Das Gold der Kelten

Ein gewaltiges Sittengemälde der Antike voller Leidenschaft und Abenteuer, keltischer Rituale und hadernder Götter – brillant recherchiert und spannend wie ein Kriminalroman. Radio DRS, Zürich

640 Seiten

2014_02_Cueni_GoldKelten_00158 vor Christus: Ohne Einwilligung des römischen Senats überzieht der völlig verschuldete Prokonsul Gaius Julius Cäsar Gallien mit privaten Raubfeldzügen, denn nur mit dem Gold der Kelten kann er in Rom politisch überleben. In dieser gefahrvollen Zeit flieht der junge Druidenlehrling Korisios gemeinsam mit seiner schönen, aber eigensinnigen Sklavin aus seiner kriegsbedrohten Heimat, dem Land der Rauriker, nach Westen. Bei Genava trifft er auf Cäsar und tritt als Schreiber in dessen Dienste. Auf geheimnisvolle Weise scheint sein Schicksal mit Cäsars triumphalem Aufstieg verknüpft zu sein, doch eines Tages werden sie zu erbitterten Rivalen.


 Youtube Buchtrailer


Pressezitate

»Das opulente Sittengemälde aus der Römerzeit ist zweifellos eine spannende Ferienlektüre. Der dicke Schmöker strotzt von prallem Leben, von Liebe und Leidenschaft, politischen Intrigen und gefährlichen Abenteuern. Seinen besonderen Wert verdankt das Werk aber seiner akribischen Faktentreue: Was die neuste Forschung an Erkenntnissen hergibt, hat Claude Cueni eingearbeitet.«Bilanz
Cueni zeigt, dass es möglich ist, Geschichte als Geschichte zu erzählen. Der Mann ist so cool. Sehr zum Lesen!Tages-Anzeiger, Zürich

Der Roman erschien 1989 im Heyne Verlag unter dem Titel «Cäsars Druide» und erlebte seitdem im deutschsprachigen, spanischen und italienischen Raum zahlreiche Auflagen. In Spanien war er der erste Band in der neuen Bestseller Buchreihe von Zeta. Der Roman erschien nun in einem neuen Verlag (Lenos) unter einem neuen Titel. Erzählt wird die epische Liebesgeschichte des spastischen Druidenlehrlings Korisios, der sich mit seiner widerspenstigen germanischen Sklavin Wanda dem Zug der Helvetier anschliesst und Schreiber in Cäsars Diensten wird. Das Buch basiert auf der neusten Cäarforschung und erzählt den Gallischen Krieg als menschliches Drama. Das Buch erfreut sich nun seit 25 Jahren grosser Beliebtheit, scheint kein Verfalldatum zu haben, zumal es immer noch auf dem aktuellen Stand der Cäsarforschung basiert. In zahlreichen Schulklassen wird er als Helvetierroman gelesen oder als Begleitlektüre zum eher trockenen „De Bello Gallico“.

Seine grosse Popularität verdankt der Roman aber sicher dem berührenden Schicksal des spastischen Druidenlehrlings Korisios, der mit seiner germanischen Sklavin Wanda den Gallischen Krieg erlebt, als Dolmetscher in Cäsars Feldkanzlei.


 

Erhältlich in folgenden Sprachen: Deutsch, Italienisch, Spanisch, Russisch, Bulgarisch. Die ersten Ausgaben erschienen unter dem Titel »Cäsars Druide« (Heyne Verlag), im spanischen Raum erlebte das Buch mehrere Sonderausgaben u.a. in der Reihe »Zeta Bestseller«. Zuletzt wurde es von Lenos neu lektoriert und unter dem Titel »Das Gold der Kelten« herausgegeben. Neu auch als eBook.


Index

– Gutachten Universität Basel

– Nachwort des Autors zur neuen Ausgabe

– Historische und fiktive Figuren

– Karte zur Zeit des Gallischen Krieges

– Glossar

– Textprobe

– Cover der diversen Ausgaben


Gutachten Universität Basel
Seminar Früh- und Urgeschichte


Dr. Eckhard-Deschler Erb

über: DAS GOLD DER KELTEN (ehemals Cäsars Druide)

Der Autor hat sich sehr bemüht, den neuesten Stand der Forschung über die gallischen Kriege in seiner Arbeit zu berücksichtigen und hat dazu akribisch auch die allerneuesten Arbeiten zu dem Thema gelesen.
Dabei ist aber nicht ein trockener „Historienschinken“ entstanden, sondern ein äusserst spannendes Buch, das sehr genau das damalige Zeitgefühl und die Gedankenwelt der Kelten und Römer, so wie wir es uns heute vorstellen können, widerspiegelt.

Gut ist dies auch bei der Beschreibung des Gaius Julius Caesar zu erkennen. Dieser römische Feldherr ist mitnichten völlig eindimensional als der glänzende Strahlemann oder als fieser Keltenschlächter dargestellt, sondern wird in seiner ganzen Ambivalenz als äusserst vielschichtige Person zwischen Genie und Wahnsinn gezeigt.

Auch bei der Beschreibung der keltischen Gesellschaft ist es dem Autor gelungen, sich von allen romantischen Verklärungen fernzuhalten. Die Kelten waren nicht die esoterisch dahinschwebenden Gestalten, wie wir sie uns heute gerne vorstellen, sondern eine stark hierarchisch geprägte Gesellschaft, die sich vor lauter internen Zwistigkeiten kaum auf eine nationale Identität besinnen konnte.
Dr. Eckhard-Deschler Erb

Basel, den 06.08.97


Nachwort zur neuen Ausgabe unter dem neuen Titel «Das Gold der Kelten»


Geschichte als Geschichte erzählen.

Die römische Antike fasziniert mich seit frühester Jugend. Ich verschlang damals alle Sachbücher, die in Leihbibliotheken erhältlich waren. Später las ich im Lateinunterricht De Bello Gallico und wurde vom Gedanken beseelt, eines Tages Cäsars Rechtfertigungsbericht in Romanform neu zu erzählen. Ich wollte Geschichte als Geschichte erzählen. Die Schule brach ich ab, «um Schriftsteller zu werden», und schlug mich mit zwei Dutzend Gelegenheitsjobs durch.

Später besuchte ich alle historischen Orte, die Cäsar in seinem Bericht erwähnt. Ich sprach mit Historikern und Archäologen, ließ mir Caligae schustern, gab bei Michael Simkins in Nottingham eine Legionärsausrüstung nach meinen Maßen in Auftrag und wanderte damit bei strömendem Regen durch die Wälder der Umgebung, erlernte in einem Kurs mit schottischen Archäologen römisch Kochen nach den überlieferten Rezepten des Apicius und verlor mich auch sonst in endlosen Recherchen.

Wer einmal anfängt, wird kaum noch fertig, denn je mehr man weiß, desto mehr will man wissen. Selbst eine Dissertation über die Nahrungsmittelversorgung und die Verdauungsprobleme der römischen Legionäre in Gallien fand mein uneingeschränktes Interesse.

Die Geburt meines Sohnes Clovis brachte die Entscheidung. Er erlitt nach der Geburt eine Zerebralparese und trug ein spastisches linkes Bein davon. Während die gleichaltrigen Kinder später draußen herumtollten, spielten wir auf dem Fußboden mit kleinen Plastikrömern und -kelten, und ich erzählte ihm alles, was ich über die römische Antike wußte.

Ich wollte ihm Mut machen und erfand einen spastischen Kelten, der in Cäsars Schreibkanzlei anheuert und den Gallischen Krieg niederschreibt. Nun paßte alles zusammen, denn die Kelten gehörten zu den wenigen Kulturen, die behinderte Kinder nicht aussetzten. Sie glaubten, daß in ihnen die Götter wohnen. Es ist somit durchaus glaubwürdig, daß der Held ein spastischer Druidenlehrling ist.

In den folgenden Jahren schrieb ich die Geschichte nieder, die ursprünglich 940 Seiten umfaßte. Ich gab das Manuskript Historikern zum Gegenlesen und ließ mir mit Gutachten bestätigen, daß alles korrekt recherchiert und auf dem neusten Stand der Cäsarforschung war: der Gallische Krieg als Raubzug des Julius Cäsar, der sich stark verschuldet hatte, um in Rom seinen politischen Aufstieg zu finanzieren. Er brauchte das legendäre Gold der Kelten. Der Gallische Krieg als Wirtschaftskrieg. Der Gallische Krieg als politischer Überlebenskampf.

