Obama: Machtloser Moralist

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Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte reagiert heftig auf die Kritik von US-Präsident Obama. Er weiss, dass Amerika ihn nicht ignorieren kann.

Ich habe ein Drecksmaul», sagt der philippinische Präsident Rodrigo Duterte, «aber ich gebe euch eine saubere Regierung.» Seit seinem Amtsantritt am 1. Juli sind bereits über 2000 mutmassliche Drogendealer und -konsumenten aussergerichtlich erschossen worden. Mittlerweile erschiessen sich Mitglieder der rivalisierenden chinesischen und mexikanischen Drogensyndikate gegenseitig, Zivilisten begleichen offene Rechnungen und heften den Erschossenen Pappkartons mit der Aufschrift «Drogendealer» an die Brust, Menschenrechtsorganisationen protestieren.

Nulltoleranzstrategie

US-Präsident Obama wollte Duterte am Rande des Asean-Gipfels an die Menschenrechte erinnern. Duterte sagte einem Reporter, er sei Präsident eines souveränen Staates: «Wir sind schon lange keine Kolonie mehr. Ich bin niemandem Rechenschaft schuldig ausser dem philippinischem Volk.» Dann folgte ein zorniges «Putang ina», und Obama war nun in die Galerie der «Hurensöhne» aufgenommen und in bester Gesellschaft mit den katholischen Bischöfen, dem Papst, dem Uno-Generalsekretär und diversen Botschaftern. Dem Philippine Star diktierte «Dirty Harry» (Financial Times): «Ich schere mich nicht um Menschenrechte. Glaubt mir, es ist mir egal, was die sagen, dieser Krieg ist gegen Drogen. Schiessen und töten wird gelten bis zum letzten Tag meiner Präsidentschaft (2022).»

Obama, schwer beleidigt, verzichtet nun auf ein Treffen mit Duterte, obwohl er sich weder in China noch in Laos um die Einhaltung der Menschenrechte geschert hat. Doch Duterte weiss, dass die USA ihn nicht ignorieren können. Die Philippinen sind der wichtigste Standort für die Abhörstationen der National Security Agency (NSA) im pazifischen Raum. Die USA brauchen den Inselstaat, um Chinas Expansionsgelüste einzudämmen. Obwohl die Philippinen mit Peking wegen der Spratly-Inseln im Dauerclinch liegen, versucht Duterte eine Annäherung an China, ein Treffen mit Putin ist in Planung. Er wird sich nicht einschüchtern lassen. Unbeirrt verfolgt er eine blutrote Version von Rudolph Giulianis Nulltoleranzstrategie.

Die Menschen sind von der Gewalt in den Strassen traumatisiert und verehren ihren «Digong» wie einen von Gott gesandten Messias, selbst Nostradamus soll Dutertes Ankunft prophezeit haben. Die letzte Umfrage von Pulse Asia (August) ergab eine Zustimmung für Duterte von 91 Prozent («Big Trust»). Teddy Locsin, Starmoderator beim philippinischen Medienkonglomerat ABS-CBN, sagt: «Das Land ist in Anarchie versunken. Nur noch ein Cäsar kann das Problem lösen.» Er heisst Duterte, und sein Lieblingswort ist «son of a bitch».

© Die Weltwoche; 08.09.2016; Ausgaben-Nr. 36


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Alle meine Beiträge über die Philippinen 2016 auf http://www.cueni.ch/philippine-news-2016/

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