Interview Magazin Persönlich

Serie zum Coronavirus

«Ich lebe ständig in Quarantäne»

Im Teil 18 unserer Serie: Der Basler Erfolgsautor Claude Cueni ist jeden Winter in der Quarantäne. Deswegen kann er über die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel nur lachen.

von Matthias Ackeret

Herr Cueni, wie fest beeinträchtigt die Krise Ihren persönlichen Alltag?
Seit meiner leukämiebedingten Knochenmarktransplantation vor elf Jahren bin ich immunsupprimiert, um weitere Organabstossungen zu verhindern. Ich verbringe deshalb freiwillig jeden Winter in Quarantäne. Im August war eine Behandlung auf der Intensivstation notwendig. Seitdem lebe ich einer Dauerquarantäne. Das ist der Preis fürs Überleben. Ich habe das als neue Normalität akzeptiert und abgehakt. Wenn Angela Merkel nach ihrer 14-tägigen Quarantäre sagt: «14 Tage allein zu Hause, das ist nicht leicht», dann kann ich nur lachen.

Also hat das Ganze keinen Einfluss auf Ihr Leben …
Die Pandemie hat durchaus einen Einfluss auf meinen Alltag. Alle vier Spitäler, in denen ich seit Jahren in Behandlung bin, haben die Termine auf unbestimmte Zeit verschoben. Das ist unangenehm, weil man ja laufend mein Blut kontrollieren und die Medikamente anpassen muss. Angenehm ist hingegen, dass meine Frau unbezahlten Urlaub genommen hat und mir Gesellsellschaft leistet. Sonst hätte das Risiko bestanden, dass sie mir das Virus nach Hause bringt. Ich geniesse jetzt jeden Mittag ihre asiatische Küche und mache mich als «human selfie stick» nützlich, wenn sie ihre Videos dreht.

Sie sind Schriftsteller. Was ist der Einfluss auf Ihre Tätigkeit?
Keinen. Es ist alles eine Frage der Einstellung. Ich brauche keine optimalen Bedingungen, um kreativ zu sein. Ich hatte nie welche. Hätte ich darauf gewartet, hätte ich keinen einzigen Roman geschrieben.

Gibt es Ihnen sogar Inspiration?
Literatur ist immer auch Selbsterfahrung. Seit frühester Kindheit inspiriert mich alles was ich sehe, höre oder lese zu neuen Geschichten. Ich bin mein eigener Hofnarr und damit sehr glücklich.

Sie haben über vieles geschrieben, aber haben Sie sich einmal so etwas wie die jetzige Situation vorgestellt?
Ja. Ich muss mich seit meiner Leukämieerkrankung mit Viren, Bakterien, Keimen und dem Immunsystem beschäftigen. Das hat mich zum Roman «Genesis – Pandemie aus dem Eis» inspiriert, der am 20. Juli bei Nagel & Kimche erscheint. Ich schrieb ihn bereits ein Jahr vor dem Ausbruch der Conora-Pandemie. Für mich war immer klar, dass nicht Meteoriten, Ausserirdische oder die Klimaerwärmung das grösstmögliche Unglück für die Menschheit darstellen, sondern eine Pandemie. 

Lesen Sie in der heutigen Zeit?
Auch hier hat sich nichts geändert. Meine Medikamente haben starke Nebenwirkungen. Spätestens um 2 Uhr muss ich aufstehen und beginne meinen Arbeitstag mit meinem Rehab-Programm. Dann verfolge ich das Geschehen an den asiatischen Börsen. Über den Tag verteilt lese ich jeweils circa drei Stunden die internationale Presse. Diese Woche lese ich die Druckfahnen von «Genesis», und anschliessend lese ich das neue Manuskript «Hotel California», bevor ich es meinem Agenten zur Prüfung schicke.

063 Blick »Howgh, Hallo & Hi«

 

Der Stamm der Lakota Sioux grüsste meistens mit «Howgh», einer Kurzform von «Hau kola» (Hallo Freund). Das wichtigste Begrüssungsritual bestand jedoch nicht aus Worten, sondern aus einer Geste. Mit der erhobenen, offenen Hand signalisierte man: Ich bin unbewaffnet.

In den meisten asiatischen Ländern wird bei der Begrüssung Körperkontakt vermieden: In Japan gilt die respektvolle Verbeugung, in Thailand begrüsst man sich mit dem Buddhisten-Gruss «Wai», man faltet zusätzlich die Hände vor der Brust, und in Indien praktizieren vor allem Hindus das sehr ähnliche «Namaste».

Begrüssungsrituale sind nicht nur kulturell bedingt, sondern unterliegen auch dem Zeitgeist. Wer hätte vor 50 Jahren seinen Chef mit Vornamen begrüsst oder den dreifachen Wangenkuss praktiziert? Kinder wurden noch dazu angehalten, Erwachsenen artig die Hand zu schütteln. Seit Covid-19 wird davon abgeraten.

