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Blick
31.07.2026 – 4968
SRF-Wetterchef Thomas Bucheli sagt: ««Niemand kann sagen, er habe das schon erlebt», eine derartige Juni-Hitze sei in der Schweiz äusserst selten. Also «äussert selten» und «niemand» passt nicht so zusammen. Also habe ich die KI gefragt:
«Sag mal Kumpel, ich ging Mitte der 1960-Jahre im Basler Iselin-Schulhaus in die Primarschule. Ich erinnere mich an mehrere hitzefreie Schultage, die wir in der öffentlichen Badeanstalt «Bachgraben» verbrachten. Damals gabs ja all diese Massenschlägereien noch nicht, und Bademeister brauchten noch keine Zahnversicherung.
Die KI antwortete: «Juli 1964: Im Rahmen einer mehrtägigen Hitzewelle in der zweiten Julihälfte wurde der Höchstwert von 35,9 °C erreicht.
Vom 12. bis zum 14. August 1962 gab es eine dreitägige Hitzewelle mit Temperaturen von bis zu 34,5 °C.
Absolute Spitzenwerte wie der Allzeitrekord von 39,0 °C (gemessen am 2. Juli 1952) oder die Spitzenwerte des Jahrhundertsommers 2003 wurden in den 1960er Jahren nicht ganz erreicht.
Alan Greenspan (1926 – 2026) ist tot, ein brillanter Mann, dessen Leben die Ironie des 20. Jahrhunderts zeigt. 1966 publizierte er mit „Gold and Economic Freedom“ ein Essay, der längst zum oft zitierten Klassiker geworden ist. Greenspan schrieb: „Die Finanzpolitik des Wohlfahrtsstaates macht es erforderlich, dass es für Vermögensbesitzer keine Möglichkeit gibt, sich zu schützen. Dies ist das schäbige Geheimnis, das hinter der Verteufelung des Goldes durch die Vertreter des Wohlfahrtsstaates steht. Staatsverschuldung ist einfach ein Mechanismus für die „versteckte“ Enteignung von Vermögen.“
Als Alan Greenspan Jahre später zum Vorsitzenden der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (1987 bis 2006) ernannte wurde, mutierte er selbst zum obersten Verwalter jenes Fiat-Geldsystems, das nicht auf Gold, sondern auf Vertrauen basiert. Die Nachfrage nach Gold steigt seitdem stetig. Trotz vorübergehenden Verschnaufpausen. In den letzten Jahren waren Russland, China, Türkei, Polen, Indien und die Türkei die aktivsten Käufer. Aber auch private Anleger decken sich ein. Haben die etwa das Vertrauen in ihre Regierung verloren? Gemäss letzten Umfragen erreicht Friedrich Merz gerade noch 17% Zustimmung, Macron 20% und Starmer kam vor seinem Abgang noch auf 21%. Vertrauen kann man nicht erzwingen, Vertrauen muss man sich verdienen. Doch das deutsche Bundesamt für Verfassungsschutz diffamierte 2025 private Goldkäufer als „Crashpropheten“ und labelte sie mit rechtsextremen und antisemitischen Narrativen.
Alan Greenspan wusste stets, dass Gold Freiheit schützt, aber er akzeptierte im Laufe seiner 19-jährigen Tätigkeit als FED-Chef, dass heutige Staaten ohne Papiergeld kaum noch finanzierbar, geschweige denn regierbar wären.
1132 Anschläge
Wer Barbaren ins Land lässt, endet in der Barbarei.
Claude Cueni 15.6.26
Am Freitag sticht im englischen Brierfield ein 30-jähriger Brite pakistanischer Herkunft, eine 17-jährige auf offener Strasse mit einem Messer mehrmals von hinten in den Hals.
In Deutschland die übliche Wochenendbilanz: Macheten-Angriff in Frankfurt, Schussverletzungen, Vergewaltigungen. Gemäss den Daten der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) des Bundeskriminalamtes (BKA) werden 80 Messerangriffe PRO TAG registriert, also rund 29’000 in den letzten 12 Monaten. Quelle: Statista.
Der linke Mainstream ist ursächlich dafür verantwortlich, dass die Bevölkerung das Ausmass dieser importierten Barbarei nicht wahrnimmt. In England steigt die Wut der Bevölkerung, Frankreich und Deutschland werden folgen.
Man löst das Problem nicht, indem man junge Männer, die uns nach dem Leben trachten, einbürgert. Auch die zunehmende Einschränkung der Meinungsfreiheit wird nicht hilfreich sein.
