Manchester

Nach dem Pariser Attentat auf die Redaktion von Charlie Hebdo (2015) sagte Bundesrätin Doris Leuthard in ihrem Tweet vom 7. Januar 2015: »Satire ist kein Freipass. Aber keine Darstellung, keine Publikation legitimiert Gewalt. Das ist aufs Schärfste zu verurteilen.«

Also irgendwie selber schuld? ViktorGiacobbo schrieb damals ans UVEK, dass auch das Bundesratsamt kein Freipass sei, um nach den ermordeten Karikaturisten die Satiriker zu ermahnen.

Wer damals die Wurzel des Uebels im »politischen Islam« (religiöser Faschismus) sah, wurde als islamophob bezeichnet oder als Hetzer diffamiert. (Ich habe seit der Publikation meines Romans »Godless Sun« Erfahrung damit.)

Was schreibt nun die (mittlerweile) Bundespräsidentin Doris Leuthard nach Manchester auf Twitter? «Die Tatsache, dass das Anschlagsziel einmal mehr Leute sind, die auswärts ein Konzert geniessen wollen, ist entsetzlich». Sie sei in Gedanken bei den Betroffenen und empfinde tiefes Beileid mit den Opferfamilien.

Diese repetitive Heuchelei ist unerträglich, wenn man bedenkt, dass der rechtskräftig verurteilte 32jährige Iraker XX aus der Schaffhauser IS-Zelle »ausgewiesen« wurde… aber »bleiben darf«

(https://www.srf.ch/news/schweiz/is-unterstuetzer-wird-ausgewiesen-und-darf-bleiben)

weil ihm angeblich im Irak die Todesstrafe droht. Das bedeutet im Klartext: Der Schweizer Regierung ist die Unversehrtheit eines nachweislichen Terrorunterstützers wichtiger als die Unversehrheit der eigenen Bevölkerung bzw. der Steuerzahler, die für Kost, Logis, Gesundheitskosten, Gratisanwälte usw. usf. derjenigen aufkommen, die die Ausrottung dieser (ungläubigen) Steuerzahler propagieren. Obwohl er laut dem Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) stellt er weiterhin eine Gefahr für die Schweiz dar (SRF 22.12.16).

Man muss nicht Autor sein, um sich auszudenken, was geschieht, wenn wir eines Tages nicht 80 Gefährder im Land haben, sondern 800. Zum Schutz aller hier lebenden Muslime, die sich bei uns integriert haben (die grosse Mehrheit), muss man jener radikalen Minderheit, die das nicht will, das Aufenthaltsrecht entziehen. Und nicht nur auf dem Papier.

#chronos 1967

1967 verkündeten »Die Beatles« »All Your Need Is Love«, darauf rief David Garric die Mutter seiner Angebetenen an und flehte »Dear Mrs. Applebee«, die »Rollings Stones« kamen hingegen gleich zur Sache: »Lets spend a night together«; »Procol Harum« stand eher auf Meerjungfrauen (A Whiter Shade of Pale) und Scott McKenzie empfahl »San Francisco« (und ein paar Blumen im Haar), doch die »Bee Gees« wollten lieber nach »Massachusetts« zurück und »Herman’s Hermits« beklagte das ganze Jahr über »No Milk today«.

Und in Solothurn gründete 1967 ein 16jähriger Schlagzeuger die »The Scouts«: Sein Name Chris von Rohr. Später rockte er mit Krokus alle Bühnen der Welt, Krokus wurde die erfolgreichste Schweizer Rockband aller Zeiten.

1967 erschienen »Bonnie and Clyde« in den US Kinos, die Geschichte eines Liebespaares, das in den 1930er als Bankräuber national berühmt wurde. Faye Dunaway und Warren Beatty ballerten sich durch die USA und ärgerten das Time Magazin, das »Gewalt der grausigsten Art« diagnostizierte und den »Mythos des guten Gangsters« verurteilte. Der Film wurde mit Auszeichnungen überhäuft. Mittlerweile haben Wirtschaftswissenschaftler der Royal Statistical Society den Mythos »Bankraub« entzaubert. Statistisch gesehen »verdient« ein Bankräuber pro Einsatz  15.823.– Euro. Somit wäre sogar eine Anstellung an der Frittenmaschine von McDonalds mit 13. Monatslohn und Fortzahlung im Krankheitsfall lukrativer. Mit jedem zusätzlichen Banküberfall erhöht sich erst noch die Wahrscheinlichkeit, dass »Bonnie und Clyde« Nachahmer ihren Big Mac hinter Gittern verspeisen.