 Der Roman erschien erstmals unter dem Titel Cäsars Druide bei Heyne und wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Ich freue mich, daß Lenos das Buch neu auflegt, denn immer wieder erhalte ich Mails, in denen Leserinnen und Leser mir mitteilen, daß der spastische Druide, der nie aufgab, ihnen Mut gemacht habe, sich nochmals aufzuraffen und dem Schicksal zu trotzen.

Mehr Informationen wie immer auf: www.cueni.ch.

Claude Cueni
Allschwil, 17. Januar 2014


Historische und fiktive Figuren


Mit* versehene Figuren sind historisch belegt, die übrigen fiktiv.

Im Sinne einer einheitlichen Linie (Rechtsschreibung/Personendaten) wurde ausschliesslich „Pauly’s Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft“ benutzt.

Aelius Quintus Aelius Piso
Folgt Cäsar, dem grössten Schuldner seines Herrn Lucceius, nach Gallien.

*Ariovist
Heerführer der Sueben, von Cäsar König der Germanen („rex Germanorum“) genannt. Um 71 v. Chr. riefen ihn die Sequaner um Hilfe. Ariovist überschritt mit 15.000 Mann den Rhein und griff erfolgreich in die Kämpfe gegen die Häduer ein (61 Sieg bei Magetobriga). Da immer mehr Germanen über den Rhein kamen, forderte Ariovist von den Sequanern zusätzliche Gebiete. Ariovist sprach keltisch und lateinisch und verfügte über eine grosse politische und militärische Intelligenz. Er entsprach somit in keiner Weise dem Bild des wilden und dummen Barbaren. Um 60 verheiratete er sich mit der Schwester des Keltenkönigs Voccio (Noricum). Der Druck, den er auf die Helvetier ausübte, veranlassten diese schliesslich zur Auswanderung, die Cäsar als Vorwand für den gallischen Krieg nutzte. Noch 59 v. Chr. verlieh ihm Cäsar in seiner Funktion als Konsul den Titel König und Freund des römischen Volkes („rex et amicus populi Romani“). Am 14. September 58 wurde Ariovist von Cäsar geschlagen. Der genaue Ort ist nicht bekannt. Er liegt vermutlich zwischen Belfort (F) und Schlettstadt (F), wahrscheinlich in der Gegend von Müllhausen in der Nähe des Rheins. Mit der Niederlage des Ariovist war der erste Versuch einer germanischen Machtbildung westlich des Rheins für Jahrhunderte vereitelt.

* L. Domitius Ahenobarbus
Erbitterter Gegner Cäsars. 61 Aedil (prächtige Spiele). 54 Konsul, zusammen mit Claudius Pulcher. 52 Versöhnung mit Pompeius und vorsitzender Quaestor im Prozess gegen Milo. Wurde im Januar 49 als Nachfolger Cäsars in Gallien bestimmt. Einen Monat später versuchte Athenobarbus Cäsar mit Truppen entgegenzutreten. Der Versuch misslang kläglich. Denn Athenobarbus‘ Truppen lieferten ihren frischgebackenen Prokonsul dem vergötterten Cäsar aus. An Athenobarbus demonstrierte Cäsar seine „neue Milde“. Er begnadigte seinen Möchtegern-Nachfolger grosszügig und schenkte ihm die Freiheit, wohl wissend, dass sich dieser ihm erneut entgegenstellen würde. Athenobarbus verschanzte sich darauf mit neuen Truppen in Massilia, das von Cäsars Legaten (D. Brutus und C. Trebonius) belagert wurde. Kurz vor dem Fall der Stadt floh der glücklose Athenobarbus zu Pompeius nach Thessalien. Er stab am 9. August 48 bei Pharsalos, auf der Flucht vor Cäsar. Möglicherweise war Athenobarbus Vorlage für eine Tragödie des Curiatius Maternus. Auf jeden Fall galt er als schroffer Kerl, der stets Klartext sprach und unbeirrt das Falsche tat. Sein Schwager war übrigens der berühmte Saubermann (M. Porcius) Cato.

*Balbus
Lucius Cornelius Balbus. Diente – wie auch Mamurra – vorübergehend als Praefektus fabrum in Gallien und bekleidete verschiedene geheimdienstliche Funktionen. Die wirklichen Entscheidungsträger hatten bei Cäsar keine offiziellen Aemter, sondern waren persönliche Vertraute, die zur seiner „familia“ gehörten. Wie auch Oppius, Mamurra und Hirtius. Balbus war spanischer Bankier und stammte aus Gades. Aufgrund seiner Verdienste im Kampf gegen Sertorius erhielt er von Pompeius das römische Bürgerrecht und wurde später als erster „Ausländer“ Konsul. Er war massgeblich am Zustandekommen des 1. Triumvirats beteiligt und mit Cicero und Varro befreundet. 48 war er Cäsars „Stellvertreter“ in Rom. Neid und Missgunst brachten dem sehr vermögenden „Ausländer“ Balbus eine Anklage wegen widerrechtlicher Anmassung des römischen Bürgerrechtes ein. Cicero verteidigte ihn erfolgreich.

Basilus
Keltischer Krieger. Jugendfreund des Korisios.

*Bassus Ventidius Bassus
Er übernahm angeblich nach der Helvetierschlacht das Transportwesen in Cäsars Heer. Im Gegensatz zum Ritter Fufius Cita, der als privater Getreidebeschaffer eindeutig dem gesamten Verpflegungswesen vorstand, ist diese übergeordnete Funktion bei Ventidius Bassus nirgends belegt. Deshalb nimmt er im Roman eine kleinere Funktion ein.

*Birria
Gladiator in Milos Gefolgschaft. Er war zusammen mit dem Gladiator Eudamus an der Ermordung des Clodius beteiigt.

*Brutus (1)
D. Iunius Brutus Albinus (ca. 81-43). Treuer Legat Cäsars in Gallien. Besondere Verdienste gegen die Veneter (56) und Vercingetorix (52). Im Jahre 49 (nach Ausbruch des Bürgerkrieges) Flottenbefehlshaber vor Massilia. Wurde 44 mit der Verwaltung der Gallia Cisalpina beauftragt. Ueberraschend schloss er sich den Cäsargegnern an und holte den Diktator am 15. März 44 persönlich zur Senatssitzung ab. Nach der Belagerung von Mutina verlor er auf dem Marsch seine Truppen und wurde von dem Kelten Camulos gefangengenommen und dem Antonius übergeben. Dieser liess ihn gleich töten.

*Brutus (2)
M. Iunius Brutus, Neffe des M. Porcius Cato (Uticensis). Arbeitete als Anwalt. Während des Bürgerkrieges schloss er sich Pompeius an, obwohl dieser seinen Vater ermordet hatte. Militärische Laufbahn. Cäsar übergab ihm (46 bis Ende März 45) die Verwaltung der Gallia Cisalpina. Heiratete seine Cousine Porcia. Als Cäsar für sich die Diktatur auf Lebenszeit in Anspruch nahm, sah er sich aus moralischen, staatspolitischen und familiengeschichtlichen Gründen verpflichtet, den Tyrannen zu töten. Denn Lucius Junius Brutus stürzte den letzten König Roms, wurde einer der beiden ersten Konsuln und gilt somit als Begründer der Republik. Deshalb machten die Cäsar-Mörder M. Iunius Brutus zu ihrem Anführer. Denn erneut galt es, Rom von einem Tyrannen zu befreien.

*Cato
M. Porcius Cato (Uticensis). 95 – 46 v. Chr. Ueberzeugter Republikaner und Vertreter der Senatsaristokratie. Er war der klassische Konservative, verteufelte fremde Einflüsse und Kulturen (Griechenland) und verdammte unermüdlich alle Anzeigen von Verweichlichung, sexueller Freizügigkeit oder Masslosigkeit in Speis und Trank. Während des Gallienkrieges forderte er die Auslieferung Cäsars (Völkermord) an die Barbaren. Als er im Bürgerkrieg seinem Erzfeind Cäsar unterlag, verschmähte er die Begnadigung und wählte den Freitod.