Wir brauchen einen auf 3 Jahre befristeten Einwanderungsstop für junge Männer aus Ländern, die unsere Kriminalitätsstatistik anführen. Wer das fordert, ist nicht ausländerfeindlich, sondern feindlich gegenüber jenen, die unsere Sicherheit gefährden.
Wie kamen Menschen in der Antike mit eingeschränkter Mobilität durch den Alltag? Denkbar schlecht. Mobilität war über Jahrtausende kein Menschenrecht, sondern eine Frage von Familie und Vermögen. Wer gehen konnte, ging. Wer humpelte, nahm Stöcke, Krücken oder bewegte sich bäuchlings auf einem Brett, das mit Rädern versehen war, und «ruderte» mit den Händen durch die antike Welt. Wer Geld hatte, liess sich auf oder in einer Sänfte tragen.
Kriege, Seuchen und Hungersnöte setzten dem menschlichen Skelett zu. Verbreitet waren auch Bleivergiftungen. Sie konnten Gicht begünstigen, die Gelenke zerstören und in die Invalidität führen. Überall steckte Blei drin, nicht nur in Wasserrohren und Essgeschirr, sondern auch in Glasuren, Schminke und Münzen. Selbst Wein wurde mit Blei gesüsst.
Gicht war über Jahrhunderte eine der grossen Volkskrankheiten.
Im 16. Jahrhundert galt blassweisse Haut als Zeichen von Reichtum, weil man es nicht nötig hatte, sich draussen auf den Feldern in der glühenden Sonne abzurackern. So wurde weisse Haut zum Schönheitsideal. Das galt auch für die englische Königin Elisabeth I. (1533–1603). Um die Narben einer Pockenerkrankung zu kaschieren, trug sie jahrelang das bleihaltige und hochgiftige Kosmetikum Venetian Ceruse auf. Es ruinierte nicht nur ihr Gesicht.
Es dauerte ein halbes Jahrtausend, bis der englische Arzt Sir Alfred Baring Garrod (1819–1907) in einem richtungsweisenden Werk über Gicht den ursächlichen Zusammenhang wissenschaftlich nachwies und dafür von Unternehmern, Ärzten und sogar von der Kirche aufs Übelste angefeindet wurde.
Auch im Mittelalter gab es für die zahlreichen Gichtinvaliden, Kriegsversehrten und Unfallopfer noch keine Hoffnung auf Mobilität. Wege waren unbefestigt, je nach Witterung matschig, öffentliche Plätze mit grobem Kopfsteinpflaster ausgelegt. Die Architektur der damaligen Welt war auf Menschen ohne Gehbehinderung ausgerichtet. Wer in einer Burg lebte und nicht laufen konnte, war auf Diener angewiesen. Aber wer lebte schon in einer Burg? Mittellose krochen, bettelten oder blieben in der Nähe ihrer Schlafstätte. Wer vermögend war, liess sich in einer Sänfte herumtragen. Wer mittellos war, versank oft in der Isolation. Mobilität bedeutete mehr Freiheit, und wer nicht mobil war, hatte keine.
Der eigentliche Rollstuhl im engeren Sinn tauchte in Europa erst spät auf. Ein frühes Beispiel ist der für den spanischen König Philipp II. gebaute «invalid chair» von 1595. Es war noch kein moderner Rollstuhl, sondern ein exklusiver royaler Stuhl auf Rädern, mit Fussstützen und verstellbaren Elementen. Der Stuhl zeigt aber bereits ein zentrales Motiv der späteren Entwicklung: Der Körper soll nicht mehr nur horizontal getragen werden, sondern sitzend. Es gab zwei Richtungen: Die einen stellten einen richtigen Sessel auf ein rollendes Brett, andere montierten Räder an einen Stuhl.
Eine ganz besondere Innovation gelang 1655 Stephan Farfler (1633–1689), einem gelähmten Uhrmacher aus Altdorf bei Nürnberg. Farfler baute sich eine dreirädrige, mit Handkurbeln angetriebene Fahrmaschine. Er wollte nicht mehr geschoben werden, sondern sich selbständig bewegen.