1967 kam »Die Reifeprüfung« (The Graduate) mit dem jungen Dustin Hoffman auf die Leinwand. Er spielte den schüchternen College-Absolventen Benjamin Braddock, der mit einer verheirateten Frau eine Beziehung eingeht (die Affäre mit deren Tochter kam etwas später). Aeltere Frau mit jungem Liebhaber, das war für damalige Verhältnisse revolutionär.

„Sie versuchen doch jetzt, mich zu verführen, nicht wahr?“

Der Evangelische Filmbeobachter fand den Streifen deshalb »unnötig«, die Redakteure des Internationalen Filmlexikons hingegen: »Temporeiche Gesellschaftssatire, die gleichermaßen die verkalkte Moral des amerikanischen Establishments und die Weltfremdheit der jungen Generation aufs Korn nimmt.“

Um Herzensangelegenheiten ging es auch am Groote Schuur Hospital in Kapstadt. Christian Barnard und sein Team führten die erste Herztransplantation durch. Patient Louis Washkansky überlebte 18 Tage und starb an den Folgen einer Lungenentzündung. Die Medikamente, die das Abstossen des neuen Herzens verhindern sollten, hatten im Gegenzug sein Immunsystem lahmgelegt. Der Medienforscher Eckart Roloff nannte die Operation, die weltweit für Furore sorgte, die »publizistische Entdeckung des Patienten«.

Nicht mehr zu retten war das Herz des einstigen Medizinstudenten und Playboys, den die Berliner taz den »Marlboro Mann der Linken« nannte. Ein peruanischer Offizier hatte die Symbolfigur der Kubanischen Revolution erschossen, den Argentinier Ernesto Rafael Guevara de la Serna, der als »Che Guevara« zur Heiligenikone mutierte, aber eine ähnliche Demontage erlebte wie seinerzeit Mutter Theresa. Vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen rechtfertigte der Stalinverehrer Folter, Mord und Arbeitslager. In einem Interview mit Sam Russell vom sozialistischen »Daily Worker« sagte Guevara, er hätte während der Kubakrise Atomraketen gegen die USA abgefeuert, wenn sie unter kubanischer Kontrolle gestanden hätten…


Mit dieser Kolumne verabschiede ich mich nach zweieinhalb Jahren und rund 60 Chronos Jahresrückblicken. Danke fürs Lesen! Die gesammelten #chronos sind neu im Buchhandel erhältlich: 

 

#chronos (1967)

1967 verkündeten die Beatles «All You Need Is Love», darauf rief David Garric die Mutter seiner Angebeteten an und flehte «Dear Mrs. Applebee», die Rolling Stones kamen hingegen gleich zur Sache: «Let’s Spend A Night Together»; Procol Harum standen eher auf Meerjungfrauen («A Whiter Shade of Pale») und Scott McKenzie empfahl «San Francisco» (und ein paar Blumen im Haar), doch die Bee Gees wollten lieber nach «Massachusetts» zurück und Herman’s Hermits beklagten das ganze Jahr über «No Milk Today».

Und in Solothurn gründete 1967 ein 16-jähriger Schlagzeuger die The Scouts; sein Name: Chris von Rohr. Später rockte er mit Krokus alle Bühnen der Welt, Krokus wurde die erfolgreichste Schweizer Rockband aller Zeiten.