Celtillus (1)
Onkel des Korisios

*Celtillus (2)
Oberhaupt der Arverner und Vater des Vercingetorix. Wurde (von seinem Bruder Gobannitio?) ermordet, weil er nach der Königswürde strebte.

*Cotta
Lucius Aurunculeius Cotta. Legat Cäsars in Gallien. Fiel im Winter 54/53 im Kampf gegen die Eburonen. Verfasste ein Buch über Cäsars Britannienfeldzug.

*Cicero
M. Tullius Cicero gilt als Meister der lateinischen Rede und hinterliess ein umfassender Werk. Da er nachweislich einen zeitgenössischen Historiker darum bat, seine Bedeutung in der römischen Geschichte dominanter und wohlwollender darstzustellen, darf allgemein am Wahrheitsgehalt des Cicero gezweifelt werden, zumal der grosse „Meister“ zahlreiche dieser Texte nachträglich retouchiert hat. Charakterlich hinterlässt der grosse Redner, Politiker, Historiker, Philosoph und Dichter einen dürftigen Eindruck. Cicero wurde 106 in Arpinum, der Heimat des Marius, geboren. 69 Aedil, 66 Prätor, 63 Konsul. Nach Cäsars Ermordung geriet Cicero erneut in den Strudel der Ereignisse. Als sich die Rivalen Antonius, Octavianus und Lepidus zum Triumvirat einigten, opferte Octavian auf Antonius Wunsch Cicero. Cicero wurde am 7. Dezember 43 ermordet. Der besessene Briefeschrieber Cicero war mit zahlreichen Berühmtheiten seiner Zeit befreundet. Selbst der Häduer und Druide Diviciatus soll in Rom sein Gast gewesen sein.

*Ciceros Bruder
Quintus Cicero. Cäsar sagte im Scherz, er wolle Ciceros Bruder zu einem König in Gallien machen. Ab 54 Legat in Gallien. Im Bürgerkrieg wird er wie sein berühmter Bruder Pompeianer. Von Cäsar begnadigt, gehört er zu den Proskribierten von 43 und wird ermordet.

*Cita
C. Fufius Cita, römischer Ritter. Cäsar vertraute ihm das Managment seiner Getreidekäufe und -transporte an. Dass die Armee mit erfahrenen Privatleuten (conductores) entsprechende Kontrakte abschloss, war zur Zeit der Republik absolut üblich. C. Fufius Cita wurde im Vorfeld des grossen gallischen Aufstandes (52 / Vercingetorix) im Winter 53/52 in Cenabum ermordet. Dort hatte er sich mit anderen römischen Kaufleuten niedergelassen.

Fumix
Keltischer Druide

Fuscinus
Sklave. Häufiger Sklavenname. Verkleinerungsform des väterlichen Namens Fuscus (der Dunkle, der Schwarze).

*Clodius
P. Claudius Pulcher. Hiess eigentlich Claudius, ändere seinen Gentilnamen Claudius 59 v. Chr. aus politischen Gründen in die plebejische Form Clodius. Er galt seit frühester Jugend als Querulant und Unruhestifter. In der Nacht vom 4. auf den 5. Dezember 62 nahm er als Frau verkleidet am heiligen Fest der Bona Dea teil, das in Cäsars Haus stattfand. Da aus religiösen Gründen nur weibliche Personen zugelassen waren, galt dieser Religionsfrevel als grosser Skandal und hatte einen Prozess zur Folge, den Clodius nach ausgiebiger Richterbestechung und Cäsars Hilfe gewann. Als Volkstribun trieb er Cato und Cicero ins Exil und verbreitete nachts in den Strassen Roms Angst und Strecken mit seinen Terrorbanden. Schliesslich wurde er von seinem grossen Gegenspieler Milo ermordet. Bei seiner Leichenfeier ging, wie es sich für einen Clodius gehört, gleich die Curia am Forum in Flammen auf.

*Considius
Publius Considius. Versagte trotz Kriegserfahrung im Helvetierkrieg (58). Er verwechselte römische Truppen mit keltischen Truppen und hätte dadurch beinahe Cäsars Niederlage heraufbeschworen.

*Crassus
M. Licinius Crassus Dives (115-53 v. Chr.), einer der reichsten Männer Roms. Sein Vater war 97 Konsul. Als die Volkspartei unter Marius mit der blutigen Verfolgung des Adels beginnt, sterben sein Vater und sein Bruder. Crassus flieht nach Spanien und schliesst sich Sulla an. 82 zeichnete er sich in den Kämpfen an der porta collina aus. Als Sulla nach Rom zurückkehrt, richtet er unter den Anhängern des Marius ein fürchterliches Blutbad an, enteignet seine Gegner und erklärt sie für vogelfrei. Darauf flieht der junge Cäsar, während Crassus für lächerliche Summen das Proskribiertengut der Erschlagenen, Geflohenen und Enteigneten systematisch aufkauft und den Grundstein zu seinem legendären Vermögen legt mit welchem er später ausgerechnet den Sulla-Gegner Cäsar an die Spitze der Macht hievt. 72 erhält er ein prokonsularisches Imperium zur Beendigung des Sklavenkrieges. Vermutlich ist er der einzige, der genug Geld hat, um Legionen auszuheben. In nur 6 Monaten vernichtet er Spartacus und nagelt 6000 Sklaven an der via Appia ans Kreuz. Der heimkehrende Pompeius stiehlt ihm allerdings die Show. Im Jahre 70 ist er gemeinsam mit seinem ewigen Rivalen Pompeius Konsul. Aus Neid auf Pompeius militärischen Ruhm schliesst er sich 60 Cäsar an, der die verfeindeten Männer im ersten Triumvirat vorübergehend wieder miteinander versöhnt. Später wird Crassus Prokonsul der Provinz Syria (54-53) und erhält die Erlaubnis für den ersehnten Partherfeldzug. Nach diversen militärischen Erfolgen (Raubzügen) zog er 53 mit sieben Legionen über den Euphrat und wurde in der Nähe von Carrhae von den Parthern geschlagen. Während des Rückzugs nach Syrien wurde er überfallen und nach Verrat getötet. So endete das Leben des Crassus der stets darunter gelitten hatte, bloss „reich“ zu sein.

*Crassus‘ jüngerer Sohn
P. Licinius Crassus kämfte bereits 58 als praefecuts equitum (Reiterführer) an der Seite Cäsars gegen Ariovist. 57 wurde er aufgrund seiner herausragenden Leistungen Legat von Cäsars 7. Legion (Normandie, Bretagne) und unterwarf 56 Aquitanien. 55 heiratete er Cornelia, die spätere Gemahlin des Pompeius. 54 schloss er sich mit 1000 Reitern seinem Vater in Syrien an. Am 9. Juni 53 fiel auch er in der Schlacht von Carrhae. Darauf heiratete Pomeius Cornelia, die Witwe des Crassus. P. Licinius Crassus war seit frühester Jugend eng mit Cicero befreundet. Er war nebst Labienus einer der fähigsten Legate Cäsars in Gallien.

Cuningunullus
Häduerischer Reiterführer in Cäsars Diensten.

*Diviciatus
Fürst und Druide der in Mittelgallien wohnenden Häduer. Im Gegensatz zu seinem Bruder Dumnorix, der die Führung der keltischen Nationalpartei anstrebte, fühlte sich Diviciatus dem keltischen Adel und Rom verpflichtet. Er reiste sogar nach Rom, hielt eine Rede vor dem römischen Senat und war Gast bei Cicero (de divinatione).

*Divico
Führer der helvetischen Tiguriner. 107 v. Chr. schlug er die Römer unter ihrem Feldherrn P. Licinius Crassus und zwang sie unter das Joch. 58 v. Chr., also rund 50 Jahre später, übernahm er nach dem Tod des Orgetorix die Aufgabe, den Auswanderungstreck der Helvetier an den Atlantik zu führen. Er muss damals ca. 80 Jahre alt gewesen sein. Nach der Niederlage gegen Cäsar (Bibracte) verliert sich seine Spur. Er war ziemlich sicher tot, als die überlebenden Helvetier die Heimreise antraten.

