#chronos (1963)

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cueni_chronos_19631963 schluckte die State Mutual Insurance Company einen Konkurrenten und wollte die Übernahme mit einem freundlichen Gesicht visualisieren. Der Freelancer Harvey Ball entwarf in zehn Minuten einen gelben Kreis mit zwei fröhlichen Augen und einem lächelnden Mund. Für seinen «Smiley» erhielt er 45 Dollar und eine Menge Ärger. Jahrelang kämpfte er mit seinen Anwälten vor Gericht, damit seine Urheberschaft anerkannt wird. Nach 40 Jahren erfolglosem ­Prozessieren war selbst dem Schöpfer des Smiley das Lächeln vergangen. Seine Kreation ist heute die meistverbreitete Werbegrafik der Welt.

Weltweite Verbreitung fand auch der Song «We Shall Overcome». Auf dem Marsch der 300 000 nach Washington sangen die Menschen den 60 Jahre alten Gospelsong des Pfarrers Charles Tindley, der mittlerweile über 100 Coverversionen erlebt hat und heute die Hymne der Bürgerrechtsbewegungen in aller Welt ist. Auf ­diesem «March on Washington for Jobs and Freedom» hielt Martin Luther King seine berühmte Rede «I Have a Dream».

Ganz andere Träume hatten die Frauen, die sich die ersten Silikonimplantate einsetzen liessen. Nach unzähligen Versuchen mit Rinderknorpel, Wolle, Glaskugeln, Paraffin und Bienenwachs schien man nach 68 Jahren Forschung das geeignete Material gefunden zu haben. Doch 20 Jahre später verklagten Hunderte der 1963 operierten Frauen den Implantathersteller wegen Autoimmunerkrankungen.

1963 liess Alfred Hitchcock in den USA die Möwen fliegen. «The Birds» basierte auf der gleich­namigen Shortstory von Daphne du Maurier und machte das New Yorker Fotomodell Tippi Hedren berühmt. Über die tiefere Bedeutung des Films wurde lange debattiert. Die einen glaubten im Angriff der Vögel die Luftangriffe der Deutschen während des Krieges zu erkennen, andere hielten die Möwen für die kommunistische Bedrohung. Unbestritten ist, dass Hitchcock mit diesem Film einen Klassiker des Horrorfilms gedreht hat.

Wesentlich kontroverser war «Das Schweigen» von Ingmar Bergmann. Die Presse fragte sich «Ist das noch Kunst oder schon Pornografie?» Marcel Reich-Ranicki schrieb, nun könnten Spiesser und Heuchler beruhigt «einen feuchten weiblichen Busen» betrachten und «sich aufgeilen» lassen. Die Sexszenen in einer leer stehenden Kirche riefen die Zensurbehörden auf den Plan und bescherten dem Film einen grossen Erfolg und Einsparungen in Werbung und Marketing.

Problemlos verliefen hingegen in Hamburg die Dreharbeiten zum Sketch «Dinner for One». In der 18-minütige NDR-TV-Produktion spielte der Komiker Freddie Frinton den Butler James, der für Miss Sophie die Rolle der vier verstorbenen Gäste übernehmen muss. «The same procedure as every year?»

Eine Abweichung vom üblichen Prozedere schaffte Charles de Gaulle, als er den Beitritts­antrag Grossbritanniens zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) überraschend ablehnte. Von den bisherigen Standards wich auch der Philips-Konzern ab: Er erfand einen neuen Datenträger: die Compact Cassette, und Bobby Vinton sang sich mit «Blue Velvet» auf Platz 1 der US Charts.

John F. Kennedy erlitt vor dem Berliner ­Rathaus Schöneburg eine Identitätskrise und behauptete, er sei ein Berliner. Noch im selben Jahr wurde er in Dallas von einem Attentäter erschossen. Die zahlreichen Verschwörungstheorien halten bis heute an.

Der Basset «Wurzel» startete in der Daily Mail seine Comic-Weltkarriere als ironisch reflektierender Vierbeiner. Wurzel überlebte sogar den Tod seines Schöpfers Alexander Graham (1991), denn seine Tochter lieferte später die Ideen für mittlerweile über 15 000 Comicstrips.

© Basler Zeitung; 12.12.2014

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