Der Mythos Bankraub

1967 erschien «Bonnie and Clyde» in den US-Kinos, die Geschichte eines Liebespaares, das in den 1930ern als Bankräuber national berühmt wurde. Faye Dunaway und Warren Beatty ballerten sich durch die USA und ärgerten das Time Magazine, das «Gewalt der grausigsten Art» diagnostizierte und den «Mythos des guten Gangsters» verurteilte. Der Film wurde mit Auszeichnungen überhäuft. Mittlerweile haben Wirtschaftswissenschaftler der Royal Statistical Society den Mythos «Bankraub» entzaubert. Statistisch gesehen «verdient» ein Bankräuber pro Einsatz 15?823 Euro. Somit wäre sogar eine ­Anstellung an der Fritten­maschine von McDonald’s mit 13. Monatslohn und Fortzahlung im Krankheitsfall ­lukrativer. Mit jedem ­zusätzlichen Bank­überfall erhöht sich erst noch die Wahrscheinlichkeit, dass «Bonnie und Clyde»- Nachahmer ihren Big Mac hinter ­Gittern verspeisen.

1967 kam «Die Reifeprüfung» («The Graduate») mit dem jungen Dustin Hoffman auf die Leinwand. Er spielte den schüchternen College-Absolventen Benjamin Braddock, der mit einer verheirateten Frau eine Beziehung ­eingeht (die Affäre mit deren Tochter kam etwas später). Ältere Frau mit jungem Liebhaber, das war für damalige Verhältnisse revolutionär. «Sie versuchen doch jetzt, mich zu verführen, nicht wahr?» DerEvangelische Filmbeobachterfand den Streifen deshalb «unnötig», die Redaktoren des Internationalen Filmlexikons fanden hingegen: «Temporeiche Gesellschaftssatire, die gleichermassen die verkalkte Moral des amerikanischen Establishments und die Weltfremdheit der jungen Generation aufs Korn nimmt.»

Um Herzensangelegenheiten ging es auch am Groote Schuur Hospital in Kapstadt. Christian Barnard und sein Team führten die erste Herztransplantation durch. Patient Louis Washkansky überlebte 18 Tage und starb an den Folgen einer Lungenentzündung. Die Medikamente, die das Abstossen des neuen Herzens verhindern sollten, hatten im Gegenzug sein Immunsystem lahmgelegt. Der Medienforscher Eckart Roloff nannte die Operation, die damals weltweit für Furore sorgte, die «publizistische Entdeckung des Patienten».

Demontierte Heiligenikone

Nicht mehr zu retten war das Herz des einstigen Medizinstudenten und Playboys, den die Berliner taz den «Marlboro-Mann der Linken» nannte. Ein peruanischer Offizier hatte die Symbolfigur der Kubanischen Revolution erschossen, den Argentinier Ernesto Rafael Guevara de la Serna, der als Che Guevara zur Heiligenikone mutierte, aber eine ähnliche Demontage erlebte wie seinerzeit Mutter Teresa. Vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen rechtfertigte der Stalin-Verehrer Folter, Mord und Arbeitslager. In einem Interview mit Sam Russell vom sozialistischen Daily Worker sagte Guevara, er hätte während der Kubakrise Atomraketen gegen die USA abgefeuert, wenn sie unter kubanischer Kontrolle gestanden hätten … Claude Cueni ist Schriftsteller und lebt in Basel.


Dies war nach zweieinhalb Jahren die letzte #chronos Kolumne. Danke fürs Lesen, Kommentieren, Kritisieren und Loben.


 

#chronos (1980)

«Mr. John Lennon?», fragte Mark Chapman, als die Musiklegende vor dem New Yorker Dakota-­Gebäude aus dem Auto stieg. Der frühere Drogenabhängige und das Mitglied der Born-Again-Christians-Sekte streckte sein Idol aus sechs Metern Entfernung mit fünf Schüssen nieder. Nach der Entlassung aus einer psychiatrischen Anstalt hatte Chapman die fixe Idee entwickelt, dass eigentlich John Lennon für sein verpfuschtes Leben verantwortlich sei. Eine halbe Stunde nach dem Attentat erlag der Kopf der Beatles im Roosevelt General Hospital seinen Verletzungen.

Einen friedlichen Tod starb hingegen der jugoslawische Staatspräsident Josip Broz Tito. Der notorische Schürzenjäger und Heiratsschwindler war viermal verheiratet und mit einer Amtszeit von 35 Jahren der am längsten regierende Diktator Jugoslawiens: «Ich regiere ein Land mit zwei Alphabeten, drei Sprachen, vier Religionen und fünf Nationalitäten, die in sechs Republiken leben, von sieben Nachbarn umgeben sind und mit acht Minderheiten auskommen müssen.» Selbst für einen ehemaligen WWII-Marshall kein einfach zu lösendes Problem.

