ein Leben lang mit dem Alltag in den verschiedenen Epochen beschäftigt habe, um meine historischen Romane möglichst authentisch niederzuschreiben. Hunger, Krieg, Armut, Krankheit und Tod waren alltäglich. Ich habe von den damaligen Zeitgenossen viel gelernt.

 

Zum Beispiel?

Verglichen mit früher sind wir heute eine wehleidige, selbstverliebte Schneeflöckchen-Gesellschaft, die nichts mehr aushält, schnell aufgibt und nach immer mehr staatlicher Bemutterung ruft.

 

Schlechte Aussichten für uns.

Nun, der Mensch ist stärker als er meint, sonst wäre unsere Spezies längst ausgestorben. Man muss akzeptieren, dass das Leben nie gerecht ist, weder im Guten noch im Bösen.

 

Ich persönlich finde es eine schöne Vorstellung, dass es im Leben gerecht zugeht.

Wieso sollte es gerecht sein? Es gibt keine höhere Instanz, die für Recht und Ordnung sorgt. Nach dem großen Erdbeben 1755 in Lissabon fragten sich die Leute: Wenn es einen allmächtigen Gott gibt, der eingreifen möchte, aber nicht kann, dann ist er impotent. Könnte er eingreifen, tut es aber nicht, dann ist er bösartig.

 

Ist man ehrlicher, wenn man dauernd an seine Endlichkeit erinnert wird?

Ja, natürlich. Das ist auch befreiend. Ich bin sicher direkter geworden, aber versuche stets dabei freundlich zu bleiben. Es ist der Ton, der die Musik ausmacht.

 

Ihre beiden autobiografischen Romane sind, um bei der Musik zu bleiben, vielschichtige Symphonien. Darin  entsteht ein irres Universum, brüllend komisch, höchst tragisch. Am Schluss der Script Avenue schreiben Sie: »Da es mein letztes Buch sein wird, soll es mein bestes werden. Es soll ein ehrliches Buch werden. Authentisch. Nicht alle werden es mögen.« Es wurde trotzdem ein Bestseller.

Gute Geschichten entstehen nun mal nicht im Schlaraffenland. Je beschissener die Biografie, desto besser das Buch. Das ist ein Glück für die Leser, aber Pech für den Autor.

 

Sie könnten wohl auch das Sterben zur Komödie machen.

Als mir der Arzt anhand einer Grafikkurve zeigte, wie meine Lunge kontinuierlich von den fremden Blutstammzellen abgestoßen wird, dachte ich mir: »Wenn das jetzt ein Aktienkurs wäre, ich müsste die Aktie sofort verkaufen.« Mir fallen auch in solchen Situationen stets heitere Dinge ein, sofern es mich alleine betrifft. Ich kann nichts dagegen tun, ich bin mein eigener Hofnarr geworden.

 

Und dieser Hofnarr hilft Ihnen zu überleben?

Zum Überleben hilft eher der Rückzug in die eigene Phantasiewelt. Bei mir war es eben diese fiktive Script Avenue meiner Kindheit. Sie war die einzige Möglichkeit einer bedrohlichen Umgebung zu entkommen. Aber auch ich erreiche manchmal meine rote Linie. Wenn man plötzlich in der Nacht Atemnot kriegt, Muskelkrämpfe oder Nervenschmerzen hat, völlig übermüdet ist, dann braucht es viel Disziplin, um das durchzustehen. Es gibt Autoren, die behaupten, sie bräuchten ideale Bedingungen zum Schreiben. Ich kann darüber nur lachen.

 

In der Pacific Avenue sagen Sie: »Gesunde legen die Latte zum Suizid manchmal ziemlich tief. Wird man ernsthaft krank, verschiebt man sie etwas nach oben und noch etwas nach oben, denn man begreift, dass das Leben einmalig ist, dass es keine zweite Chance gibt und dass eine Existenz voller Schmerzen und Einschränkungen immer noch besser ist als keine. Tote trinken im Sommer keine eisgekühlte Cola mehr.« Sie waren schon mehrmals auf der Kippe zum Tod. Kann man nachher einfach normal weiter machen?

Nein, man verliert das Urvertrauen in das Leben. Ein Alltag unter dem Damokles-Schwert ist zermürbend, aber ich habe eine großartige Frau an meiner Seite, die mich mit ihrer Lebensfreude und Zuneigung wieder auf andere Ideen bringt. Ich fokussiere auf das Jetzt. Seneca sagte, das Leben ist lang genug, wenn man es richtig nutzt. Ich versuche es, das Leben ist einmalig und äußerst interessant. Man muss nicht hadern, sondern schätzen, was immer noch möglich ist. Lesen und Schreiben und am Wochenende ein Glas Bordeaux und die Frühlingsrollen meiner Frau.

