5.2.26 Cueni: FEARLESS GIRL, ihr Krieg gegen Künstler, Anwälte und Zeitgeist.

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FEARLESS GIRL von Kristen Visbal

2146 Anschläge / Claude Cueni


Ich unterhielt mich letzte Nacht mit der amerikanischen Bildhauerin Kristen Visbal über den filmreifen Kampf ihrer grossartigen Bronzefigur an drei Fronten.


FEARLESS GIRL wurde am 7. März 2017, einen Tag vor dem Weltfrauentag, gegenüber dem Bullen von Wall Street aufgestellt. Auftraggeber war der Vermögensverwalter State Street Global Advisors. Die kleine, selbstbewusst posierende Figur mit verschränkten Armen sollte ein Symbol für mehr Frauen in Führungspositionen sein und gleichzeitig einen neuen Investmentfonds bewerben, der Firmen mit höherem Frauenanteil in Chefetagen bevorzugt.

Was als PR-Aktion begann, entwickelte sich rasch zu einem kulturellen und politischen Symbol. Touristen, Aktivisten und Medien feierten die Statue als Ikone weiblicher Selbstbehauptung. Doch gleichzeitig begann ein juristischer Konflikt. Der italienisch-amerikanische Künstler Arturo Di Modica, Schöpfer des legendären „Charging Bull“, argumentierte, dass seine Skulptur durch die neue Inszenierung in ihrer Aussage verfälscht werde. Ursprünglich habe sein Bulle wirtschaftlichen Optimismus und Stärke verkörpert. Durch die Gegenüberstellung mit dem Mädchen wirke er plötzlich wie ein aggressiver Gegner, eine Deutung, die Di Modica als Verletzung seiner künstlerischen Rechte betrachtete.

Parallel dazu entbrannte auch noch eine zweite Debatte: Die Figur war zunächst nur mit temporärer Genehmigung aufgestellt worden. Aufgrund massiver öffentlicher Unterstützung beschloss die Stadt New York jedoch, sie dauerhaft zu behalten. Schließlich wurde die Statue 2018 an einen neuen Standort vor der New York Stock Exchange versetzt.

Und dann folgte eine dritte Debatte. Visbal beanspruchte die künstlerischen Rechte an ihrer Figur, während State Street die Marken- und Nutzungsrechte im Rahmen der Marketingkampagne kontrollierte. Als Visbal auf eigene Faust Kopien Ihrer Figur herstellte und für angeblich eine Viertelmillion verkaufte, ging der Investmentfonds juristisch gegen sie vor.

Kristen Visbal nannte mir gestern den überraschenden Grund, wieso sie wirklich aufgab und alle Rechte dem Immobilienfonds überliess: Weder Frauenbewegungen noch NGO’s hatten ihr Fearless Girl nutzen wollen.


Alle hier abgebildeten Dioramen können erworben werden. Siehe Online-Shop

https://www.cueni.ch/smallworlds/

Die Serie INSPIRED BY FEARLESS GIRL ist aktuell die ca. 40. Position im Shop.


 

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