Schwierig, aber lösbar war Erno Rubiks Zauberwürfel, der 1980 den deutschsprachigen Raum erreichte. Das bunte Drehpuzzle des ungarischen Bauingenieurs und Architekten Rubik diente ursprünglich dazu, das räumliche Denkvermögen der Studenten zu schulen. Rubiks Cube lässt sich in 43 Trillionen verschiedene Positionen bringen und wurde mittlerweile 350 Millionen Mal verkauft, aber nur gerade der junge Holländer Mats Valk schaffte es bisher, alle 54 Farben in 5,5 Sekunden zu sortieren.

Das Jahr 1980 begann mit dem Einmarsch der Sowjet­armee in Afghanistan. Man wollte den Ausgang des tobenden Bürgerkriegs zugunsten von Moskau beeinflussen und so den Süden der Sowjetunion sichern. In den folgenden zehn Jahren kämpften sie gegen dreissig verschiedene Mujaheddin-Gruppen, die vom Westen, aber auch von der islamischen Welt unterstützt wurden.

Vorerst ohne direkte westliche Beteiligung begann im September der «erste Golfkrieg», die militärische Auseinandersetzung zwischen Irak und Iran um die Vorherrschaft am Persischen Golf. Mit der Operation «Eagle Claw» versuchten die USA die 52 US-Diplomaten aus der Teheraner Geiselhaft zu befreien. Sie scheiterten. Nicht an den Gotteskriegern, sondern an Sandstürmen und defekten Sea-Stallion-Helikoptern.

Das auf allen Ebenen gescheiterte Unternehmen «Adlerklaue» kostete am Jahresende Jimmy Carter die zweite Amtszeit und öffnete das Weisse Haus für Ronald Reagan. Daran änderte auch Carters Kritik an «fehlerhaften Meinungsumfragen» nichts, die er in seiner berühmten «malaise speech» ein Jahr zuvor gehalten hatte. Verkohlte Soldatenleichen im Wüstensand und Helikopterschrott bescherten dem Friedensnobelpreisträger eine bittere Wahlniederlage.

«Paku paku» nannte ein japanischer Professor und Gamedesigner sein neues Game, das 1980 unter dem Namen «Pac-Man» nach Europa kam. Ursprünglich hiess es «puck», die englische Bezeichnung für Kobold. Aber als die Kids an den Automaten aus dem Buchstaben P ein F machten, war eine Namensänderung angezeigt. Mittlerweile hat sich der Klassiker mehrere Hundertmillionen Mal verkauft und hat zahlreiche Nachahmer inspiriert.

Cliff Richard bedauerte, «We Don’t Talk Anymore», und The Eagles hatten darauf «Heartache Tonight». Das hatte auch Robert De Niro, als er in «Raging Bull» Jake LaMotta spielte: «Am ersten Abend, als ich hier anfing, hab ich den Besitzer gefragt: Wo ist denn hier die Toilette? Da sagt der: Sie sind mittendrin.»

#chronos (1997)

1997 war «Ein Toter auf der Flucht». So hiess Band 1859, das letzte Kioskheft aus der Bastei- Westernreihe, die 1957 gestartet worden war. Keine geeignete Badewannenlektüre war hingegen ein Roman, den der britische Bloomsbury-Verlag mit einer wenig optimistischen Startauflage von lediglich 500 Exemplaren in den Handel brachte. Das Buch, das mittlerweile in 65 Sprachen und 200 Ländern über 100 Millionen Mal verkauft wurde, stammt aus der Feder der Engländerin Joanne K. Rowling. «Harry Potter und der Stein der Weisen» soll die Autorin gemäss dem Forbes Magazin innerhalb von sieben Jahren zur Milliardärin gemacht haben.

Milliardäre wollten auch Jungunternehmen am «Neuen Markt» werden, der neuen New-Economy-Börsenplattform, die nach dem Vorbild der amerikanischen Technologiebörse Nasdaq startete. Die Anfänge erinnerten an die holländische Tulpenmanie am Ende des 16. Jahrhunderts. Das Ende auch.