 

Sind Sie nie neidisch auf andere gleichaltrige oder gar ältere Männer, die bei bester Gesundheit sind?

Nein, Neid war mir schon als Kind absolut fremd. Der Erfolg der andern hat mich stets angespornt. Ich freue mich, wenn andere in meinem Alter noch topfit sind. Was hätte ich davon, wenn sie genauso krank wären wie ich? Nichts. Und Neid auf Materielles ist etwas für faule Menschen. In Asien werden erfolgreiche Menschen bewundert, sie spornen an, in unserer Neidkultur kommt gleich der Rasenmäher.

 

Was ist schöner: Liebe zu geben oder geliebt zu werden?

Als Kind will man geliebt werden, als verliebter Teenager schenkt man Liebe, entzieht sie aber auch wieder, als Vater stellt man sich zurück und schenkt bedingungslose Liebe und im reiferen Alter gelangt man zur Erkenntnis, dass Schenken mehr Freude bereitet als Beschenktwerden. Sofern man ein bisschen Weisheit erlangt hat.

 

Ihre erste Frau ist 2008 an Krebs verstorben, nachdem Sie sie viele Monate zu Hause gepflegt hatten.

Es war eine unmenschliche Aufgabe, 24 Stunden am Tag, aber meine Frau bestand darauf, dass nur ich sie pflege. Ich weiß nicht, ob ich es heute wieder tun würde. Aber wahrscheinlich schon. Nach ihrem Tod war ich am Boden zerstört, mein Immunsystem im Eimer, ich hatte ständig Entzündungen und ein Jahr später Leukämie. Für meinen Sohn war es besonders schwierig, weil er innert kurzer Zeit auch noch seine beiden Großeltern verloren hatte. Und der Hund war ebenfalls gestorben. Ich nahm einen Tag nach dem andern und vermied, in die Zukunft zu schauen. Ich habe nicht damit gerechnet, mich erneut zu verlieben. Ich las das Herbstgedicht von Rilke: »Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr. Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben.« Ich dachte, so wird es wohl sein.

 

Aber so war es natürlich nicht, wenn man die Script Avenue gelesen hat.

Ich flog mit meinem Sohn nach Hongkong. Ich hatte ein Jobangebot im Advisory Board einer börsennotierten Computerspiel-Firma. Mein Sohn traf eine junge Chinesin, seine jetzige Frau, und ich lernte eine Filipina kennen, meine heutige Ehefrau Dina. Als sie ein Jahr später erstmals in die Schweiz flog, lag ich bereits in einem Isolierzimmer der Hämatologie mit tellergroßen blauen Flecken am Körper. Ich sagte Dina, ich würde die nächsten Wochen nicht überleben, es sei besser, zurückzufliegen, ich bot ihr eine hohe Summe an, damit sie auf den Philippinen ein Business eröffnen kann. Doch sie sagte, in ihrer Kultur würden die Frauen nicht davonlaufen, das täten nur die Männer. Und im Augenblick würde ich ja noch leben und für sie zähle nur das Jetzt. Wir haben heute eine tiefe und sehr harmonische Beziehung und nehmen es mit Humor, dass sich einige Leute wegen des Altersunterschieds den Hals verrenken. Je kleiner die Stadt, desto grösser die Verrenkung.

 

Was liebt Ihre Frau an Ihnen?

Sie bringen mich in Verlegenheit, ich frage gescheiter meine Frau. (…) Also, sie sagt, ich sei ein einfacher Mensch, sehr lieb, unkompliziert und nie böse, selbst wenn ich große Schmerzen habe. Und sie liebe meinen Humor. Sie nennt mich abwechselnd Honey Bunny oder Warren Buffett.

 

Ihre beiden Kosenamen machen mich neugierig.

Wir hatten uns in Hongkong zusammen Pulp Fiction angeschaut. In der Eröffnungsszene sagt die Figur Honey Bunny »I love you, Pumpkin«, und Pumpkin antwortet: »I love you Honey Bonny.« Und dann springt er auf den Tisch und schreit: »Everybody be cool this is a robbery!« War ein kleiner Scherz, den wir uns nicht mehr abgewöhnen konnten. Den Namen »Warren Buffett« erhielt ich, weil ich seit Jahren mit Börsengeschäften Geld verdiene.

 

Was lieben Sie an Ihrer Frau?

Ihre Lebensfreude, ihre Herzenswärme, ihre mentale Stärke, ihren Wissensdurst, ihre Geduld, ihre Cleverness, ihre Lebensphilosophie und natürlich, dass das Leben mit ihr so unkompliziert und harmonisch ist. Beinahe hätte ich ihre außerordentlichen Kochkünste vergessen.