Im englischen Kurort Bath fand die nächste Revolution statt. Aufgrund der speziellen Bedürfnisse der betagten Gäste, die Charles Dickens (1812–1870) als «alberne Snobs» bezeichnete, entstand der «Bath Chair». Dieser Rollstuhl hatte zwei grosse Räder und ein kleines, lenkbares Vorderrad vor der Fussstütze. Die wohlhabenden Senioren waren zwar immer noch auf einen sogenannten «Rollstuhldienstmann» angewiesen, um die Heilquellen zu erreichen, aber der «Bath Chair» brachte Gehbehinderte vermehrt in die Öffentlichkeit; diese tauchten nun häufiger in Gemälden, Kupferstichen und Karikaturen auf.
Die industrielle Revolution des 19. Jahrhunderts brachte neue Materialien, Metallrahmen, Gummireifen und revolutionäre Fertigungstechniken. Die Rollstühle blieben jedoch schwer, sperrig und teuer. Sie waren oft als «Invalidenstühle» konstruiert, ein Begriff, der schon verrät, dass man die Nutzer als Defizitwesen einstufte. Doch nicht alle Betroffenen liessen sich von dieser Stigmatisierung beeindrucken.
Ein schönes Beispiel ist die 1847 im deutschen Giengen geborene Margarete Steiff. Sie erkrankte mit eineinhalb Jahren an Kinderlähmung und blieb zeitlebens gelähmt. Nach den Massstäben des 19. Jahrhunderts hätte ihr Leben zu Hause verlaufen sollen. Doch Steiff lernte nähen, spielte Zither, verdiente eigenes Geld, kaufte eine Nähmaschine und gründete ein Unternehmen. 1880 begann sie mit Filztieren; später entwickelte ihr Neffe Richard Steiff den gegliederten Bären, der als Teddy Bear weltberühmt wurde.
Im 20. Jahrhundert wurde der Rollstuhl endgültig zu einem technischen Massenprodukt. Kriege, Polio-Epidemien, Arbeitsunfälle und Fortschritte in der Altersmedizin veränderten die Zahl der Überlebenden mit dauerhaften Mobilitätseinschränkungen. Der Bedarf wuchs. Der entscheidende technische Sprung kam in den 1930er-Jahren mit Herbert Everest und Harry Jennings. Everest war nach einem Bergwerksunfall querschnittgelähmt, Jennings war Ingenieur. Gemeinsam entwickelten sie einen leichteren, faltbaren Rollstuhl mit X-Rahmen, der in die meisten Autos passte. Das Modell wurde 1937 patentiert; die späteren Everest-&-Jennings-Stühle prägten über Jahrzehnte den Markt.
Später kamen Leichtmetall, Titan, elektrische Rollstühle, individuell angepasste Sitzsysteme, Offroad-Modelle, Treppensteiger, Exoskelette und digitale Steuerungen hinzu. Die Geschichte des Rollstuhls ist deshalb nicht nur eine Technikgeschichte, sondern auch eine Sozialgeschichte. Ohne Rollstühle gäbe es heute keine Paralympics, die im selben Jahr und am selben Austragungsort wie die regulären Olympischen Spiele stattfinden.
Trends und gesellschaftliche Akzeptanz hinterliessen auch in der Spielwarenindustrie ihre Spuren, ein starker Hinweis auf überwundene Narrative, denn produziert wird nur, was massentauglich bzw. gut verkäuflich ist. Die ersten Figuren in Rollstühlen tauchten in den Spitalsets von Playmobil und Lego auf; mittlerweile zeigen neue Sets rollstuhlfahrende Kinder mit Mütze in City-Parks. Ein sichtbarer Mentalitätswandel im Miniaturformat.
Aber die Geschichte des Rollstuhls ist noch lange nicht zu Ende. Die neuesten Elektrorollstühle sind keine «Stühle mit Motor» mehr. Es sind fahrende Hightech-Plattformen, die der Nutzer mit einem Joystick steuert. Das ist ein historisch bedeutender Fortschritt. Der smarte Stuhl der nächsten Generation ist mit Sensoren, Kameras, Ultraschall, Lidar oder Kollisionswarnsystemen ausgestattet. Je nach Preisklasse lässt er sich zur mobilen IT-Zentrale aufrüsten.
Gemäss Schätzungen der WHO sind weltweit etwa 80 Millionen Menschen auf einen Rollstuhl angewiesen, aber je nach Land haben nur 5 bis 35 Prozent der Betroffenen Zugang zu einem geeigneten Rollstuhl. Von zukünftigen Innovationen werden sie nicht profitieren können.