Im Reichwerden übten sich auch die Albaner. Nach dem Fall des Kommunismus waren die Neokapitalisten noch etwas unerfahren und vertrauten ihr Geld dubiosen Firmen an, die ihnen pro Monat bis zu fünfzig Prozent Zins versprachen. Als das Schneeballsystem der Ponzi-Firmen zusammenbrach, verloren Zehntausende ihr gesamtes Erspartes. Wütend ­plünderten sie Militärlager, bewaffneten sich und griffen staatliche Institutionen an. Kriminelle Clans füllten das Macht­vakuum, bis die OSZE internationale Schutz­truppen schickte, um geordnete Neuwahlen zu ermöglichen.

1997 übergab das Vereinigte Königreich, nach Ablauf der Pachtzeit von 99 Jahren, Hongkong, die New Territories (und 1,5 Millionen an der Vogelgrippe H5N1 erkrankte Hühner) an die Volksrepublik China. Seitdem ist die ehemalige britische Kronkolonie eine chinesische Sonderverwaltungszone mit freier Marktwirtschaft, «ein Land, zwei Systeme» (Deng Xiaoping).

1997 manövrierte James Cameron mit einem Reisebudget von über 200 Millionen US-Dollar die «Titanic» nochmals gegen einen Eisberg. Der mit elf Oscars prämierte Monumentalfilm sprengte alle bisher gekannten Dimensionen und machte Kate Winslet und Leonardo DiCaprio, die als Besetzung eigentlich nur zweite und dritte Wahl gewesen waren, zu Weltstars. Die berührendste Szene war mit einem Lied von Céline Dion unterlegt: «My Heart Will Go On».

In der Nacht zum 31. August 1997 fuhr Henri Paul mit übersetzter Geschwindigkeit durch den Autotunnel unter der Place de l’Alma in Paris. Im Blut hatte er einen Cocktail von 1,8 Promille, das Antidepressivum Prozac und Tiapridal zur Behandlung von Alkoholismus. Beim Aufprall gegen einen der Betonpfeiler erlitt er schwerste Gesichtsverletzungen, seine beiden Passagiere im Fonds überlebten den Unfall nicht: Lady Di und ihr Freund Dodi Al-Fayed. Diverse Medien, darunter auch das ZDF, behaupteten später, Henri Paul sei von einem Killer des MI6 mit einer Stroboskop-­Lichtblitzkanone geblendet worden, weil die «Königin der Herzen» schwanger gewesen sei. Als sie in einem früheren Interview nach dem Zustand ihrer Ehe befragt wurde, antwortete sie: «In dieser Ehe waren wir zu dritt, also war es ein wenig überfüllt.» Die Übertragung der Beisetzung war das mit 2,5 Milliarden Zuschauern bis anhin weltweit grösste Medienereignis.

A general view of the handover ceremony showing the Chinese flag (L) flying after the Union flag (R) was lowered July 1, 1997. Hong Kong returned to Chinese sovereignty at midnight after 156 years of British colonial rule. REUTERS/Kimimasa Mayama
HONGKONG – RTR4ZIL Vor der Übergabe Hongkongs von Großbritannien an China in der Nacht des 30. Juni 1997, wird der britische Union Jack eingeholt und die chinesische Flagge gehisst.

Beim Brand der Grabtuchkapelle wurden Teile des Turiner Doms und des Turiner Schlosses zerstört. Wie durch ein Wunder wurde das  Turiner Grabtuch unbeschädigt aus den lodernden Flammen gerettet. Laut unbe­stätigten Quellen hat der Turiner Tourismus­verein für solche Fälle noch ein paar Paletten mit Stoffrollen vorrätig.

#chronos (1959)

1959 erblickte Barbara Millicent Roberts das Licht der Welt. Sie hörte auf den Namen Barbie und wurde im Massstab 1:6 an der New Yorker Spielwarenmesse American Toy Fair vorgestellt. Die Mutter aller Barbies kostete drei US-Dollar und war verliebt in die eigene Magersucht. Sie musste zwei Jahre in ihrem schwarz-weiss gestreiften Badeanzug ausharren, bis sie endlich ein Junge zum Abendessen einlud: Ken. Modelliert hat die heute weltweit meistverkaufte Anziehpuppe Max Weissbrodt, der für die Firma Hauser eigentlich Spielfiguren aus Elastolin ­entwarf: Tiere, Indianer, Ritter und römische Legionäre im Massstab 1:45.