Eine US-Untersuchung stellte fest, dass in den Handabstrichen der Studienteilnehmer Spuren von insgesamt 4742 Bakterienarten gefunden wurden. Lediglich fünf kamen bei allen Probanden vor. Je nach Immunsystem, Säuregrad der Haut und hormonellen Faktoren waren einige Bakterien harmlos, andere nicht.

Wer auf internationalen Flughäfen auf die Toilette geht, wird immer wieder beobachten, wie Fluggäste die WC-Anlagen verlassen, ohne sich die Hände gewaschen zu haben. Je nach Kultur sind die Hygienegewohnheiten sehr unterschiedlich. Auch in der Gastronomie.

Bargeld-Gegner wittern nun eine neue Chance, denn bei jedem Bezahlvorgang wechseln Banknoten mit circa 3000 Bakterienarten den Besitzer. Doch fast alle bisherigen Epidemien und Pandemien haben ihren Ursprung in den teilweise immer noch offenen Lebendtiermärkten, wo aufgrund der extrem unhygienischen Bedingungen Infektionskrankheiten von Tier zu Mensch übertragen werden.

Dass man in Zukunft Händeschütteln nur noch bei der Besiegelung wichtiger Vereinbarungen praktiziert, ist nicht verkehrt. Denn die nächste Pandemie kommt bestimmt.

Würden wir heute die Begrüssungsrituale ändern, wären sie für die nächste Generation selbstverständlich. Vielleicht gilt dann die japanische Verbeugung, eine Luftnummer von «Gimme five» oder einfach «Howgh» und Handy hochhalten.

Focus-Artikel: Zombieviren aus dem Eis

 

Könnte die nächste Pandemie aus dem Permafrost kommen? Davor warnen in der Tat einige Wissenschaftler. Denn das Schmelzen der Permafrostböden drohe Viren freizusetzen, die im Untergrund lauern.

© Focus 21.4.2020

Aufgrund der Erderwärmung tauen die arktischen Regionen, deren Böden dauerhaft gefroren sind, besonders schnell. Sie umfassen rund 25 Prozent der Landgebiete der Erde. Dabei wird organisches Material freigelegt, das auch Knochen und Gewebe von Tieren enthält, die seit Tausenden von Jahren im Permafrost konserviert sind. Sie können Mikroorganismen enthalten, die bei den steigenden Temperaturen aktiviert werden.

Hinzu kommt, dass sich in den Schmelzwassertümpeln oder -strömen, die in großer Zahl entstehen, neue Gemeinschaften von Mikroben bilden. Diese waren in Eis eingefroren, das kleine Klüfte im Boden füllte, und lagen teilweise jahrhundertelang gewissermaßen im Tiefschlaf. Das große Tauen erweckt sie nun zu neuem Leben.

Unlängst trafen sich mehr als 50 Forscher aus aller Welt zu einer Konferenz in Hannover, um zu diskutieren, was diese Auferstehung von „Zombieviren“ und anderen Mikroben für die Menschen sowie die Entwicklung künftiger Infektionskrankheiten bedeuten könnte. „Das Treffen sollte den Anstoß geben herauszufinden, was aus dem Permafrost auftaut, um uns zu töten“, sagte die Veterinärmedizinerin Susan Kutz von der kanadischen University of Calgary bei der Konferenz gegenüber Medienvertretern.

Viren waren noch nach 700 Jahren im Eis intakt und infektiös

Tatsächlich beschrieben belgische Biologen in einer Studie mit dem sinnigen Titel „Zurück in die Zukunft in einer Petrischale“ bereits 2017, welche Gefahr von im Permafrost eingefrorenen Mikroben ausgehen kann. Sie hatten im 700 Jahre altem Karibu-Kot zwei Viren gefunden, die sie im Labor wiederbeleben konnten.

Zwar handelte es sich um Erreger, die Pflanzen bzw. Insekten befallen, doch „bemerkenswerterweise waren diese Viren auch nach 700 Jahren im Eis noch intakt und infektiös“, schreiben die Autoren. „“In den letzten Jahren häuften sich die Hinweise, dass der Permafrost ein gigantisches Reservoir alter Viren und Mikroben ist, die aktiviert und wieder freigesetzt werden, wenn sich die Umwelt ändert.“ Schon zuvor hatten französische Biologen in einem Bohrkern mit 30.000 Jahre altem Eis ein Riesenvirus entdeckt, dem sie später zusehen konnten, wie es eine Amöbe befiel.

