#chronos (1966)

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«We’re mo­re po­pu­lar than Je­sus now.» Als John Len­non in ei­nem In­ter­view mit dem Lon­do­ner Eve­ning Stan­dard sag­te, sie sei­en nun po­pu­lä­rer als Je­sus, boy­kot­tier­ten Ra­dio­sta­tio­nen die ­Bea­tles Songs; re­li­gi­öse Fa­na­ti­ker ver­brann­ten öf­fent­lich ih­re Al­ben. Für die Pu­ber­tie­ren­den der 60er-Jah­re ein kla­res Kaufsi­gnal. Die Bea­tles do­mi­nier­ten gleich mit meh­re­ren Singles die in­ter­na­tio­na­len Charts.

Mit den «Vier Al­ten» mein­te Mao Ze­dong nicht die «Fab Four» aus Li­ver­pool, son­dern die Pfei­ler der «Gros­sen Pro­le­ta­ri­schen Kul­tur­re­vo­lu­ti­on»: al­te Denk­wei­sen, al­te Kul­tu­ren, al­te Ge­wohn­hei­ten, al­te Sit­ten. Al­les soll­te zer­schla­gen wer­den. Voll­stre­cker wa­ren die Ro­ten Gar­den, die ­Tau­sen­de von Men­schen tö­te­ten, Stadt­be­woh­ner ver­trie­ben, Woh­nun­gen plün­der­ten und fast 5000 his­to­ri­sche Stät­ten für im­mer zer­stör­ten. In Tei­len Chinas herrsch­te Bür­ger­krieg. Ein­mal mehr ­schei­ter­te der Ver­such, die Rea­li­tät ei­ner Ideo­lo­gie an­zu­pas­sen, die der Na­tur des ­Men­schen wi­der­spricht.

In der Schweiz er­hiel­ten nach den Kan­to­nen Neu­en­burg und Waadt auch die Bas­le­rin­nen das Stimm- und Wahl­recht. Dass die Schweiz als ei­nes der letz­ten eu­ro­päi­schen Län­der das Frau­en­stimm­recht ein­führ­te, lag we­ni­ger an den an­geb­lich «hin­ter­wäld­le­ri­schen Schwei­zern», son­dern ein­fach dar­an, dass in al­len üb­ri­gen Län­dern das Frau­en­stimm­recht nicht nach ei­ner de­mo­kra­ti­schen Volks­ab­stim­mung ein­ge­führt wur­de, son­dern von oben dik­tiert wor­den war.

Von oben dik­tiert wur­de auch, was auf den In­dex Li­brorum Pro­hi­bi­torum («Ver­zeich­nis der ver­bo­te­nen Bü­cher») kam. Das war ein Ver­zeich­nis der rö­mi­schen In­qui­si­ti­on aus dem Jah­re 1559, das fort­wäh­rend ­ak­tua­li­siert wur­de und zu­letzt 6000 ver­bo­te­ne Bü­cher ­auf­lis­te­te. 1966 wur­de der In­dex ein­ge­stellt, da Ka­tho­li­ken trotz der an­ge­droh­ten Ex­kom­mu­ni­zie­rung wei­ter­hin die ver­bo­te­nen Lie­bes­ge­schich­ten von Balzac und Du­mas la­sen.

Gros­ses ver­kün­de­te auch die UNO mit ih­rem Men­schen­rechts­pa­ket über bür­ger­li­che und po­li­ti­sche Rech­te so­wie über wirt­schaft­li­che, so­zia­le und kul­tu­rel­le Rech­te. Wahr­schein­lich ist das ei­ne oder an­de­re man­gel­haft über­setzt wor­den. An­ders ist nicht zu er­klä­ren, dass aus­ge­rech­net 2015 der sau­di­sche Bot­schaf­ter Fai­sal bin Hassan Trad zum Vor­sit­zen­den ei­ner Be­ra­ter­grup­pe des UN-Men­schen­rechts­rats ge­wählt wur­de.

Bad Guys wur­den auch im Ki­no po­pu­lär. In Ser­gi­os Leo­nes «Zwei glor­rei­che Ha­lun­ken», (Il buo­no, il brut­to, il cat­ti­vo) spiel­te Clint East­wood den wort­kar­gen Kopf­geld­jä­ger, den na­men­lo­sen De­spe­ra­do, der zum An­ti­hel­den des Jahr­zehnts wur­de. Nach Be­en­di­gung sei­ner Dol­lar-Tri­lo­gie woll­te Leo­ne sei­nen neu­en Star für die Hauptrol­le von «Spiel mir das Lied vom Tod» ver­pflich­ten. Die fi­nan­zi­el­len Er­war­tun­gen von Clint East­wood wa­ren aber so, dass sich Ser­gio Leo­ne nach ei­nem har­ten Re­de­du­ell für den da­mals kaum be­kann­ten Charles Bron­son ent­schied.

Ein 18-jäh­ri­ger Schü­ler er­schoss in Ari­zo­na sechs Frau­en. Bei sei­ner Fest­nah­me sag­te er, er ha­be be­rühmt wer­den wol­len. Wie hiess er schon wie­der?

Auf den Thea­ter­büh­nen be­schimpf­te Pe­ter Hand­ke sein Pu­bli­kum («Pu­bli­kums­be­schimp­fung»), wäh­rend Fried­rich Dür­ren­matts «Me­te­or» die Erdat­mo­sphä­re er­reich­te. Im US-Fern­se­hen star­te­te die TV-Se­rie «Star Trek» (Raum­schiff En­ter­pri­se), die bis 1969 erst­aus­ge­strahlt wur­de; in den in­ter­na­tio­na­len Charts er­schie­nen un­zäh­li­ge Ohr­wür­mer, die heu­te Klas­si­ker der Pop Ge­schich­te sind: «Paint It Black», «Pa­per­back Wri­ter», «Sum­mer In The Ci­ty», «The Last Train To Clarks­ville», «Mon­day Mon­day», «Rai­ny Day Wo­man», «The Sound of Si­lence»:

«Hel­lo dar­kness, my old fri­end

I’ve co­me to talk with you again.»

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