Etwas grösser zeichnete der stets prozessfreudige Albert Uderzo 1959 seine ersten Römer, die Asterix und Obelix in der französischen Jugendzeitschrift Pilot verprügelten und anschliessend als Band 1 («Asterix le Gaulois») erschienen. Texter war der «Lucky Luke»-Autor René Goscinny.

Im Massstab 1:1 erschienen schliesslich die Römer von Regisseur William Wyler, die Prinz Ben Hur auf die Galeeren schickte, obwohl die römische Kriegsflotte ausschliesslich professionelle Ruderer verpflichtete. Für die 50?000 Komparsen waren über eine Million Requisiten hergestellt worden. Gegen Ende der Dreharbeiten wurde William Wyler darauf hingewiesen, dass Kulissen und Kostüme der Historie nicht genügen. Er zog eine Historikern bei und fragte: «Was muss ich tun, damit es echter aussieht?» Ihre ­Antwort: «Man müsste alles verbrennen!» Der Produzent verstarb an einem Herzinfarkt und der ­Monumentalfilm wurde mit elf Oscars ausgezeichnet.

Noch rechtzeitig den Galeeren entwischt ist 1959 der kubanische Diktator ­Fulgencio Batista. Er verliess mit 40 Millionen US-Dollar in bar seinen ­Regierungssitz und überliess diesen den Revolutionstruppen unter Fidel Castro.

1959 lieferten sich der amerikanische Vize­präsident Richard Nixon (46) und Nikita Chruscht­schow (65) vor einer Waschmaschine eine hitzige Debatte, die als «Küchengeschichte» in Nixons Memoiren beschrieben ist. Die beiden besuchten die Nationalausstellung der USA in Moskau. Man liess alles auffahren, was die ­Überlegenheit des Westens illustrieren konnte; russische Frauen konnten sich in einem amerikanischen Modellhaus kostenlos einer Beauty­behandlung unterziehen, während an den ­Wänden Diashows von amerikanischen Highways, Supermärkten und modernsten Kücheneinrichtungen liefen. Nixon tippte mit seinem Zeigefinger immer wieder respektlos auf die Brust des Sowjetchefs, was diesen zunehmend in Rage versetzte, und belehrte diesen: «Keine Seite darf der ­anderen ein Ultimatum stellen.» Dieser polterte: ­«Drohungen werden wir mit Drohungen beantworten.» Obwohl beide Streithähne wussten, dass ihr spontanes Gespräch gefilmt und später in den USA ausgestrahlt würde, verloren beide die ­Contenance und lieferten sich einen heftigen Schlagabtausch, bis Chruscht­schow schliesslich rief: «Lasst uns unsere Raketen vergleichen!»

Duelle gab es auch im amerikanischen Fernsehen. 1959 startete die erste von insgesamt 430 Folgen der Western-TV-Serie «Bonanza». Sie erzählte die Geschichte von Ben Cartwright und seinen drei Söhnen, die auf der Ponderosa-Ranch leben. Die gewaltarmen Episoden, oft fiel kein einziger Schuss, propagierten moralische Standards und endeten stets mit einem Happy End. Also nicht ganz wie im echten Leben.

Über eine «sensationelle Wendung beim ­Genfer Kindermord» berichtete hingegen 1959 die schweizerische Boulevardzeitung
Blick in ihrer allerersten Ausgabe. Sie titelte: «Der Diener ist nicht der Mörder.»

#chronos (1949)

CDU_Wahlkampfplakat_-_kaspl013„Whatever can go wrong, will go wrong«, behauptete der amerikanische Ingenieur Edward A. Murphy. Seine Aussage über menschliches Versagen und Fehler in komplexen Systemen erlangte als »Murphys Law« weltweit Kultstatus. Doch Murphys Law gründet auf der selektiven Wahrnehmung des Menschen: Man memoriert, wenn man vor der Kasse in der falschen Schlange steht, vergisst aber, dass man in den vorangegangen Monaten stets Glück hatte.