„Wahrscheinlichkeit, dass durch die Kombination dieser Faktoren eine Seuche ausbricht, ist sehr hoch“

Die Studienmitautorin Ellen Decaestecker von der Universität Leuven weist auf eine weitere Ursache für potenzielle Pandemien hin: Das immer tiefere Vordringen von Menschen in bis dahin unberührte Lebensräume in der Arktis, etwa um Rohstoffe auszubeuten, aber auch durch den Tourismus. „“Wir ändern die Umwelt durch die Fragmentierung von Lebensräumen und den Klimawandel sehr schnell“, so Decaestecker. „Die Wahrscheinlichkeit, dass durch die Kombination dieser Faktoren eine Seuche ausbricht, ist sehr hoch.“

Diese könne zwar auch Menschen betreffen, doch zuerst würden vermutlich Tiere befallen, befindet Decaesteckers Kollegin Kutz: „Da sie im Gelände verteilt sind und auch in Gebieten grasen, in denen der Permafrost taut, können sie als Indikator dienen und früh warnen, bevor Menschen betroffen sind.“ Deshalb gelte es auf Krankheiten oder andere Anzeichen bei Tieren zu achten. Da die Bewohner der Arktis, voran die indigenen Völker, sich vielfach von den Tieren ernähren, seien auch sie den Erregern ausgesetzt.

Dass die Warnungen nicht aus der Luft gegriffen sind,  zeigt eine Milzbrand-Epidemie, die im Juli 2016 in Nordsibirien in einem Nomadenstamm ausbrach. Berichten der „Siberian Times“ zufolge wurden insgesamt 72 Menschen in Krankenhäuser gebracht, ein zwölfjähriger Junge starb. Zudem fielen dem Milzbrand-Erreger „Bacillus anthracis“ nach Angaben der Behörden 2300 Rentiere zum Opfer. Es war der erste Ausbruch seit 75 Jahren.

Der Erreger könnte von Tieren stammen, die vor 70 Jahren an Milzbrand verendet waren. Ihre Kadaver versanken im Permafrostboden, der im Sommer an der Oberfläche auftaut. Seitdem ruhten die toten Tiere im Eis – bis sie durch die steigenden Temperaturen wieder freigelegt wurden. Hinzu kam damals eine Hitzewelle im nördlichen Sibirien mit Temperaturen zwischen 25 und 35 Grad, die über vier Wochen lang anhielt.

Die Hitze, vermuten Forscher, reaktivierte die Sporen des Bacillus anthracis, die im Eis hundert und mehr Jahre überdauern können. Sie wurden auf Weideflächen geweht, wo sie Rentiere infizierten, die sich dort zur Sommerweide aufhielten. Die Nomaden wiederum steckten sich durch das Fleisch erkrankter Tiere an.

Allerdings kamen Wissenschaftler um den Mikrobiologen Karsten Hueffer von der University of Alaska Fairbanks in einer weiteren Studie zu dem Schluss, dass das Ende des russischen Anthrax-Impfprogramms im Jahr 2007 bei dem Ausbruch eine größere Rolle spielte als der warme Sommer.

Neben den schlagzeilenträchtigen Zombieviren drohen den Arktis-Bewohnern noch weitere gesundheitliche Gefahren. Denn durch die globale Erwärmung wandern viele Tier- und Pflanzenarten nach Norden. Sie könnten neue Krankheitserreger in die Arktis einschleppen. Dort sind die Gesundheitssysteme in der Regel aber nur schwach ausgebaut.

Das kanadische Internetportal „The Narwhal“ nennt ein Beispiel: Zu den sich nordwärts ausbreitenden Arten zählt der Biber. Die Nagetiere sind aber oft von Parasiten (sogenannte Giardien) befallen, die das „Biberfieber“ auslösen. Es geht mit starkem Bauchweh und heftigen Durchfällen einher. Der Erreger kann auch Menschen befallen. Deshalb wird es zunehmend gefährlich, Wasser direkt aus arktischen Gewässern zu trinken, wie es viele Leute dort tun.  Zudem wandern die Stechmücken, die das West-Nil-Virus übertragen, immer weiter nach Norden.

Zugleich nimmt die Bevölkerung durch den Bau neuer Straßen, die Einrichtung von Minen und die Rohstoffexploration Erdöl ständig zu. Die aus dem Permafrost freigesetzten oder eingeschleppten Erreger treffen somit auf immer mehr potenzielle Wirte. Diese Entwicklung betrifft auch viele Tiere – etwa das Karibu. Dessen Bestände in Nordamerika sanken in den vergangenen 25 Jahren um rund 40 Prozent. Ursache des Niedergangs ist unter anderen die Verbreitung von Parasiten, die sich im Magen-Darm-Trakt der Tiere festsetzen. „Die Rolle von Infektionskrankheiten dabei wurde lange übersehen, und der Klimawandel facht dieses Feuer noch an“, konstatiert die Tierärztin Kutz. 

In einer Hinsicht gibt die kanadische Forscherin aber Entwarnung: Auf der Basis der bisherigen Beobachtungen erscheine es unwahrscheinlich, dass aus dem Permafrost so ansteckende und tödliche Seuchen wie aktuell Covid-19 entstehen. Dafür gebe es einen anderen Grund zur Sorge. Die tauenden Böden könnten Bakterien oder Viren enthalten, denen der Mensch bisher nicht nicht begegnet ist – oder aber solche, auf die er mit desaströsen Folgen traf, wie etwa die Spanische Grippe von 2018. Dann sei er ihnen ziemlich schutzlos ausgesetzt, jedenfalls so lange, bis es Medikamente oder einen Impfstoff gibt.