*Dumnorix
Adliger aus dem keltischen Stamm der Häduer. Heiratete die Tochter des Orgetorix (Helvetier). Galt als Romhasser. Sein Bruder war der romtreue Druide Diviciatus. Als Dumnorix, der zum Schein ebenfalls für Cäsar ritt, den Bogen überspannte, liess der Prokonsul ihn ermorden.

*Fabius
Gaius Fabius. Ab 54 Legat in Gallien. Zuvor Proprätor in Asien (57/56). Er starb früh.

*Gripho
Antonius Gripho. Cäsars keltischer Grammaticus (Privatlehrer) in Rom.

*Hirtius
Aulus Hirtius war (spätestens ab 54) Cäsars Kanzleichef in Gallien. Als Legat hätte er auch die Möglichkeit gehabt, Legionen zu führen. Im Dezember 50 ging er in Cäsars Auftrag nach Rom zurück. 49 zog er mit Cäsar nach Spanien. 46 Prätor. Er nahm bei Cicero Unterricht in Rhetorik. Im Jahre 46 war die Heirat seiner Schwester Hirtia mit Cicero geplant. 45 wurde er Proprätor in der Gallia Narbonensis. Die Verwaltung übergab er einem gewissen Aurelius bis zum Eintreffen des Cäsarfreundes L. Munatius Plancus. Frühzeitig ebnete Cäsar dem treuen Hirtius den Weg zum Konsulat. Nach Cäsars Ermordung wurde Hirtius 43 Konsul. Später übernahm er als Feldherr den Oberfehl der Truppen Oktavians und eilte dem von Antonius bei Mutina eingeschlossenen D. Brutus zu Hilfe. Er fiel dort am 21. April in einer siegreichen Schlacht. Aulus Hirtius ergänzte Cäsars „de bello gallico“ mit dem 8. Buch und erwarb sich so literarische und historische Verdienste. Der oft kränkelnde Hirtius soll weder besonders begabt noch ehrgeizig gewesen sein. Alles was er war und wurde, verdankte er Cäsar. In seinem Schatten kam er zu politischen Ehren und dankte es seinem Förderer mit bedingungsloser Loyalität und Treue.

Kretos
Weinhändler aus Massilia Kretix Sklave. Geschenk von Cäsar an Korisios.

Korisios
Junger Druidenlehrling aus dem Leimental bei Basel am Rheinknie. Selbstverständlich begleiteten auch Druiden den Zug der Helvetier. Und selbstverständlich heuerten nicht nur keltische Krieger in Cäsars Armee an, sondern auch gebildete Kelten, die in Cäsars Schreibkanzlei als Schreiber, Uebersetzer und Dolmetscher beschäftigt wurden. Sogar Cäsars Hauslehrer in Rom war Kelte. Der Name „Korisios“ wurde übrigens auf einem Eisenschwert aus der Zeit vor Ausbruch des Gallischen Krieges gefunden. Der Name wurde (wie üblich) in griechischen Buchstaben geprägt und ist somit eines der ältesten Zeugnisse für den Schriftgebrauch nördlich der Alpen. Der Name bezieht sich entweder auf den Schmied oder den Besitzer.

*Labienus
T. Labienus (ca. 99 – 45 v. C.). Cäsars wichtigster Legat (legatus pro praetore) in Gallien (58 – 50 v. C). Herausragende militärische Leistungen in den Schlachten gegen die Helvetier (58), Belgen (57), Nervier, Treverer (56, 54/53), Moriner (55) und vor allem während des grossen Aufstandes des Vercingetorix im Jahre 52 (Lutetia Parisiorum und Alesia). Im Jahre 50 vertrat er gar Cäsar als Verwalter Oberitaliens. Anfang 49 (nach Ausbruch des Bürgerkrieges) lief Labienus zu Pompeius über, was Cäsar menschlich stark verletzte. Er kämpfte darauf in mehreren Schlachten zum Teil erfolgreich gegen Cäsar. Nach der Schlacht bei Thapsus entkam er nach Spanien und fiel in der Schlacht bei Munda am 17. März 45 v. C. Als Feldherr scheint er Cäsar ebenbürtig gewesen zu sein. Er war tapfer und kühn und verfügte über eine hochentwickelte taktische und strategische Intelligenz.

*Liscus
Romfreundlicher, häduerischer Adliger.

Lucia
Hund des Korisios. Beschrieben wird ein „canis cursor celticus“ als jene Hunderasse, die heute als „Schweizer Laufhund“ bekannt ist und einst auf einem Mosaik in Aventicum abgebildet war.

Mahes Titianos
Syrischer Händler

*Mamurra
L. Vitruvius Mamurra. Römischer Ritter, Architekt, Ingenieur und zeitweise Cäsars persönlicher Schatzmeister. Ab 58 auch Praefectus fabrum. Mamurra profilierte sich aber besonders als genialer Konstrukteur von Brücken und Belagerungsmaschinen. Der reiche Emporkömmling und Lebemann baute sich später in Rom eine gigantische Villa und spannte dem Dichter Catull seine Geliebte aus. Einige Quellen behaupten, Mamurra sei mit dem Baumeister und Schriftsteller L. Vitruvius identisch, der in Cäsars Heer als Poliorketiker (Fachmann für Belagerungskunst und Festungskrieg) tätig war.

*Milo
Als Volkstribun (57 v. C.) stellte er eine Gladiatorenbande auf, die der Terrorbande des Clodius („Cäsars Kettenhund“) paroli bieten sollte. Er genoss die Unterstützung des Pompeius. 55 wurde er Praetor und heiratete Fausta, die Tochter des früheren Diktators Sulla. 54 nahm er gigantische Kredite auf, um Rom mit grossartigen Spielen zu beglücken. Am 18. Januar 52 traf er auf der via Appia auf Clodius. Als sich dieser verletzt in ein Wirtshaus zurückzog, gab Milo Befehl ihn dort zu töten. Im April 52 wurde Milo verurteilt (Verteidigungsrede des Cicero später „nachbearbeitet“) und ging nach Massilia ins Exil. 48 kehrte er nach Italien zurück und fiel bei der Belagerung von Cosa.

*Nammejus
Tigurinischer Fürst. Mitglied der helvetischen Delegation. Niger Fabius Arabischer Händler in Genava

*Orgetorix
Der Name bedeutet soviel wie „König der Totschläger“. Orgetorix war Fürst der Helvetier und einer der reichsten Männer seines Stammes. Ihm gehörten Hunderte von Bauernhöfen, zu seiner Klientschaft zählten tausende von waffentragenden Rittern und zahlreiche Menschen waren durch Schuldknechtschaft in seine Abhängigkeit geraten. Ob er nach Bekanntwerden seiner Verschwörung ermordet worden ist oder den Freitod gewählt hat, ist unklar.

*Oppius
Gaius Oppius. Einer der wichtigsten Gefolgsleute Cäsars in Gallien. Diente bereits in Spanien unter Cäsar. Als diplomatischer Geschäftsträger und Nachrichtenoffizier vermittelte er intensiv zwischen Gallien und Rom.

*Pompeius
Cn. Pompeius Magnus (106 – 48 v. Chr.). Feldherr und Staatsmann. Er galt als „Alexander der Grosse“ seiner Zeit. Er war der grosse Gegenspieler von Cäsars und Crassus. Pompeius kämpfte bereits unter seinem Vater im Bundesgenossenkrieg (90/88) und später gegen Marius. Er besiegte die Seeräuber, Mithridates (66/64) und gründete im Osten von Rom unabhängige Staaten. 60 verbündete er sich mit Cäsar und Crassus zum ersten Triumvirat, wurde 55 erneut Konsul und verwaltete Spanien. 52 wurde er wegen dem Strassenterror des Clodius alleiniger Konsul mit ausserordentlichen Vollmachten zur Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung. Nach dem Tod des Crassus (53) strebte er die Alleinherrschaft an und forderte (49) von Cäsar nach Beendigung des Gallischen Krieges die Entlassung seines Heeres. Als Cäsar dies verweigerte und gegen Rom marschierte, floh Pompeius nach Griechenland, wo er (48) von Cäsar bei Pharsalus geschlagen wurde. Auf der Flucht nach Aegypten wurde er ermordet.