»Wir leben alle unter dem gleichen Himmel, aber wir haben nicht alle den gleichen Horizont«, sagte Konrad Adenauer, der erste Kanzler der neuen Bundesrepublik Deutschland. Etwas später wurde die Deutsche Demokratische Republik (DDR) gegründet, das geteilte Berlin musste über eine Luftbrücke mit Kohle und Nahrungsmitteln versorgt werden. Die »Rosinenbomber« flogen in 15 Monaten über eine Viertelmillion Einsätze.

Vergebens wartete Herta Heuwer in ihrer Berliner Imbissbude auf eine Lieferung Ketchup und erfand in ihrer Not die Currywurst. Schuhfabrikant Adolf Dassler hatte als langjähriges NSDAP Mitglied Panzerabwehrwaffen hergestellt, nach dem Krieg produzierte »Adi« Dassler Schuhe und gründete »Adidas«. Werner Otto legte im zerbombten Hamburg den Grundstein für ein Versandhaus, das heute 80 Prozent des 2,27 Milliarden Umsatzes über das Internet erzielt: Der Otto-Versand.

In China proklamierte Mao Zedong nach dem Sieg seiner Volksbefreiungsarmee die Volksrepublik China und errichtete einen kommunistischen Staat. »Was ist so ungewöhnlich am Kaiser der Qin-Dynastie? Er hat nur 460 Gelehrte lebendig begraben, wir dagegen 46.000.« Unter Maos Diktatur starben (je nach Quelle) 44 bis 72 Millionen Menschen. Deng Xiaoping, der spätere Reformpolitiker, sagte 30 Jahre später: »Maos Hirn ist damals heißgelaufen. Unsere Köpfe aber auch. Keiner hat ihm widersprochen, auch ich nicht«. Das gilt auch für die Jugendlichen, die in den 70er Jahren die rote Mao-Bibel des Massenmörders in der Hosentasche mitführten.

Im Nahen Osten endete der erste Arabisch-Israelische Krieg. Im Vorjahr, unmittelbar nach der Gründung des Staates Israel, hatte eine Alianz aus Ägypten, Syrien, Libanon, Irak und Jordanien den neuen Staat angegriffen. Diese lehnten den UN Teilungsplan für Palästina ab und bestritten das Existenzrecht Israels. Trotz Milliardenzahlungen leben heute immer noch viele Palästinenser in Flüchtlingslagern. Gemäss dem Internationalen Währungsfond (IWF) veruntreute der 2004 verstorbene Palästinenserchef Jassir Arafat in den Jahren 1995 bis 2000 über 900 Mio. Dollar an internationalen Hilfsgeldern. Bei seinem Tod hatte er gemäss Forbes ein Privatvermögen von 300 Mio. Suha, Arafats Witwe, erhält heute noch monatlich 100.000 Dollar auf die Insel Malta überwiesen.

1949 schrieb das 1902 gegründete populärwissenschaftliche Magazin für Wissenschaft und Technologie (Popular Mechanics): »Computer der Zukunft werden nicht mehr als 1.5 Tonnen wiegen«.

Nicht voraussehbar war auch die Karriere von John Lee Hooker. Ueberraschend erreichte er mit seinem »Boogie Chillen« Platz Eins der Rhythm & Blues-Hitparade und verkaufte sensationelle eine Million Singles.

»I heard papa tell mama, let that boy boogie-woogie,

It’s in him, and it got to come out.«

In der Zwischenzeit hatte Samuel Becket sein Theaterstück »Warten auf Godot (»En attendant Godot«) beendet. Es musste geschlagene vier Jahre warten, bis es endlich in Paris zur Uraufführung kam.