Interview Nationalmuseum

Interview mit Claudia Walder / Mai 2020

Einführung

Claude Cueni ist erfolgreicher Autor und hat gesundheitsbedingt bereits Quarantäne-Erfahrung. Am 17. August erscheint bei Nagel & Kimche sein neuer Wissenschafts-Thriller «Genesis – Pandemie aus dem Eis». 2021 wird sein historischer Roman «Das grosse Spiel» verfilmt.

Persönliches

  1. Herr Cueni, Sie sind erfolgreicher Autor und wurden in einem Interview als «Quarantäneprofi» bezeichnet. Haben Sie Tipps für «Ungeübte»?

Wer jammert, sollte sich bewusstwerden, dass eine Quarantäne mit vollem Kühlschrank, Internet und Netflix eine Luxus-Quarantäne ist. In armen Ländern können sich die Leute nicht einmal Hamsterkäufe leisten.

Grundsätzlich ist eine Tagesstruktur hilfreich, egal ob man um 5 Uhr oder um 9 Uhr aufsteht: Fitness, Online-Zeitungen, Kontaktplfege über die sozialen Medien, in der Küche Neues ausprobieren. Und endlich mal den Keller aufräumen. Alles kann hilfreich sein.

  1. Hilft Ihnen die Isolation beim Schreiben – oder das Schreiben in der Isolation?

Weder noch. Ich kann rasch in meine Geschichten abtauchen und alles um mich herum ausblenden. Ich brauche keine optimalen Bedingungen zum Schreiben.

  1. Wenn Sie ein Charakter in einem Ihrer Bücher wären, wie würden Sie sich beschreiben?¨

In meinem autobiographischen Roman »Script Avenue« finden Sie einen Beschrieb auf 640 Seiten, ein Leben zwischen Tragödie und Comedy.

  1. In welcher literarischen oder filmischen Geschichte würden Sie sich gerne wiederfinden?

In keiner. Ich habe mich mittlerweile an mich gewöhnt.

  1. Sie sind 2019 Grossvater geworden, welches ist das erste Buch, das Sie Ihrer Enkelin schenk(t)en?

Ich arbeite noch daran. Es heisst »Hotel California – One more thing for Elodie«. Die zweite Fassung ist fertig. Es beinhaltet die Dinge, die ich meiner Enkelin noch gerne gesagt hätte, wenn sie erwachsen ist. Sie ist gerade ein Jahr alt geworden.

  1. Ihr neustes Buch «Genesis» trägt den Untertitel «Pandemie aus dem Eis». Zufall?

Da ich seit zehn Jahren immunsuprimiert bin, sind mir die Themen Viren und Bakterien vertraut. Ich war immer der Meinung, dass das grösstmögliche Unglück nicht Kriege, Meteoriteneinschläge, Klimaerwärmung oder Negativzinsen sind, sondern eine Pandemie, weil eine solche nicht auf Regionen beschränkt ist. Das fertige Manuskript wurde von meiner Literaturagentur bereits im Oktober 2019 an der Frankfurter Buchmesse den Verlagen angeboten. Geschrieben hatte ich es in den zwölf Moanten davor. Also weit vor dem ersten Auftritt von Covic-19.

  1. Wenn Sie das Geschehen in Ihrem Buch mit der jetzt eingetroffenen Situation vergleichen, was haben Sie sich anders vorgestellt? Was ist eingetroffen?

Auch bei mir ist der Auslöser eine Zoonose, also eine Übertragung von Tier zu Mensch. Der Fokus liegt aber nicht auf einem Horror-Szenario im Stil von Steven King, sondern auf einer indischen Köchin, die vor einer Zwangsheirat nach London flüchtet, eine zugelaufene Ratte dressiert und sich infisziert ohne selber daran zu erkranken.

Womit ich nicht gerechnet habe: Dass viele Schwerkranke aus Angst vor Ansteckung eine dringend notwendige Spitaluntersuhung verschieben und so den Zeitpunkt verpassen, wenn der Krebs noch keine Metastasen gebildet hat.

  1. Sehen Sie in der Corona-Krise auch positive Aspekte?

Jede grosse Krise ist ein Crash-Kurs in Philosophie. Sofern man lernfähig ist. Für mich hat sich nicht viel geändert. Da mir meine Frau keinen Virus nach Hause bringen will, hat sie unbezahlten Urlaub genommen und sich in Co-Quarantäne begeben. Wir haben es sehr gut miteinander.