Die Zukunft mutet heute wie Science-Fiction an, und doch ist sie in einigen medizinischen Labors bereits Realität: Die Schweizer Neurowissenschaftlerin und Neurochirurgin Jocelyne Bloch und der französische Professor Grégoire Courtine sind Koryphäen auf dem Gebiet der interventionellen Neurotherapien. Sie arbeiten an der Brain-Spine-Interface-Technologie, die es Gelähmten möglich macht, mit blossen Gedanken das verletzte Rückenmark zu stimulieren. Sensationell ist auch die Erkenntnis, dass das Gehirn Bewegungen auch dann steuern kann, wenn das Interface abgeschaltet ist. Das beweist erneut, dass man dem Gehirn mit Dauer, Frequenz und Intensität von Trainings verloren geglaubte motorische Fähigkeiten wieder teilweise oder ganz antrainieren kann. Diese neue Technik verbessert keine Rollstühle mehr, sie versucht, sie überflüssig zu machen.
Wie kamen Menschen in der Antike mit eingeschränkter Mobilität durch den Alltag? Denkbar schlecht. Mobilität war über Jahrtausende kein Menschenrecht, sondern eine Frage von Familie und Vermögen. Wer gehen konnte, ging. Wer humpelte, nahm Stöcke, Krücken oder bewegte sich bäuchlings auf einem Brett, das mit Rädern versehen war, und «ruderte» mit den Händen durch die antike Welt. Wer Geld hatte, liess sich auf oder in einer Sänfte tragen.
Kriege, Seuchen und Hungersnöte setzten dem menschlichen Skelett zu. Verbreitet waren auch Bleivergiftungen. Sie konnten Gicht begünstigen, die Gelenke zerstören und in die Invalidität führen. Überall steckte Blei drin, nicht nur in Wasserrohren und Essgeschirr, sondern auch in Glasuren, Schminke und Münzen. Selbst Wein wurde mit Blei gesüsst.
Gicht war über Jahrhunderte eine der grossen Volkskrankheiten.
Im 16. Jahrhundert galt blassweisse Haut als Zeichen von Reichtum, weil man es nicht nötig hatte, sich draussen auf den Feldern in der glühenden Sonne abzurackern. So wurde weisse Haut zum Schönheitsideal. Das galt auch für die englische Königin Elisabeth I. (1533–1603). Um die Narben einer Pockenerkrankung zu kaschieren, trug sie jahrelang das bleihaltige und hochgiftige Kosmetikum Venetian Ceruse auf. Es ruinierte nicht nur ihr Gesicht.
Es dauerte ein halbes Jahrtausend, bis der englische Arzt Sir Alfred Baring Garrod (1819–1907) in einem richtungsweisenden Werk über Gicht den ursächlichen Zusammenhang wissenschaftlich nachwies und dafür von Unternehmern, Ärzten und sogar von der Kirche aufs Übelste angefeindet wurde.
Auch im Mittelalter gab es für die zahlreichen Gichtinvaliden, Kriegsversehrten und Unfallopfer noch keine Hoffnung auf Mobilität. Wege waren unbefestigt, je nach Witterung matschig, öffentliche Plätze mit grobem Kopfsteinpflaster ausgelegt. Die Architektur der damaligen Welt war auf Menschen ohne Gehbehinderung ausgerichtet. Wer in einer Burg lebte und nicht laufen konnte, war auf Diener angewiesen. Aber wer lebte schon in einer Burg? Mittellose krochen, bettelten oder blieben in der Nähe ihrer Schlafstätte. Wer vermögend war, liess sich in einer Sänfte herumtragen. Wer mittellos war, versank oft in der Isolation. Mobilität bedeutete mehr Freiheit, und wer nicht mobil war, hatte keine.
Der eigentliche Rollstuhl im engeren Sinn tauchte in Europa erst spät auf. Ein frühes Beispiel ist der für den spanischen König Philipp II. gebaute «invalid chair» von 1595. Es war noch kein moderner Rollstuhl, sondern ein exklusiver royaler Stuhl auf Rädern, mit Fussstützen und verstellbaren Elementen. Der Stuhl zeigt aber bereits ein zentrales Motiv der späteren Entwicklung: Der Körper soll nicht mehr nur horizontal getragen werden, sondern sitzend. Es gab zwei Richtungen: Die einen stellten einen richtigen Sessel auf ein rollendes Brett, andere montierten Räder an einen Stuhl.
Eine ganz besondere Innovation gelang 1655 Stephan Farfler (1633–1689), einem gelähmten Uhrmacher aus Altdorf bei Nürnberg. Farfler baute sich eine dreirädrige, mit Handkurbeln angetriebene Fahrmaschine. Er wollte nicht mehr geschoben werden, sondern sich selbständig bewegen.