Estragon: »Komm, wir gehen!«

Wladimir: »Wir können nicht.«

Estragon: »Warum nicht?«

Wladimir: »Wir warten auf Godot.«

#chronos (1978)

garfield2Aus seinem sicheren Pariser Exil heraus, rief der 76jähriger Ajatollah Chomeini das iranische Volk zum Sturz von Schah Reza Pahlavi auf. Er benutzte die Rechte der freien Welt, um den Traum einer unfreien Welt zu verwirklichen und verhängte eine Fatwa gegen »koloniale Programme und westliche Kinos«. Darauf wurden im Iran an einem Tag 25 Kinos in Brand gesteckt, allein beim Anschlag auf das Cinema Rex kamen 430 Menschen ums Leben.

Terror erreichte auch die Via Stresa in Roms. Die Roten Brigaden entführten den früheren Ministerpräsidenten Aldo Moro. Dabei wurden fünf seiner Leibwächter erschossen. Zwei Monate später wurde Moro im Kofferraum eines Renaul 4 tot aufgefunden. Die Untersuchungskommission des italienischen Senats sagte nach 6jähriger Ermittlung: »Es gibt stichhaltige Indizien, dass auch die Geheimdienste bei der Entführung dabei waren«. Auch spätere Untersuchungen in den Jahren 2006 und 2013 führten zu keinem abschliessenden Ergebnis.

Veschwörungstheorien lösten auch der plötzliche Tod von Papst Johannes Paul I. aus. Er war der Nachfolger des 1978 verstorbenen Papst Paul VI. und wurde der »Papst des Lächelns« genannt. Er hatte jedoch wenig zu Lachen und verstarb bereits nach 33 Tagen. Sein Nachfolger wurde der Pole Karol Wojtyła, Erzbischof von Krakau.

Im Sommer 78 kam im englischen Oldham das »Baby« des späteren Nobelpreisträgers Robert G. Edwards auf die Welt. Er war weder der biologische Vater noch der Geburtshelfer, sondern der Wissenschaftler, der Jahre zuvor die Grundlagen für die In-vitro-Fertilisation (IVF) geschaffen hatte. Das erste Retortenbaby hiess Louise Joy Brown und brachte 28 Jahre später auf natürlichem Wege einen Sohn zur  Welt. Mittlerweile leben weltweit bereits über 5 Millionen Retortenbabys.

Portrait_of_Ruhollah_Khomeini_By_Mohammad_SayyadEine Geburt der besonderen Art ereignete sich 1978 in Mama Leoni’s Italian Restaurant.  Ein fetter, fauler und frecher Kater mit orangefarbenem Fell erblickte das Licht der Welt und hörte auf den Namen Garfield. Sein Schöpfer war der amerikanische Comiczeichner Jim Davis (*1945), der zwar mit 25 Katzen aufwuchs, aber später als Zeichner keine Katze hatte, weil seine erste Frau unter einer Allergie litt. Ob das der Grund für die Scheidung war, ist nicht bekannt. Mittlerweile werden die Garfield-Strips unter seiner Leitung von einem ganzen Team von Zeichnern und Textern erstellt und erscheinen in 2570 Zeitungen und Magazinen. Damit erhielt Garfield einen Eintrag ins Guinessbuch der Rekorde.

Rekordverdächtig war auch die 1978 in den USA gestartete TV Serie »Dallas«, die es in vierzehn Staffeln auf 357 Folgen brachte. Erzählt wurde die Geschichte der Erwings, die mit Oelgeschäften reich geworden warne. Obwohl untereinander zerstritten, lebten die meisten gemeinsam auf der Southfork Ranch –  auf Wunsch des Finanzchefs der Produktionsgesellschaft. Kennzeichnend für die Serie war unter anderem, dass Figuren, die einen irreversiblen Filmtod erlitten hatten, plötzlich wieder in Erscheinung traten, wenn sinkende Quoten ihre Wiederauferstehung forderten. Der Drehort wurde im Laufe der Jahre derart von Fans überrannt, dass der entnervte Farmbesitzer die Farm verkaufte. Heute beherbergt das Anwesen ein Filmmuseum. Star der Serie war Bösewicht J.R. (Larry Hagman): »Das reicht Sue Ellen, warum läßt Du Dir nicht einen Besen vom Parkplatz holen, damit Du nach Hause fliegen kannst.«

Nicht nach Hause fliegen sollte Sally. Eric Clapton bat sie: »Lay down, Sally, no need to leave so soon. I’ve been trying all night long just to talk to you.«