*Procillus
Gaius Valerius Procillus. Sein Vater erhielt das Bürgerrecht wohl 83, als Gaius Valerius Flaccus Statthalter der Provinz war.

Rusticanus
Lagerpräfekt.

Santonix
Keltischer Druide Silvanus Römischer Zolloffizier.

*Testa
C. Trebatius Testa (ca. 84 v. Chr. – ca. 4. n. Chr.). Er stammte vermutlich aus Velia in Lukanien. Cicero empfahl den jungen Juristen im Jahre 54 Cäsar. In Gallien verzichtete er auf eine lukrative Kriegstribunenstelle und betätigte sich stattdessen als Berater und Gesellschafter Cäsars. Während des Bürgerkrieges hielt Trebatius zu Cäsar und vermittelte zwischen ihm und dem wie üblich wankelmütigen Cicero. Der gescheite und talentierte Trebatius Testa hatte kein Interesse an politischen Aemtern oder „Lebensstellungen“. Er liebte das gesellschaftliche Leben und soll von heiteter Natur gewesen sein. *Trebonius Gaius Trebonius. Ab 54 Legat in Cäsars Heer. Im Bürgerkrieg belagert er Massilia von der Landseite her (49). Schliesst sich später den Cäsarmördern an. Wird in Smyrna umgebracht.

Tullus
Gaius Tullus. Junger Drückeberger in Cäsars Heer.

Ursulus
Lucius Speratus Ursulus. Primipilus (Cenutrio der 1. Kohorte) von Cäsars X. Legion in Gallien.

*Vercingetorix
Fürst der Arverner, führte 52 den gesamtgallischen Aufstand gegen Cäsar an. Wie beinahe alle bedeutenden Führer des gallischen Widerstandes, hatte auch Vercingetorix in den ersten Jahres des Krieges im Gefolge Cäsars Gelegenheit gehabt, die Vorzüge römischer Kriegsführung und Heeresorganisation kennenzulernen. Die Behauptung einiger Historiker, wonach Vercingetorix bloss ein „agent provocateur“ Cäsars gewesen sein soll, ist nicht stichhaltig und macht wenig Sinn. Nach der Niederlage von Alesia ergab er sich Cäsar und geriet in Gefangenschaft. 46 wurde er im Triumph durch die Strassen Roms geführt und hingerichtet.

*Verucloetius
Adliger und Druide aus dem keltischen Stamm der Tiguriner (Divico).

Wanda
Germanische Sklavin des Druidenlehrlings Korisios. Liebesbeziehungen zwischen ehemaligen Sklavinnen und ihren Herren sind auch im Gebiet der heutigen Schweiz mehrfach belegt (Kaiserzeit). Aus der Grabinschrift des Titus Nigrinus Saturninus (Aventicum) erfahren wir z.B., dass der Verstorbene seine Sklavin Gannica freigelassen und dann geheiratet hat.


Karte zum Gallischen Krieg
gezeichnet von Otto Lukas Hänzi, Basel, für die erste HC Ausgabe

2014_cueni_caesar 10.43.01


Glossar


Admagetobriga
La Moigte de Broie (wahrscheinlich) in der Nähe der Saône.

Aedile
Gewählte, römische Beamte, denen die Aufsicht über Tempel, Märkte, Strassen, Plätze, Bordelle, Bäder und die Wasserversorgung obliegt. Zur Zeit Caesars waren sie auch für die Ausrichtung der öffentlichen Spiele verantwortlich, die sie meist privat finanzierten, um die Gunst der Bevölkerung zu gewinnen. Je aufwendiger die Spiele, desto sicherer wurden sie anschliessend in ein höheres Amt gewählt.

Alesia
Alise-Ste Reine am Westabfall des Mont Auxois (auf dem dasalte Alesia lag).

Allobroger
Keltischer Volksstamm zwischen Rhône und Isère. Sie wohnten in der heutigen Dauphiné und in Savoyen;
Ihre Hauptstadt war Vienna (Bienne). Sie waren zwei Jahre vor der Auswanderung der Helvetier unterworfen
worden.

Arar
Die Saône.

Arialbinnum
Basel (wahrscheinlich).

Arverner
Mächtiger keltischer Stamm in der heutigen Auvergne, im Norden der röm. Provinz. Hauptstadt: Gergovia, Bergplateau südlich von Clermont.

As
Siehe: Geld.

Auxilia
Hilfstruppen, im allgemeinen Nichtrömern, die in den Provinzen ausgehoben oder von befreundeten
Fürsten gestellt wurden.

B

Bellovacer
Keltischer Volksstamm, siedeltean der unteren Seine, Somne und Oise.

Bibracte
Mont Beuvray (wahrscheinlich). Verfügt seit 1996 über ein neues und sehr modernes Kelten-Museum.

Bibrax
Entweder Beaurieux (v. Göler) oder der Berg Vieux Laon (Napoleon III).

Boyer
Keltischer Volksstamm, siedelte in Noricum, Steiermark und Kärnten.

C

Carnuten
Keltischer Volksstamm, wohnten auf beiden Seiten der Loire, Hauptstadt: Cenabum (Orléans).

Caligae
Römische Militärsandalen.

Cenabum
Orléans.

Centurio
Römischer Offizier.

Corfinium
Diese Stadt wurde im Bundesgenossenkrieg zur Hauptstadt Italiens gegen Rom gewählt. Auch im Bürgerkrieg spielte sie eine Rolle und war umkämpft.

D

Dubis
Der Doubs.

E

Elektrum
Natürliche oder künstliche Mischung aus Gold und Silber.

F

Fibel
Spange (oder Nadel).

Frumentator
Lebensmittelbeschaffer.

G

Gallien
Bezeichnung Cäsars für das freie Keltenland, das das heutige Frankreich, den grössten Teil der Schweiz, den westlich vom Rhein liegenden Teil Deutschlands und die Niederlande umfasst.

Gades
Spanische Hafenstadt.

Gallier
Gallier (Galli) ist die lateinische Bezeichnung für den von den Griechen Gebrauchten Namen Keltoi.

Garum
Spanische Fischsauce.

Garumna
Die Garonne.

Geld
Die Relation zwischen den einzelnen Geldwerten war im Laufe der Zeit Schwankungen unterworfen.

¥1 Talent (keine Münze, sondern Wertangabe
wie z.B. „eine Million“.)
¥= 000.240 Aurei
= 006.000 Denare
= 024.000 Sesterzen
= 096.000 Asse
¥= DM 36.000.–
¥1 Aureus
¥Goldmünze
¥= 025 Denare
= 100 Sesterzen
= 200 Dupondien
= 400 Asse
¥= DM 150.–
¥1 Denar
¥Silbermünze
¥= 04 Sesterzen
= 16 Asse
¥= DM 6.00
¥1 Sesterz
¥Messingmünze
¥= 2 Dupondien
= 4 Asse
¥= DM 1.50
¥1 Dupondius
¥Messingmünze
¥= 2 Asse
¥= DM 0.75
¥1 As
¥Kupfermünze
¥ca.
¥= DM 0.40
Nur wenige Historiker wagen Vergleiche zur heutigen Kaufkraft. Gemäss Prof. C. Goudineau („Cäsar et la Gaule“) könnten 40 Mio. Sesterzen 200 Mio. Francs, bzw. 60 Mio. DM entsprochen haben. Dieser „Wechselkurs“ entspricht auch meinen Berechnungen.
Ein Grössenvergleich: Während ein Handwerker in Rom ca. 4 Sesterzen pro Tag verdiente, schickte Cäsar Cicero 60 Millionen Sesterzen, damit dieser das Bauland für sein „zukünftiges Formum“ kaufen konnte. Der Bau kostete weitere 40 Millionen. Soviel betrug übrigens der Jahrestribut für ganz Gallien!

Genava
Genf

Gergovia
Hauptstadt der Arverner.

Gewichte
1 sextarius ca. 0,5 L (1 Mass)
1 modius 8,73 L (1 Scheffel)
1 medimnus 52,5 L (6 modii)
1 libra 327,45 gr (1 Pfund)

Gladius
Römisches Kurzchwert.