  1. Mit welcher Persönlichkeit (real, historisch oder fiktiv) würden Sie gerne chatten/skypen – oder Briefe austauschen?

Mit John Law of Lauriston, dem Mann, der Geld aus Papier erfand und nie aufgab. Die Romanverfilmung hätte dieses Jahr beginnen sollen, aber eine Filmcrew hat mehr als fünf Personen und am Hof des Sonnenkönigs sollten nicht alle Darsteller einen Mundschutz tragen.

  1. Welche Frage würden Sie gerne einmal gestellt bekommen (bekommen Sie aber nie)?

Ich bin nicht so interessant, dass die Öffentlichkeit noch mehr über mich erfahren müsste.

Museum

  1. Welche Gedanken verbinden Sie spontan mit dem Begriff «Museum»?

Zeitreisen. Neues Lernen. Wissen ist sexy.

12. Besuchen Sie Museen lieber real oder virtuell? Und weshalb/wann welches?

Unbedingt real. Regelmässig besuche ich das Gelände des Römermuseums in Augusta Raurica, das Landesmuseum, wenn ich in Zürich bin und das British Museum in London. Aber ich mag auch skurrile Museen wie das Henkermuseum in Liestal.

  1. Was müssen Museen tun, um Sie in Zeiten der Isolation zu erreichen bzw. relevant für Sie zu sein?

Interesse wecken, neugierig machen. Egal ob es eine Ausstellung zum Thema »Guillotine«, »Reisen in der Antike« oder »Zinnfiguren« ist. In Corona-Zeiten müsste es virtuell sein. Man nutzt Zeit und Budget aber besser für eine reale Ausstellung nach Ablauf des Lockdowns.

  1. Was sollte ein historisches Museum heute sammeln, um in Zukunft einmal die Corona-Krise darstellen zu können?

Ein begehbarer Supermarkt mit leeren Regalen, im OFF Nachrichten, in jedem neuen Ausstellungsraum ein vermummter Aufseher, ein Bett auf einer Intensivstation, ein Grabmal nach der Vorlage von Auguste Bartholdis Voulminot-Skulptur in Colmar, ein Rehrudel in einer leeren Bar, ein Kurier auf dem Velo, Food-Delivery. Ein Vergleich mit anderen Pandemien in chronologischer Folge.

  1. Welches ist Ihr Lieblingsmuseum? Welche ist Ihre Lieblings-Museumwebseite? (Sind ja nicht unbedingt das Gleiche.)

Mein eigenes Museum war mir natürlich stets am liebsten. Ich hatte zahlreiche Schaufensterpuppen historisch korrekt eingekleidet und im Wald hinter dem Haus eine römische Mansio gebaut, eine römische Herberge. Der Architekturhistoriker Otto Lukas Hänzi hatte sie entworfen. Die meisten Gegenstände stammten aus Werkstätten, die normalerweise für Museen arbeiten. Es gab einen Keltenwald mit Totenköpfen in den Bäumen, ich wollte das alles der Öffentlichkeit kostenlos zur Verfügung stellen, aber der Kanton hat mir dann verboten, im eigenen Wald weiterzubauen.

Nachhaltig beeindruckt hat mich vor 20 Jahren auch der vor acht Jahren umgebaute »MuséoParc Alésia« im Burgund mit den nachgebauten Belagerungsringen um Alesia im Maßstab 1:1.

Meine Lieblingswebseite ist natürlich die vom Money Museum in Zürich. Die Geschichte des Geldes ist ja auch die Geschichte der Zivilisation und Thema meines Romans über die Erfindung des Papiergeldes.

  1. Gibt es ein Museum, in dem Sie oder ein Werk von Ihnen zu finden sind?

In diversen Römermuseen gab es jahrelang meine Dramatisierung des Gallischen Krieges im Museumshop (»Cäsars Druide / Das Gold der Kelten«). Aber ob das heute noch so ist, weiss ich nicht. Ich denke nicht.

  1. Welches Museum wäre das perfekte Setting für einen Roman / einen Film?

Auf jeden Fall das Landesmuseum. Kein anderes. Ich hatte dort vor 20 Jahren eine Buchvernissage. Mir gefiel die Stimmung in den Sälen nach Einbruch der Nacht.

  1. Stellen Sie sich vor, Sie dürften eine Ausstellung gestalten. Was würden die Besucher zu sehen bekommen? Wie würde die Ausstellung heissen? Und wäre sie real oder virtuell?

»Geschichte als Geschichte erzählen«. Auf jeden Fall real. Jeder Raum eine Epoche mit Schauspielern in historischen Kostümen, die sich untereinander unterhalten, aber nicht mit dem Publikum kommunizieren. Vor dem Gebäude eine historische Strassenkantine mit Fastfood nach damaligen Originalrezepten.