Im englischen Kurort Bath fand die nächste Revolution statt. Aufgrund der speziellen Bedürfnisse der betagten Gäste, die Charles Dickens (1812–1870) als «alberne Snobs» bezeichnete, entstand der «Bath Chair». Dieser Rollstuhl hatte zwei grosse Räder und ein kleines, lenkbares Vorderrad vor der Fussstütze. Die wohlhabenden Senioren waren zwar immer noch auf einen sogenannten «Rollstuhldienstmann» angewiesen, um die Heilquellen zu erreichen, aber der «Bath Chair» brachte Gehbehinderte vermehrt in die Öffentlichkeit; diese tauchten nun häufiger in Gemälden, Kupferstichen und Karikaturen auf.
Die industrielle Revolution des 19. Jahrhunderts brachte neue Materialien, Metallrahmen, Gummireifen und revolutionäre Fertigungstechniken. Die Rollstühle blieben jedoch schwer, sperrig und teuer. Sie waren oft als «Invalidenstühle» konstruiert, ein Begriff, der schon verrät, dass man die Nutzer als Defizitwesen einstufte. Doch nicht alle Betroffenen liessen sich von dieser Stigmatisierung beeindrucken.
Ein schönes Beispiel ist die 1847 im deutschen Giengen geborene Margarete Steiff. Sie erkrankte mit eineinhalb Jahren an Kinderlähmung und blieb zeitlebens gelähmt. Nach den Massstäben des 19. Jahrhunderts hätte ihr Leben zu Hause verlaufen sollen. Doch Steiff lernte nähen, spielte Zither, verdiente eigenes Geld, kaufte eine Nähmaschine und gründete ein Unternehmen. 1880 begann sie mit Filztieren; später entwickelte ihr Neffe Richard Steiff den gegliederten Bären, der als Teddy Bear weltberühmt wurde.
Im 20. Jahrhundert wurde der Rollstuhl endgültig zu einem technischen Massenprodukt. Kriege, Polio-Epidemien, Arbeitsunfälle und Fortschritte in der Altersmedizin veränderten die Zahl der Überlebenden mit dauerhaften Mobilitätseinschränkungen. Der Bedarf wuchs. Der entscheidende technische Sprung kam in den 1930er-Jahren mit Herbert Everest und Harry Jennings. Everest war nach einem Bergwerksunfall querschnittgelähmt, Jennings war Ingenieur. Gemeinsam entwickelten sie einen leichteren, faltbaren Rollstuhl mit X-Rahmen, der in die meisten Autos passte. Das Modell wurde 1937 patentiert; die späteren Everest-&-Jennings-Stühle prägten über Jahrzehnte den Markt.
Später kamen Leichtmetall, Titan, elektrische Rollstühle, individuell angepasste Sitzsysteme, Offroad-Modelle, Treppensteiger, Exoskelette und digitale Steuerungen hinzu. Die Geschichte des Rollstuhls ist deshalb nicht nur eine Technikgeschichte, sondern auch eine Sozialgeschichte. Ohne Rollstühle gäbe es heute keine Paralympics, die im selben Jahr und am selben Austragungsort wie die regulären Olympischen Spiele stattfinden.
Trends und gesellschaftliche Akzeptanz hinterliessen auch in der Spielwarenindustrie ihre Spuren, ein starker Hinweis auf überwundene Narrative, denn produziert wird nur, was massentauglich bzw. gut verkäuflich ist. Die ersten Figuren in Rollstühlen tauchten in den Spitalsets von Playmobil und Lego auf; mittlerweile zeigen neue Sets rollstuhlfahrende Kinder mit Mütze in City-Parks. Ein sichtbarer Mentalitätswandel im Miniaturformat.
Aber die Geschichte des Rollstuhls ist noch lange nicht zu Ende. Die neuesten Elektrorollstühle sind keine «Stühle mit Motor» mehr. Es sind fahrende Hightech-Plattformen, die der Nutzer mit einem Joystick steuert. Das ist ein historisch bedeutender Fortschritt. Der smarte Stuhl der nächsten Generation ist mit Sensoren, Kameras, Ultraschall, Lidar oder Kollisionswarnsystemen ausgestattet. Je nach Preisklasse lässt er sich zur mobilen IT-Zentrale aufrüsten.