Goldschmuck
Goldschmuck, Torques, Goldmünzen

H

Häduer
Die Häduer waren Kelten. Sie wohnten in der Mitte von Gallien zwischen der Loire und Saône und erstreckten sich südlich bis Lyon.

Helm
Legionärshelm zur Zeit Cäsars
Legionärshelm ca. 70 Jahre später
Original / Kaiserzeit

Hypokaustheizung
Römische Fussbodenheizung. Sie wurde ca. im 2. Jahrhundert v. Chr. erfunden und im 1. Jahrundert v. Chr. durch den Immobilienspekulanten C. Sergius Orata populär. Das Prinzip ist einfach: Im Keller steht die Feuerungskammer. Von dort aus steigt heisse Luft durch Hohlräume unter den darüberliegenden Fussboden, der auf Ziegelpfeilern ruht.

Hispania ulterior
das jenseitige Spanien

Hunde
Canis curspor celticus
Der Schweizer Laufhund heute

I

Illyrien
Cäsars Provinz umfasste die ganze Küste des Adriatischen Meeres von Istrien bis Epirus.

K

Konsul
Der höchste Beamte der Republik. Es wurden Jährlich zwei Konsuln gewählt. Das Amt schloss
Das uneingeschränkte Imperium ein. Nach Ablauf Seiner Amtszeit wurde ein Ex-Konsul zum Statthalter
Einer Provinz ernannt, die er als Pro-Konsul regierte.Innerhalb seiner Provinz übte er absolute Macht aus.

L

Latovicer
Die Latovicer waren Kelten. Sie wohnten im südlichen Baden im heutigen Süddeutschland.

Legat
Bei Cäsar Legionskommandant.

Legion
Zur Zeit Cäsars: 6000 Mann. Die Legion zerfiel in 10 Kohorten. Jede Kohorte in 3 Manipeln (Kompanien), jeder Manipel in 2 Centurien (Züge).

Legion zur Zeit Cäsars
Legionär ca. 70 Jahre später
Original
Die Ausrüstung des Legionärs

Lemannus-See
Genfersee.

Libitinarius
Begräbnisunternehmer.

Libra
Siehe: Gewichte

Liktor
Amtsdiener der höheren Magistrate, welche diese in der Oeffentlichkeit stets begleiteten und ihnen als Repräsentanten
magistratischer Macht die fasces (Rutenbündel mit Beilen) vorantrugen.

Lingonen
Keltischer Volksstamm nordwestlich von den Sequanern, Hauptstadt: Andematunnum (Langres).

Lugdunum
Lyon.

Masse
pes 29,6 cm (ein Fuss)
passus 1,48 m (1 Doppelschritt)
milia passuum 1,48 km (1000 Doppelschritte, bzw. 1 römische Meile)

Massilia
Marseille (röm. Massalia).

Matisco
Macôn

Modien
Siehe: Gewichte.

Mona
Den Namen Mona führen im Altertum sowohl die Insel Man wie Anglesey in der irischen See.
Hier ist Man gemeint.

Mont Vully
Oppidum der Tiguriner (Divico).

Nachtwache:
Siehe: Zeitmessung.

Namen
Römische Namen bestanden aus drei Angaben, Dem Vornamen (praenomen, z.B. Gaius), dem erblichen
Geschlechtsnamen (nomen gentile, z.B. Julius) und dem Beinamen (cognomen, z.B. Cäsar). Die Beinamen
drückten oft charakterliche oder Physiognomische Eigenarten aus, wie zB. Rufus
(der Rothaarige), Crassus (der Fette) oder Longus (der Lange). Auch Beinamen konnten vererbt werden.
Es gab nur 16 männliche Vornamen. Mädchen erhielten keine individuellen Vornamen. Sie trugen stets
den Geschlechtsnamen mit der Femininendung -a. So hiess also die Tochter des Gaius Julius Cäsar: Julia.

Nervier
Keltischer Volksstamm, vermutlich germanischer Abkunft, Wohnte zwischen Somme, Schelde und Rhein.
Hauptstadt: Bagacum (Bavay).

Oellampe

Oppidum
So bezeichnet Cäsar die befestigten Städte der Kelten.

Optio
Unteroffizier.

Oryza
Reis

Palla
Rechteckiges Tuch (Kleidungsstück) aus Wolle, Leinen oder Seide. Die Palla war sehr bequem und erfreute sich deshalb grosser Beliebtheit.

Pes
Siehe: Masse.

Petra
Die im gewaltigen Felsmassiv gelegene Hauptstadt des Nabatäerreiches (Jordanien) am Toten Meer. Hier kreuzte sich der sogenannte Königsweg über dem Jordantal mit der Weihrauchstrasse auf der indische Gewürze und arabische Güter von Aden nach Gaze ans Mittelmeer gelangten.

Pilum
Wurfspeer des römischen Leginärs. Ca. 1,5 m lang und 1 kg schwer. Holzschaft mit Weicheisenstück, das in der
Spitze gehärtet ist. Dadurch verbiegt sich das Pilum beim Aufprall und wird so für den Gegner unbrauchbar. Im
doppelten Sinne ein Wegwerfartikel…

Poeninus
Grosser St. Bernhard.

Praefectus castrorum
Lagerpräfekt.

Primipilus
Oberster Centurio (Offizier) einer Legion (1. Kohorte).

Prokonsul
Römischer Bürger, der als Heerführer oder Provinzstatthalter conularische Gewalt ausübt, ohne Konsul zu sein. Bestellung zum Prokonsul erfolgt durch Verlängerung der Amtsgewalt im Anschluss an ein Konsulat oder durch besondere Verleihung durch Volks- oder Senatsbeschluss.

Proprätor
Statthalter. Unumschränkter Herr einer Provinz. Zivilgouverneur, oberster Gerichtsherr und
militärischer Befehlshaber. War der Statthalter zuvor Prätor in Rom, wurde er in der Provinz
Pro-Prätor genannt, war er zuvor Konsul in Rom, wurde er in der Provinz Pro-Konsul genannt.

Pugio
Römischer Dolch.

R

Rauriker
Die Rauriker waren Kelten. Sie wohnten vom Bodensee westlich bis zur Biegung des Rheines nach Norden.
Vor ihrer Auswanderung wohnten einige vermutlich im heutigen Basel (Areal Gasfabrik = Arialbinnum?), nach ihrer
erzwungenen Rückkehr (Niederlage bei Bibracte) siedelten sie auf dem strategisch besser gelegenen Basler
Münstehügel (Münstplatz). Die Römer nannten diesen Ort später „Oppidum Rauricum“, also „Stadt der Rauriker“.
Nicht zu verwechseln mit „Colonia Raurica“ im heutigen Augst, das nach Kaiser Augustus später den Namen
„Augusta Raurica“ erhielt.

Rhenus
Der Rhein.

Rhodanus
Die Rhône.

S

Santonen
Keltischer Volksstamm im westlichen Gallien zwischen Loire Und Garonne.

Schildbuckel
Eiserne Buckel in der Mitte der mit Leder überzogenen Schilde.

Sequana
Die Seine.

Sequaner
Die Sequaner waren Kelten. Sie wohnten zwischen dem Arar (Saône) und dem Juragebirge auf dem rechten Rhône-Ufer;
ihr Hauptort war Vesontio (Besancon).

Scutum
Schild.

Sesterze
Siehe: Geld.

Sextarius
Siehe: Gewichte.

T

Tagwache
Siehe: Zeitmessung.

Tiguriner
Keltischer Volksstamm. Sie wohnten in den heutigen Schweizer Kantonen Waadt, Freiburg und Bern.
Ihre Hauptstadt war Aventicum (Avenches).

Tolosaten
Keltischer Volksstamm an der Grenze von Aquitanien und der römischen Provinz. Hauptstadt: Tolosa (Toulouse).

U

Ubier
Germanischer Stamm, der vom Westerwald rheinaufwärts bis zum Breisgau siedelte.

Usipeter
Germanisches Volk, das 56 v. Chr. am Niederrhein erschien.