  1. Was war der eindrücklichste Moment, den Sie je in einem Museum erlebt haben?

Das war im History Museum in Hongkong. Es war deshalb eindrücklich, weil es grossartig gestaltet ist und diese Kultur für mich damals neu war. Eindrücklich war auch ein Besuch im Bartholdi-Museum in Colmar. Ich stiess auf ein Gemälde von Charles Bartholdi, dem erfolglosen Bruder des weltberühmten Auguste Bartholdi, der die Freiheitsstatue erschuf. Ich fragte mich, wieso sich die Brüder, beide Kunstmaler, nicht gegenseitig gemalt hatten und erkundigte mich bei der Konservatorin. Sie kopierte mir Briefe der Mutter. Darauf habe ich den Roman »Gigangen« neu geschrieben, die Rivalität der Brüder wurde ein zentrales Thema.

  1. In welchem Museum sollte man sich in 100 Jahren an Sie erinnern? Und weshalb?

In keinem. Ich gehöre nicht zu den Autoren, die sich wahnsinnig wichtig nehmen. Sobald ich tot bin, existiere ich nicht mehr. Und aus die Maus.

 

062 Blick »Die Frau, die niemals aufgab«

 

1761 verbrachte Joseph Grosholtz eine Winternacht in den Armen von Anne-Maria Walder, sie wurde schwanger, und Josef zog in den Siebenjährigen Krieg. Als seine Tochter Marie geboren wurde, lag er bereits erschossen auf den Schlachtfeldern der Grossmächte.

Die junge Witwe zog mit der kleinen Tochter nach Bern, erwarb die Schweizer Staatsbürgerschaft und arbeitete als Hausmädchen für den Arzt Philippe Curtius. Er modellierte für den Anschauungsunterricht menschliche Organe in Wachs. Ein Cousin des französischen Königs wurde auf ihn aufmerksam und bot ihm ein Atelier in Paris an. Zusammen mit seiner Patchwork-Familie zog er an die Seine. Die kleine Marie überraschte mit ihrem Talent und schuf bereits als Teenager ein eindrückliches Wachsporträt von Voltaire.

Während der Französischen Revolution stürmten Aufständische das entstehende Wachsfigurenkabinett und forderten die Herausgabe der in Ungnade gefallenen Zeitgenossen. Die Revolutionäre spiessten die Köpfe auf und trugen sie skandierend durch die Strassen. Im Gegenzug, so die Legende, erhielt Marie echte Köpfe zum Nachmodellieren: Die unter der Guillotine abgetrennten Häupter von Ludwig XVI., Marie Antoinette, Danton und später Robespierre.

Als Curtis starb, erbte Marie die Sammlung und heiratete 1795 den Ingenieur François Tussaud. Dieser war allerdings mehr dem Alkohol als dem Maschinenbau zugeneigt. Die resolute Marie trennte sich von ihm und floh vor dem nächsten Krieg mit ihrem kleinen Sohn nach England.

Nachdem sie 33 Jahre lang mit ihren Wachsfiguren an Jahrmärkten aufgetreten war, eröffnete die mittlerweile 74-Jährige ihr weltberühmtes Museum in London und starb fünfzehn Jahre später. Sie musste nicht mehr miterleben, wie während des Zweiten Weltkriegs deutsche Bomben ihr Kabinett in Brand setzten und ihre Wachsfiguren dahinschmolzen.

Mittlerweile ist Madame Tussauds ein internationaler Konzern mit 23 Niederlassungen und investiert in andere Branchen, da die neuen 3D-Drucktechnologien das alte Geschäft bedrohen. Mit lebensechten 3D-Ganzkörperporträts in farbiger Gips-Keramik bedienen junge Start-ups die narzisstische Gesellschaft: jeder ein Unikum, jeder ein Star und erst noch hitzebeständig.

061 Blick »Besiegte ein Bakterium Napoleon?«

Die Schlacht fand am 18. Juni 1815 in der Nähe des damals niederländischen Dorfes Waterloo statt. Der britische General Wellington besiegte gemeinsam mit dem preussischen Generalfeldmarschall Blücher Napoleons Armee und schickte den Korsen in die Verbannung.

Auf der Atlantikinsel St. Helena erlebte Napoleon sein endgültiges Waterloo: Er starb, fiel womöglich dem Bakterium Helicobacter pylori zum Opfer. Zwei Haare stützten zwar Verschwörungstheorien, wonach er mit Arsen vergiftet worden sei, doch erwiesen ist lediglich, dass sein Hut heute im Deutschen Historischen Museum ausgestellt ist.

Der Name Waterloo, mittlerweile ein Synonym für eine vernichtende Niederlage, überlebte in vielfältiger Art und Weise. Er inspirierte Songwriter (Abba 1974) und war weltweit Namensgeber für über zwei Dutzend Städte. In London tragen ein Bahnhof und eine U-Bahn-Station den Namen, sehr zum Ärger der französischen Regierung. Sie verlangte eine Umbenennung, vergebens. Kapitulieren ist nicht britisch. Weniger standhaft waren die Belgier. Auf Druck von Paris schmolzen sie 180’000 neue Euro-Münzen ein, die an Waterloo erinnerten.

