#chronos (1953)

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il_fullxfull.434687029_owqiIn den US-Kinos lief der Western «Law And Order» an. Ein Schauspieler namens Ronald Reagan spielte den Marshal Frame Johnson, der sich mit seiner geliebten Jeannie auf eine Ranch in der Nähe von Cottonwood zurückziehen will. Doch zuvor muss er dieses gottverdammte Tombstone säubern. 28 Jahre nach Drehschluss hatte er als 40. Präsident der Vereinigten Staaten immer noch ein paar Dialogzeilen in Erinnerung. Er nannte die polnische Führung «eine Bande verderbter, verlauster Pennbrüder».

«Der Tod eines einzelnen Mannes ist eine Tragödie, der Tod von Millionen nur eine Statistik», war das Motto von Josef Stalin, dem Idol von Che Guevara. Unter Stalin wurden mehrere Millionen Menschen in Schau- und Geheimprozessen zu Zwangsarbeit verurteilt, in Arbeitslager deportiert oder gleich ermordet. Nach seinem Tod 1953 folgte Nikita Chrusch­t­schow als erster Sekretär der KPdSU. Er begann mit der Entstalinisierung der Sowjetunion, überzeugte aber nicht einmal die eigenen Familienmitglieder. Sein Sohn Sergej lebt heute als Politikwissenschaftler und Buchautor in den USA und besitzt die amerikanische Staats­bürgerschaft. Sein Enkel Nikita wiederum lebt als Journalist im heutigen Russland und kritisiert den «abtrünnigen» Vater.

Rebelliert wurde auch im sozialistischen «Arbeiter-und-Bauernstaat». Wilde Streiks und Demonstrationen erschütterten die DDR. Die Menschen protestierten gegen den Sozialismus, gegen unmenschliche Arbeitsnormen, Repression gegen die Kirchen und politische Unfreiheit. Als sich der Volksaufstand auf das ganze Land ausbreitete, schritten die in der DDR stationierten sowjetischen Truppen ein und walzten mit ihren Panzern die «Ungeziefer» blutig nieder. Das Langzeitmotto der DDR war: «Von der Sowjetunion lernen heisst siegen lernen.»

Auf Kuba stürmte der Rechtsanwalt Fidel Castro mit einer kleinen Guerillatruppe die Moncada-Kaserne von Santiago de Cuba. Kurz zuvor hatte er vergebens versucht, auf dem Rechtsweg den Diktator Fulgencio Batista wegen Verfassungsbruchs einzuklagen. Er berief sich deshalb auf das in der Verfassung garantierte Wiederstandsrecht. Der Angriff scheiterte, aber es war der Auftakt zur Kubanischen Revolution und zum Untergang des Diktators, dessen Geheimdienste Tausende von Menschen entführt, gefoltert und, zur Abschreckung der Bevölkerung, aus fahrenden Autos geworfen hatten.

In der Londoner Westminster Abbey wurde Elizabeth Alexandra Mary zur Königin des Vereinigten Königreiches von Grossbritannien und Nordirland gekrönt. Trotz aller Skandale der Royals lieben die Briten ihre Queen Elizabeth II, die sich ihre gelegentlichen Auftritte in der­Öffentlichkeit mit 13 Millionen vergüten lässt. Im Gegensatz zu den Vermögen von König Bhumibol Adulyadej von Thailand (25 Milliarden) und Fürst Albert II. von Monaco (1,5 Milliarden) nagt die Grossmutter von Prinz William mit bescheidenen 500 Millionen am royalen Hungertuch. Sie investiert mit Vorliebe in Immobilien, Schmuck, Pferde und Obstplantagen.

Im gleichen Jahr erschienen winzig kleine Comicstrips mit der Figur «Bazooka Joe». In diese Strips wickelte der amerikanische Hersteller Topps Company seinen rosaroten zuckersüssen Kaugummi, der die Kinder begeisterte. Schöpfer der Figur war der Cartoonist Wesley Morse, «the greatest pretty girl artist on broadway», der mit erotischen Pin-up-girls und den Pornocomics «Tijuana­bibles» Kultstatus erlangt hatte. Als man ihn fragte, wieso Bazooka Joe eigentlich diese schwarze Augenklappe trägt, antwortete er: «Keine Ahnung.»

© Basler Zeitung; 28.10.2016

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