V

Vergobretus
Keltische Amtsbezeichnung für den höchsten Magistrat der Häduer im 1. Jh. V. Chr. Beim Vergobreten liegt
die oberste Rechtssprechung des Stammes.

Vesontio
Besançon.

Vitis
Kommandostab der Centurionen.

Q

Quästor
„Finanzmister“ des Heeres.

Z
Zeitmessung
Tag und Nacht (Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang) Wurden in je 12 Stunden unterteilt. Je 3 Nachstunden
machten eine Nachtwache aus. Eine Nachtwache bestand also aus 4 Schichten.
1. Nachtwachte: 18.00 – 21.00 Uhr
2. Nachtwache: 21.00 – 24.00 Uhr
3. Nachtwache: 24.00 – 03.00 Uhr
4. Nachtwache: 03.00- 06.00 Uhr
Je nach Jahreszeit waren die Tage und Nächte entsprechend länger oder kürzer. Somit war die kürzeste Stunde 44
Minuten lang, die längste 75 Minuten.

Zeitrechnung
Die Jahre wurden „ab urbe condita, also von der sagenhaften Gründung Roms (753 v. Chr.) gezählt. Die einzelnen Jahre
Erhielten die Namen der jeweils amtierenden Consuln.


Textprobe, Seite 271


Seite: 276 Nach der Schlacht von Bibracte

Die Römer sanken erschöpft zu Boden und dankten den Göttern, dass der Alptraum vorüber war. Viele weinten leise vor sich hin. Einige zitterten am ganzen Körper und murmelten wirres Zeug, als hätten sie den Verstand verloren. Ich war wie gelähmt. Die ganze Nacht über hörten wir das Flehen, Stöhnen und Wimmern der Sterbenden. Bis in die frühen Morgenstunden mussten erschöpfte Legionäre jungen Rekruten beistehen, die sich von Weinkrämpfen geschüttelt am Boden krümmten oder verstört herumirrten. Was hatte man ihnen alles erzählt, über die glorreichen Schlachten ihrer Ahnen, über die Feldzüge, an denen Verwandte teilgenommen hatten. Aber niemand hatte ihnen gesagt, was Krieg wirklich war.
Cäsar sass konsterniert in seinem Zelt. Ein Kundschafter meldete, dass die Helvetier ihren Zug fortgesetzt hätten. Er schätzte die Ueberlebenden auf sechzig- bis siebzigtausend. Cäsar befahl, die Verfolgung aufzunehmen.
„Dazu sind wir nicht mehr in der Lage“, murmelte Labienus. Cäsar wusste, dass die Schlacht unentschieden geendet hatte. Er hätte genausogut als erster das Schlachtfeld verlassen können. Aber so wie ich Cäsar mittlerweile kannte, bin ich sicher, dass er den Ausgang der Schlacht als Zeichen der Götter wertete.
„Wie lange werden wir brauchen, um die Toten zu bestatten?“ fragte Cäsar in die Runde.
„Mindestens drei Tage, Cäsar.“
Fast beschämt blickte er auf seine lehmverschmierten Lederstiefel. Drei Tage, das bedeutete, das er immense Verluste erlitten hatte.
„Labienus, schick Boten zum Stamm der Lingonen. In ein, zwei Tagen werden die Helvetier ihr Gebiet erreicht haben. Ich verbiete den Lingonen, den Helvetiern zu helfen. Bei Zuwiderhandlungen werde ich die Lingonen so behandeln, wie ich die Helvetier behandelt habe. Sage es ihnen.“
„Cäsar“, sagte einer der jungen Tribune, „wir haben im Lager der Helvetier Unmengen Gold gefunden. Sollen wir…“
„Kann Gold meine toten Männer wieder zum Leben erwecken oder die Sterbenden heilen?“ fauchte der Centurio Lucius Speratus Ursulus. Sein linkes Auge war blauunterlaufen. Unter dem zerschlissenen rechten Aermel seiner Tunika hatte sich eine Blutkruste gebildet.
„In gewissem Sinne schon“, antwortete Cäsar ruhig, „Gold bedeutet Legionen, Legionen bedeuten Macht, und Macht bedeutet Rom. Bringt mir das Gold der Helvetier!“
In einem riesigen Zelt, das von Cäsars Leibgarde bewacht wurde, hatten die Rekruten das Gold der Helvetier gestapelt. Raubgold. Es waren ganze Wagenladungen von groben Goldbarren, unzählige Fässer mit keltischen, massaliotischen, römischen und griechischen Gold- und Silbermünzen. Cäsar hatte darauf bestanden, dass ich ihn begleite. Da der Boden zum Teil glitschig war, hatte ich Wanda mitgenommen. Cäsar nahm einem Soldaten seiner Leibwache die Fackel ab und schickte ihn raus. Jetzt stand er allein inmitten seines Goldes. Es hatte einen Gegenwert von einigen hundert Millionen. Und es war Cäsars Gold.
„Bist du deswegen ins freie Gallien eingefallen?“ fragte ich Cäsar.
Cäsar griff in ein Fass mit massaliotischen Goldmünzen, nahm eine Handvoll und liess sie wieder ins Fass zurückfallen.
„Druide“, antwortete Cäsar in Gedanken versunken, während an den Zeltwänden die Schatten der Wachsoldaten patrouillierten, „hast du jemals Alexander gefragt, wieso er ein Weltreich erobert hat?“
Cäsar war ein Besessener. Es war nicht das Gold, das ihn faszinierte, sondern die Möglichkeiten, die dieses Gold ihm nun bot. Es war ihm nicht möglich, das bisher Erreichte zu geniessen. In Gedanken war er bereits bei der Verwirklichung eines noch tollkühneren Planes. Cäsar war sogesehen der Sklave seines Ehrgeizes.
Plötzlich erregte eine alte Holzkiste mit vergoldeten Scharnieren seine Aufmerksamkeit. Er kniete davor nieder und wollte sie öffnen.
„Tu es nicht“, warnte ich Cäsar.
Er drehte sich um und reichte mir die Fackel, damit er beide Hände frei hatte.
„Wieso sollte ich sie nicht öffnen, Druide? Die Kiste ist nicht mal verschlossen.“
„Sie ist deshalb nicht verschlossen, weil kein Kelte auf die Idee käme, sie zu öffnen.“
Cäsar drehte sich um. Er grinste über beide Ohren. Das gefiel ihm. Ein Kelte verbot ihm eine Kiste zu öffnen.
„Es ist die Kiste eines Druiden. Du solltest sie zurückgeben, bevor die Götter dich bestrafen.“
Jetzt war für Cäsar endgültig klar, was er zu tun hatte. Ich hatte ihm mit der Strafe der Götter gedroht. Wenn er die Kiste öffnete, machte er sich die keltischen Götter zu Gegnern. Das war ganz nach seinem Geschmack. Sich mit Göttern anzulegen. Sie besiegen oder untergehen. Als Cäsar die Kiste öffnete, wandte ich mich beschämt ab. Ich stellte die Fackel in einen eisernen Trichter, der an einer Stange in der Mitte des Zeltes befestigt war. Ich wollte nicht sehen, wie dieser gottlose Römer die heiligen Sicheln unserer Druiden beschmutzte.