Erhalten blieb uns auch das legendäre Filet Wellington, das sich der Freimaurer Wellington angeblich nach der Schlacht servieren liess. Nebst dem Filet im Teig bescherte Waterloo der Nachwelt auch den edlen Margaux Château Palmer, der es 1961 auf 99 Parker-Punkte brachte. Wellington hatte das französische Weingut seinem treuen General Charles Palmer geschenkt. Trotz enormer Anstrengungen erlebte dieser in den Rebbergen von Bordeaux ein finanzielles Waterloo. Gebodigt hatten ihn weder die Reblaus noch desertierte französische Soldaten, sondern die Bank, die ihm die Verlängerung der Hypothek verweigerte.

Nathan Mayer Rothschild war der Warren Buffett seiner Zeit und der grösste Financier des britischen Imperiums. Einige Autoren warfen ihm vor, dass er dank besseren Nachrichtenverbindungen früher von Napoleons Niederlage erfuhr und diesen Informationsvorteil an der Londoner Börse ausnutzte. Einer seiner Bankkunden, der Dichter und Journalist Heinrich Heine, notierte in seinem Buch «Lutetia» voller Bewunderung: «Geld ist der Gott unserer Zeit und Rothschild sein Prophet.»

 


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Die Buchhandlungen sind wieder offen.

Die Verlagsauslieferungen liefern wieder.

Somit endet meine Aktion.

15. Mai 2020

 

060 Blick »Faule Knochen«

© Blick 2020 / Folge 60 /   17.4.2020                                                                                                              

Faule Knochen

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges versuchte man zur Normalität überzugehen. Es wurde wieder Fussball gespielt, und das Fernsehen entwickelte sich allmählich zum Massenmedium, es gab plötzlich mehr Fernsehzuschauer als Rundfunkhörer. Die Krönung von Elizabeth II. am 2. Juni 1953 brach alle Rekorde, obwohl der Gründer der Filmproduktionsgesellschaft 20th Century Fox behauptet hatte, dass sich das Fernsehen niemals durchsetzen würde: «Die Menschen werden sehr bald müde sein, jeden Abend auf eine Sperrholzkiste zu starren.»

Ermüdet haben die TV-Zuschauer aber nicht die flimmernden Holzkisten, sondern die Bedienung des Fernsehgeräts, weil man zum Umschalten aufstehen musste. Einer dieser Couch-Potatoes entwickelte deshalb für die Firma Zenith eine Fernbedienung mit Kabel. Er nannte sie treffend «Lazy Bones» (Faule Knochen). Nachdem er zu Hause ein paar Mal über das Kabel gestolpert war, erkannte er ein gewisses Verbesserungspotenzial.

«Lazy Bones» wurde begraben, und sechs Jahre später eroberte der kabellose «Space Commander» die Wohnstuben. Dank der inflatorischen Zunahme an neuen TV-Kanälen wurde das schmale Gerät zur Standardausrüstung, und Kinder wurden nie mehr als menschliche Fernbedienung missbraucht.

Die Zapping-Kultur brachte eine ganze Generation ungeduldiger Zappelphilipps mit verminderter Aufmerksamkeit hervor. In den Printmedien wurden die Texte kürzer, die Bilder grösser, und Filme starteten gleich mit einer dramatischen Szene und integriertem Vorspann.

Die Kurzvideo-Plattform Tiktok erlaubte gerade mal eine Länge von 15 Sekunden. Textnachrichten schrumpften, Emojis wurden die Hieroglyphen der Neuzeit, und die Nutzer fühlten sich wie allzeit vernetzte Space Commander. Je mehr Zeit sie einsparten, desto weniger hatten sie übrig.

Die Nachfahren der «Lazy Bones» gehen nun in Rente. Geräte werden mit der Sprache gesteuert. Geblieben ist die Zapping-Kultur. Jeder ist sein eigenes Medienhaus, sein eigener Zensor. Was nicht sofort überzeugt, wird weggezappt. Auch Jobs, Beziehungen und Kleingedrucktes. Im Wilden Westen bedeutete «zapped» abgeknallt.

059 Blick »Das Viagra der Antike«

«Mir wäre es lieber gewesen, du hättest nach Knoblauch gestunken», soll Kaiser Vespasian einem parfümierten Offizier gesagt haben. Die Gewürzpflanze war das Pesto der römischen Antike und gehörte zur Tagesverpflegung der Legionäre. Sie schleppten auf ihren Gewaltsmärschen dreissig Kilo Gepäck und verbrauchten 10 000 Kalorien am Tag (das Wort Burnout wurde erst 1974 erfunden). Die Soldaten waren anfällig für blutige Füsse und Verletzungen der gröberen Art. Die Pflanze galt als entzündungshemmend und wurde zum Synonym für das Soldatenwesen.