Gemäss Schätzungen der WHO sind weltweit etwa 80 Millionen Menschen auf einen Rollstuhl angewiesen, aber je nach Land haben nur 5 bis 35 Prozent der Betroffenen Zugang zu einem geeigneten Rollstuhl. Von zukünftigen Innovationen werden sie nicht profitieren können.
Die Zukunft mutet heute wie Science-Fiction an, und doch ist sie in einigen medizinischen Labors bereits Realität: Die Schweizer Neurowissenschaftlerin und Neurochirurgin Jocelyne Bloch und der französische Professor Grégoire Courtine sind Koryphäen auf dem Gebiet der interventionellen Neurotherapien. Sie arbeiten an der Brain-Spine-Interface-Technologie, die es Gelähmten möglich macht, mit blossen Gedanken das verletzte Rückenmark zu stimulieren. Sensationell ist auch die Erkenntnis, dass das Gehirn Bewegungen auch dann steuern kann, wenn das Interface abgeschaltet ist. Das beweist erneut, dass man dem Gehirn mit Dauer, Frequenz und Intensität von Trainings verloren geglaubte motorische Fähigkeiten wieder teilweise oder ganz antrainieren kann. Diese neue Technik verbessert keine Rollstühle mehr, sie versucht, sie überflüssig zu machen.
21.05.2026 / 5878 Anschläge / Kunst Claude Cueni
Vom Pariser Salon zu King Kong
Ende des 19. Jahrhunderts sorgte ein Gorilla, der in Wahrheit ein Schimpanse war, für einen Shitstorm, der weit über die Grenzen der Kunstwelt hinausreichte. Es war die Gipsfigur des Tierbildhauers Emmanuel Frémiet (1824–1910). Ausgestellt wurde sein Werk 1859 im renommierten «Salon de Paris», vergleichbar mit der heutigen Kunstmesse Art Basel. Frémiet hatte einen Gorilla erschaffen, der eine schwarze Frau entführt und hinter sich herschleift: «Gorille enlevant une négresse».
Angriff auf die Schönheit
Die Aussteller ahnten einen Skandal und platzierten das Werk hinter einem Vorhang, was die Neugier des Publikums erst recht weckte. Doch Stein des Anstosses war nicht eine (aus heutiger Sicht) rassistische Darstellung, sondern das kurz zuvor erschienene Hauptwerk von Charles Darwin: «Über die Entstehung der Arten». Man unterstellte Frémiet, mit dieser Mensch-Tier-Skulptur Darwins Theorie zu teilen. Die Vorstellung, dass der Mensch nicht die Krone der Schöpfung, sondern mit den Menschenaffen verwandt sei, löste eine Schockwelle im bürgerlichen Europa aus.
Wenn der Mensch nur ein weiterentwickeltes Tier war, was hinderte ihn daran, seinen tierischen Trieben nachzugeben? Der Gorilla erinnerte die Gesellschaft an ihre eigene animalische Natur. Mehr noch: Die Szene der Entführung suggerierte eine sexuelle Komponente, die die Grenze zwischen Mensch und Tier auflöste. Kritiker sahen darin eine blasphemische «Karikatur des Menschen». Der Shitstorm schien kein Verfallsdatum zu haben. Charles Baudelaire verachtete Frémiets «niedrigen Realismus». Andere warfen dem Bildhauer vor, die Kunst durch die Darstellung von «Bestialität» und «hässlichen Sujets» zu beschmutzen. Für sie war die Skulptur ein Angriff auf die Schönheit. Dass die Frau als «négresse» dargestellt wurde, galt ihnen nicht als rassistisches Problem, sondern als Beweis für Frémiets mangelnden Geschmack. Sie unterstellten ihm, das «Hässliche» und «Primitive» zu wählen, um eine billige Sensation zu erzeugen.
Zoologen und Anthropologen wiederum hielten die Verwischung der Grenze zwischen Mensch und Tier für inakzeptabel. Sie beharrten auf einer naturgegebenen Stufenleiter und bemängelten, dass der Gorilla die Frau verschleppe, wie es auch ein menschlicher Entführer tun würde. Die Überbetonung der anatomischen Ähnlichkeit hielten sie für sexuell aufgeladen. Der Zeitgeist des 19. Jahrhunderts war geprägt vom Kolonialismus und einer Wissenschaft, die Rassenhierarchien zu rechtfertigen suchte. Afrikaner wurden in der europäischen Wahrnehmung häufig entmenschlicht und in die Nähe von Affen gerückt.