 

Ihre Spezialität?

Es gibt Leute, die stundenlange Fahrten in Kauf nehmen, um bei ihr zu essen. Ihre Spezialitäten sind Teriyaki Beef, Adobong Manok, Pankit, scharfe Springrolls und ihr Cassava Cake, ein Dessertkuchen aus der Wurzelknolle der Maniokpflanze und Macapuno, einem weichen Kokosfleisch. Nicht zu verachten sind auch ihre Karaoke-Einlagen während des Kochens.

 

Hitverdächtig.

Es ist kein Zufall, dass überall auf der Welt zierliche Filipinas mit Reibeisenstimmen Musik-Casting-Shows gewinnen. Sie singen mit soviel Herzblut, als ginge es um Leben und Tod. 

 

Macht Ihre Frau aus Ihnen einen besseren Menschen?

Meine erste Frau, die ich als Teenager kennenlernte, hat mich ohne Zweifel sozialisiert, später auch domestiziert und während ihrer langjährigen Krebserkrankung tyrannisiert. Dina bringt enorm viel Lebensfreude in meinem Alltag, sie macht mich glücklich und glückliche Menschen sind oft auch bessere Menschen, weil sie zufrieden sind. Dina verdanke ich sehr viel. Trotz Krankheit, habe ich heute das bessere Leben.

 

Wie unterscheiden sich Frauen von Männern?

Ich bin nicht Experte. Man sollte auch nicht verallgemeinern. Ich erzähle deshalb nur über meine Erfahrungen nach dem Tod meiner ersten Frau und den sechs Monaten auf der Isolierstation: Die meisten Kollegen hatten nicht wirklich Eier. Wenn sie einen Schnupfen haben, rufen sie den Notarzt und wenn ein Kollege schwer erkrankt, machen sie sich aus dem Staub, schämen sich später und getrauen sich deshalb nicht mehr Kontakt aufzunehmen, wenn man wider Erwarten überlebt hat. Frauen sind anders. Nicht alle, aber generell sind sie mental stärker, treuer, sie laufen nicht davon.

 

Was ist Liebe?

Bedingungsloses Vertrauen und Vertrautheit, Heimat.

 

Haben Sie auch Ihrer Frau wegen überlebt?

Das hat mir der Oberarzt der Hämatologie schon mehrmals gesagt, aber ich dachte stets, weder ich noch Dina haben Einfluss auf den Bürgerkrieg in meinem Körper und wir könnten lediglich die Art und Weise beeinflussen, wie wir damit umgehen. Aber mittlerweile muss ich meinem Arzt recht geben, ich denke nicht, dass ich ohne Dina so lange überlebt hätte.

 

Welche Figur in Ihrer Script Avenue macht Ihnen etwas vor in Sachen Liebe?

Maricel. Maricel ist Dina. Und ich verliebe mich als Romanfigur in Maricel. Die Szenen habe ich besonders gerne geschrieben und dabei ein paar Tränen vergossen. Tja, ein Autor, der von seiner eigenen Geschichte überwältigt wird und die Tastatur wässert, ist natürlich auch Stoff für eine Komödie. Im neuen Roman Der Mann, der Glück brachte verliebt sich der Ich-Erzähler in eine Elsässerin, doch es ist natürlich immer Dina, in die ich mich erneut verliebe. 

 

Worauf kommt es an im Leben?

Zu Lebzeiten ist das individuell verschieden. Wenn das Ende naht, bedauert man, dass man soviel Lebenszeit mit idiotischen Dingen verbracht hat, dass man zu viel gearbeitet und den Freundeskreis zu wenig gepflegt hat. Es stirbt sich leichter, wenn man mit einer gewissen Befriedigung auf sein Leben zurückschauen kann, wenn man weiß, dass man schwierige, aber lösbare Aufgaben gemeistert hat, wenn man einige Träume realisiert und das Leben anderer Menschen signifikant verbessert hat. Denn nach dem Tod heißt es schon bald »aus den Augen, aus dem Sinn«, man wird schnell vergessen, sofern man keine Schulden hinterlassen hat. Überleben tut man nur im Gedächtnis der Menschen, die man geliebt hat oder denen man Gutes getan hat. Aber auch das erlischt mit der Zeit wie alles im Leben. Und am Ende spielt eh alles keine Rolle, weil Tote keine Erinnerung haben.

 

Was soll auf Ihrem Grabstein stehen?

Ich will keinen Grabstein. Ich will auch kein Land zum Vermodern beanspruchen. Ich will kremiert werden. Meine Frau und mein Sohn werden sich die Asche teilen, wobei sie sich noch nicht im Klaren sind, wer die Arme und wer die Beine kriegt.

 

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