Im Mittelalter wurde Knoblauch in Klöstern angebaut und bei Lungenentzündungen empfohlen. Während der Pest glaubte man gar, man könne mit Knoblauch die Seuche bekämpfen. Die Pest ging vorbei wie alle Pandemien, der Aberglauben ist geblieben.

1733 schrieb Johann Christoph Harenberg seine «Christlichen Gedanken über die Vampire» nieder und legte damit den Grundstein für die Fledermaus, die sich als neurotische Blutsaugerin mit Knoblauch-Phobie in Literatur und Film einnistete.

Einige Studien behaupten, Knoblauch sei wirksam bei Lungeninfekten, weil er die in der Knolle enthaltenen Öle über die Lunge ausscheidet. Für einen nachweisbaren Effekt müsste man allerdings täglich ein Kilo Knoblauch essen, dann hätte es sogar einen positiven Einfluss auf die Blutfette. Aber eher einen negativen auf das Eheleben.

Gerüchteweise hört man, das BAG prüfe die kostenlose Abgabe von Knoblauch zur Durchsetzung von Social Distancing. China könnte liefern. Mit jährlich 21 Tonnen decken sie 80 Prozent des weltweiten Konsums. Für den US-Markt wird der Knoblauch in Haftanstalten vorgeschält. Dabei gelangt der Saft unter die Nägel und verbrennt die Haut. Deshalb nehmen viele Zwangsarbeiter die Knollen in den Mund, schälen sie mit den Zähnen und spucken sie wieder aus.

Heute gilt die Gewürz- und Heilpflanze als Viagra des armen Mannes. Es ist empfehlenswert, dass man vorgängig einen gemeinsamen Apéro mit Moretum einnimmt. Das Knoblauch-Rezept hat uns Apicius hinterlassen, der Paul Bocuse der römischen Antike. Leider ohne Angaben der benötigten Menge an Fetakäse, Selleriegrün und Koriander. Vielleicht nutzen Sie die Pausen im Homeoffice, um es herauszutüfteln.

058 Blick »Drei Experten, drei Meinungen«

 

Falls Screenshot für Sie schlecht lesbar, bitte nach unten scrollen.

Gemäss einer Umfrage in den USA rauchten in den 1960er-Jahren die meisten Ärzte Camel, Zahnärzte empfahlen die Marke Viceroy, und Schlanke griffen zu Lucky Strike. Es gab für jeden Zigarettenhersteller den passenden Experten. Sechzig Jahre später gilt Rauchen als gesundheitsschädigend und wird mit Mundgeruch assoziiert. Meistens weiss man erst Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte später, ob der damalige Zeitgeist irrte oder nicht.

Schwieriger ist es bei aktuellen Themen. Zerstört ultraviolettes Licht das Virus Covid-19? Herden-Immunität oder Social Distancing? Ausgangssperre ja oder nein? Beweist Taiwan, das «lediglich» 100 Infizierte hat und viermal grösser ist als die Schweiz, dass man nur mit einem sofortigen Lockdown die Pandemie eindämmen kann? Löst hingegen eine zögernde und führungsschwache Regierung italienische Verhältnisse aus? Für jede Massnahme gibt es einen Experten, der politische Entscheide wissenschaftlich absegnet.

Oft hört man: «Ich bin kein Experte, ich sage nur: Hört auf die Wissenschaft.» Aber wer wählt diese Experten aus? Jene, die laut eigenen Angaben wenig von der Sache verstehen?

Liest man täglich die Beiträge von Cash-Guru Fredi Herbert (83), stellt man fest, dass es für viele Aktien am selben Tag unterschiedliche Empfehlungen der Banken und Vermögensverwalter gibt: kaufen, halten, verkaufen. Am Ende wählt der Laie den Experten aus. Und somit auch die Aktie.

Es gibt zahlreiche Experimente, die das Expertenwesen auf die Schippe nehmen: Schimpansen, die bei der Auswahl von Aktien erfolgreicher sind als angestellte Bankenprofis; renommierte Verlage, die Manuskripte von längst publizierten Bestsellern ablehnen.

Heute wird deshalb vermehrt Software mit künstlicher Intelligenz eingesetzt. Aber es sind wiederum Menschen, die den Computer mit Daten füttern und diese gewichten. Und jeder Entwickler von Computerspielen weiss: Man kann so lange an den Algorithmen schrauben, bis das gewünschte Ergebnis vorliegt.

Am Ende des Tages ist man nicht nur auf eine möglichst grosse Anzahl unterschiedlicher Informationsquellen angewiesen, sondern auch auf den gesunden Menschenverstand. Soweit vorhanden.


Claude Cueni (64) ist Schriftsteller und lebt in Basel. Er schreibt jeden zweiten Freitag im BLICK, gestern veröffentlichten wir überdies seinen persönlichen Erfahrungsbericht aus der Quarantäne. Am 20. Juli erscheint im Verlag Nagel & Kimche sein neuer Roman «Genesis – Pandemie aus dem Eis».