Abolitionisten kritisierten, die Figur suggeriere, Afrikaner stünden dem Tierischen näher als Europäer und seien daher weniger «Mensch». Sie warfen Frémiet vor, die schwarze Frau wie einen Gebrauchsgegenstand zu behandeln. Einige bemerkten zudem, dass die Wahl einer afrikanischen Frau es dem weissen Publikum erleichtere, die Gewalt der Szene zu betrachten, ohne Empathie empfinden zu müssen.
Überdimensionierter Schimpanse
Aus heutiger Sicht ist die Anatomie des Gorillas auffallend ungenau – ungewöhnlich für einen renommierten Tierbildhauer. Diese Vermischung zweier Affenarten erstaunt, zumal Frémiet viel Zeit in Pariser Tiergärten verbrachte. Dort studierte er lebende Schimpansen, die bereits im 17. Jahrhundert in Zoos präsent waren. Er modellierte, was er sah.
Gorillas hingegen waren lange Zeit eher Legenden aus Reiseberichten von Paul Du Chaillu. Im Muséum national d’histoire naturelle standen Frémiet lediglich getrocknete Häute und Skelette zur Verfügung, oft unvollständig oder falsch montiert. Er ging davon aus, ein Gorilla sei im Grunde ein «skalierter Schimpanse». Frémiet war somit ein Opfer der Wissenslücke seiner Zeit: Er nannte sein Tier «Gorilla», modellierte jedoch einen überdimensionierten, aggressiven Schimpansen. Seine Skulptur ist daher nicht nur ein Kunstwerk, sondern auch ein zoologisches Dokument des 19. Jahrhunderts.
1861, nur zwei Jahre nach der Ausstellung, wurde die Gipsstatue zerstört. Manche behaupteten, ein erzürnter Besucher habe sie beschädigt; andere vermuteten, der Pariser Salon selbst habe den Hammer geschwungen. Die Zerstörung war für Frémiet ein tiefer Schock. Er fühlte sich als Künstler missverstanden und als Mensch angegriffen. Fast dreissig Jahre lang schwieg er über diese frustrierende Niederlage.
Doch 1887 schuf er eine zweite Version: Aus der «négresse» war eine weisse Frau, aus der Affenchimäre ein anatomisch korrekter Gorilla geworden. Ironischerweise wurde diese überarbeitete Version mit einer Ehrenmedaille ausgezeichnet. Sie war nicht mehr ein Skandal, sondern ein gefeiertes Meisterwerk, ein später Triumph für den einst Geschmähten.
Aber nicht in den USA. Als dort die Bronzestatue als «Ape with Woman» ausgestellt wurde, herrschte ein ganz anderer Zeitgeist. Die amerikanische Öffentlichkeit reagierte heftig, da das Land noch unter den Nachwirkungen von Bürgerkrieg und Rassentrennung litt. Ein Affe, der eine weisse Frau raubt, wurde als rassistische Propaganda gelesen. Die einen sahen darin eine Warnung, die anderen eine Beleidigung.
Gerade diese Ambivalenz macht das Werk heute zu einem aufschlussreichen Studienobjekt über die Macht der Interpretation, die Macht der Benennung und die Flüchtigkeit des Zeitgeistes. Die Skulptur befindet sich heute im Musée d’arts de Nantes.
Heute kennt jedes Kind den Gorilla, aber unter einem anderen Namen: King Kong. Frémiets Gorilla wurde bereits zum Mythos, lange bevor er ab 1933 als Riesenaffe, der eine weisse Frau raubt, die Kinoleinwand eroberte und in der Populärkultur unsterblich wurde.
Ironischerweise wurde die überarbeitete Version mit einer Ehrenmedaille ausgezeichnet.
Frühfranzösisch? Am besten gar nicht.
2279 Anschläge / Claude Cueni / 29.4.2026
Ich bin mit Französisch aufgewachsen, mit Tintin, „Oh, Champs-Élysées“ und Belmondo. Eine schöne Sprache, aber im Berufsleben meistens nutzlos. Englisch ist Number One. Jedes erfolgreiche Start-up, das mit weltweit verstreuten Freelancern arbeitet, pflegt Englisch als Business-Sprache. In meiner Familie sind die Muttersprachen Französisch, Deutsch, Chinesisch und Tagalog. Wie verständigen wir uns? Auf Englisch.