Seite: 293
Eines Morgens, die vierte Nachtwache war noch nicht vorüber, wurde ich von Lucias Knurren geweckt. Ich warf einen Blick auf Wanda, die sanft und friedlich neben mir schlief, und freute mich darüber, dass die Götter es bisher so gut mit mir gemeint hatten. Rückblickend war die Geschichte gar nicht so übel, die sie sich für mich ausgedacht hatten. Ich behaupte ja stets, dass die Wege der Götter oft unergründlich sind, und dass man den göttlichen Plan, der ihnen zugrunde liegt, erst viel später erkennen kann.
„Korisos!“ Jetzt hörte ich die Rufe. Die Stimme kam von draussen. Es war Krixos. Ein Praetorianer stand neben ihm.
„Cäsar will dich sprechen!“
Ich stand sofort auf und folgte dem Praetorianer zu Cäsars Feldherrenzelt. Wanda begleitete mich. Noch herrschte Ruhe im Lager. Die Wachen auf den Wällen waren in dicke Wollmäntel gehüllt und wärmten sich die Hände über kleinen Feuern. In den frühen Morgenstunden war es noch kühl. Von weitem schon sah ich den heissen Dampf aus Cäsars Zelt hochsteigen. Sklaven verliessen gerade mit leeren Bronzekesseln sein Zelt. Der Duft von warmgerührten Eiern lag in der Luft. Der Praetorianer schob die Zeltplane zur Seite und liess mich eintreten. Im Zeltinnern staute sich heisser Dampf. Man konnte nicht mal die eigene Hand vor dem Gesicht erkennen. Ohne Wanda wäre ich wohl über das erstbeste Hindernis gestolpert.
„Setz dich Korisios“, hörte ich Cäsars Stimme. Ich tastete mich vorsichtig zu einem Stuhl und setzte mich. Es war irgendwie unangenehm. Irgend etwas in meinem Rücken. Ich drehte mich um. Ueber der Stuhllehne hing ein ledernes Gehänge mit einem Gladius und einem Pugio. Ich war plötzlich hellwach. War heute der Tag, an dem sich die Prophezeihung des Druiden Santonix erfüllten sollte? Ich umklammerte den Griff des Gladius. Er war aus kunstvoll verarbeitetem Rindsknochen. Jeder Finger passte genau in die runden Einkerbungen. Ein kalter Luftzug drang ins Zelt und lichtete den Dampf. Ich erschrak. Cäsar lag vor mir, keine drei Schritte entfernt, in einer hölzernen Wanne, die randvoll mit warmem Wasser gefüllt war. Den Kopf hatte er zurückgelegt, die Augen geschlossen. Müde ruhte sein verschwitztes Haupt mit dem schütteren Haar auf dem Rand der Wanne. Aber es war nicht die Hitze die ihm zu schaffen machte. Cäsar schien zu leiden. Er hatte Schmerzen. Ein Diener hatte das Zelt betreten und stellte einige Schalen auf den kleinen Tisch, der vor der Wanne stand. Genauso leise wie er gekommen war verschwand er wieder. Dabei strömte erneut kalte Luft ins Zelt und machte die Sicht noch klarer.
„Kannst du heilen, Druide?“ fragte Cäsar mit matter Stimme.
„Ich kann den heilen, den die Götter heilen wollen“, antwortete ich.
Cäsar schien zu überlegen. Nach einer Weile sagte er: „Druide, als die Kelten ihre Waffen abgelegt haben, hast du einen Krieger begrüsst. Basilus hast du ihn genannt.“
„Ja, wieso fragst du?“
„Er hat dich gefragt, ob ihr euch jemals wiedersehen würdet.“
„Ja, das ist richtig.“
„Wieso hat er dich gefragt? Kannst du die Zukunft lesen? Sprichst du etwa mit den Göttern?“
„Wovor hast du Angst, Cäsar? Stehst du nicht selber unter dem Schutz der unsterblichen Götter?“
Cäsar richtete sich abrupt auf. Dabei schwappte das Wasser über den Rand der Badewanne. Cäsars Brust war glattrasiert. Nirgends auch nur ein einziges Härchen.
„Ein Cäsar hat keine Angst, Druide. Meinst du etwa, ich hätte nachts Alpträume, nur weil ich die goldenen Sicheln deiner Druiden habe einschmelzen lassen.“
„Du hast die goldenen Sicheln nicht einschmelzen lassen, Cäsar“, sagte ich mit absoluter Bestimmheit. Ich ging ein hohes Risiko ein. Aber Cäsars Irritation bestätigte mich.
„Warum weißt du das, Druide?“
„Wenn du es getan hättest, hättest du keine Alpträume. Ich glaube nicht, dass unsere Götter derart nachsichtig mit dir umgehen würden.“
„Rom verlieh mir den Titel des Pontifex Maximus. Ich bin somit der oberste Priester der zivilisierten Welt. Wieso soll es mir nicht zustehen, eure Heiligtümer zu annektieren? Wem soll es zustehen, wenn nicht mir, dem Pontifex Maximus der Römischen Republik?“
„Die menschliche Ordnung erheitert die Götter immer wieder, Cäsar. Das Gold hat deinen Verstand getrübt. Schon lechzt du nach mehr und denkst, du könntest nun auch über die heiligen Stätten der Kelten herfallen. Hast du nicht selber gesagt, dass die Götter einem manchmal eine längere Phase des Glücks gönnen, nur damit der jähe Absturz um so grausamer empfunden werde?“
Cäsar lehnte sich wieder in der Wanne zurück und legte seinen Kopf auf den mit Leinentüchern gepolsterten Rand. Er schloss die Augen. Sein Kiefer war angespannt. Er schien Schmerzen zu haben.
„Ich verstehe euch Kelten nicht“, murmelte er. „Was habe ich denn getan, dass mir plötzlich ganz Gallien zu Füssen liegt?“
„Der erste Schritt im Moor ist stets einfach, doch wenn dein Körper langsam verschlungen wird und du hilflos mit den Armen ruderst und wider Willen deinen Untergang beschleunigst, dann erst Cäsar, merkst du, dass der erste Schritt der verhängnisvollste gewesen ist.“
„Willst du damit sagen, dass mir all diese gallischen Fürsten, die hier vor mir im Staub kriechen, eine Falle stellen wollen?“
„Nein, Cäsar, ihre kampflose Unterwerfung ist redlich. Es sind die Götter, die mit dir ihr Spiel treiben.“

368
Als ich mitten in der Nacht in Cäsars Zelt geführt wurde, lag er in wilden Zuckungen auf der feuchten Erde und wand sich wie ein Wurm in Essigwasser. Weisser Schaum floss aus seinem Mund. Zwischen den Zähnen hatte er ein Stück Holz, die Vitis eines Centurios. Seine dunklen Augen waren weit aufgerissen. Sie kämpften, flehten um Hilfe, schrien ihr Leid zu den Göttern hinauf. Aber kein Wort kam über seine Lippen, kein Laut wollte diesem verkrampften Körper entweichen. Es war, als hätten die Götter ihn zu ihrem Spielzeug degradiert.
Ich hatte die Lederbeutel, in denen ich die getrockneten Kräuter aufbewahrte, mitgenommen, weil man mir gesagt hatte, Cäsar liege im Sterben. Aber er lag nicht im Sterben. Ich verlangte sofort nach Wasser und Wein und begann mit der raschen Zubereitung einer Tinktur. Ich fügte ein zerbröseltes Mistelblatt hinzu, nicht zuviel, denn die Mistel kann töten, wie sie den Druiden Fumix getötet hatte. Die Mistel kann aber auch heilen. Und andererseits ist sie nahezu wirkungslos, wenn schäumende Wellen sich im Körper eines Menschen bilden. Sie unterstützt jedoch die anderen Kräuter, die den Wind aus den Segeln des Schiffes nehmen, das die Anderswelt anpeilt.
Wenig später flösste ich ihm den dickflüssigen Sud ein. Natürlich hätte ich Cäsar töten können. Es wäre ein leichtes gewesen. Ich glaube nicht einmal, dass man mich dafür ans Kreuz geschlagen hätte. Der Medicus kannte die Kräfte des Waldes nicht. Er wusste, dass schäumende Menschen von den Göttern zu sich gerufen werden. Nein, ich glaube, man hätte mich nicht mal verdächtigt. Aber ich wollte Cäsar nicht töten. Ich wollte ihn heilen, ich wollte ihn retten. So wie auch er mich in der Schlacht gegen Ariovist gerettet hatte. Für uns Kelten ist es Pflicht, das eine mit dem andern abzugelten. Aber nicht nur deswegen rettete ich Cäsar. Ich half ihm, weil ich sein Druide war.
Langsam erschlafften seine Muskeln, die Lider senkten sich müde.
„Lasst mich mit dem Druiden allein“, murmelte Cäsar. Alle atmeten auf, freudig und dankbar und liessen mich mit Cäsar allein.
„Was ist es, Druide?“
Ich schwieg.
„Werde ich das noch öfter haben?“
Ich schwieg.
„Sprich Druide, was passiert, wenn ich das noch öfter habe?“
„Dann wird man dieses Leiden nach dir benennen, Cäsar.“


Facebooktwittergoogle_plusredditpinteresttumblrmail