Wer seine Ferien in fremdsprachigen Ländern verbringt, macht die Erfahrung, dass man sich in Sierra Leone oder Hongkong kaum auf Deutsch, Französisch, Italienisch oder Rätoro-manisch unterhalten kann, aber meistens auf Englisch.
Von den über 7000 Sprachen, die weltweit gesprochen werden, ist Englisch, bedingt durch die britische Kolonialgeschichte, Number One.
Unsere Alltagssprache, insbesondere die Werbung, ist durchsetzt von englischen Ausdrücken; wir nehmen diese gar nicht mehr als fremdsprachig wahr. Wir hören englische Songs und schauen amerikanische Filme. Englisch ist auch die Sprache der Wissenschaft. Die grösste Ansammlung von Wissen liegt auf Englisch vor.
Jeder kann sich heute autodidaktisch über nationale Sprachgrenzen hinweg weiterbilden sofern er einen Internetanschluss hat und Englisch spricht. Und motiviert ist! Die Karriereleiter von Jugendlichen schrumpft zur Bockleiter, wenn sie kein Englisch sprechen. Es wäre sinnvoll, wenn in Primarschulen Englisch (und nicht Französisch) als Zweitsprache eingeführt würde. In diesem Alter lernt man Sprachen schnell. Meine siebenjährige Enkelin spricht Englisch, Deutsch und Chinesisch. Niemand hat es ihr beigebracht.
Ärzte in Lausanne und Basel unterhalten sich auf Englisch. Wer Frühfranzösisch (oder überhaupt Französisch als Zweitsprache) durchsetzen will, tut der Jugend nichts Gutes.
Auch im Hinblick auf die zunehmende Zuwanderung aus bildungsschwachen Regionen wäre Englisch als Zweitsprache hilfreich für die Integration der Motivierten.
Mittlerweile verlieren nationale Sprachen ohnehin an Bedeutung. Jede KI kann jede beliebige Sprache in Sekunden übersetzen. Mittlerweile gibt es auch Realtime Software für das iPhone 17, das in Echtzeit übersetzt. Ich kann mich mit meiner philippinischen Verwandtschaft auf Tagalog unterhalten.
Uebersetzerinnen und Uebersetzer sollten auf Jobsuche gehen. Es ist von Vorteil, wenn sie Englisch sprechen.
«Das Basler Unispital müsste man von heute auf morgen schliessen», warnte Bundesrat Beat Jans an einer Veranstaltung der Handelskammer beider Basel. Glaubt er das tatsächlich? Und dann setzt der ehemalige selbstständige Berater im Bereich Nachhaltigkeit und Kommunikation (2014-2019) noch einen obendrauf: «Diese Initiative kann Ihre Gesundheit gefährden.» Er fantasiert eine Situation, in der bettlägerige Patienten die Glocke läuten und niemand kommt. Hunderttausende würden gerne kommen. Aber sie dürfen nicht.
Auf den Philippinen sind rund eine Million ausgebildete Krankenschwestern registriert. Jährlich kommen rund 37’000 dazu. Davon ist jedoch lediglich etwa die Hälfte im Beruf tätig, weil Löhne und Arbeitsbedingungen schlecht sind. Deshalb wandern rund 40 Prozent der Ausgebildeten aus. Zielländer sind vor allem die USA, England, Deutschland, Kanada, Saudi-Arabien und Australien.
Und die Schweiz? Hier gibt es bloss einige Tausend Krankenschwestern und Pflegefachkräfte. Dabei würden wohl -zigtausend Filipinas liebend gerne den «Wilden Westen» Asiens verlassen, um in der sicheren Schweiz zu arbeiten und mit ihren Steuern einen Beitrag an die zusätzlichen Infrastrukturkosten leisten, die sie verursachen.
Die meisten philippinischen Krankenschwestern besitzen einen vierjährigen Bachelor of Science in Nursing, oft mit mehreren Jahren Berufserfahrung. Sie sind hochmotiviert, weil sie ihre Familien zu Hause unterstützen. Und das können sie. Und tun es auch. Auf den Philippinen verdienen sie monatlich umgerechnet zwischen 230 und 460 Franken, in der Schweiz zwischen 4’500 und 7’000 Franken.
Wieso lässt man sie nicht einreisen und in unseren Spitälern arbeiten? Stattdessen rollen wir Nichtintegrierbaren ohne Berufsausbildung den roten Teppich aus. Wenn die Falschen kommen, haben wir auch mit einer 30-Millionen-Schweiz einen Fachkräftemangel. Aber kein Sozialsystem mehr.