#chronos (1975)

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Ichbarry_manilow-mandy_s_6 geh meilenweit für Camel Filter.» 1975 war der Kölner Dieter Scholz das blonde Fotomodell, das durch die Serengeti trampte und später gestand: «Ich glaube, die von Camel wissen bis heute nicht, dass sie damals einen Nichtraucher fotografiert haben.» Nach der erfolgreichen ­Ächtung der Raucher müssen die Süchtigen heute wieder meilenweit bis zur nächsten Raucher­toilette hetzen.

1975 wurde der amtierende schwedische König Carl XVI. Gustaf per Verfassungsänderung zum royalen Grüssaugust degradiert. Die Steuerzahler unterhalten den Milliardär, der sein Amt als «zu schwierig für ein Mädchen» einschätzt, mit jährlich vierzehn Millionen Euro. Zum halben Preis hätten die Schweden damals einen Spanier haben können, Juan Carlos, der 1975 den blutrünstigen Diktator General Franco ablöste, der im Alter von 83 Jahren verstorben war.

Ausgerechnet im Internationalen Jahr der Frau schlug die britische Königin Elizabeth II. einen «geilen Köter» (Anwalt) zum Ritter. Gemeint ist Charlie Chaplin, der süchtig nach minderjährigen Mädchen war und eines davon schwängerte. Eine seiner zahlreichen Ex-Frauen sagte vor Gericht, seine sexuellen Wünsche seien «unnatürlich, pervers, entartet und schamlos» gewesen.

1975 flog Jack Nicholson unter der Regie von Milos Forman über das Kuckucksnest und löste eine öffentliche Debatte über Lobotomie aus, ein Verfahren, bei dem Neurochirurgen psychisch Kranken die Nervenbahnen zwischen Thalamus und Frontallappen durchtrennen.

Krank von der Liebe war der schüchterne Ryan O’Neal in Stanley Kubricks «Barry Lyndon». Seine Angebetete versteckte ihr Halsband unter ihrem Busen und versuchte Barry auf die Sprünge zu ­helfen: «Ich habe mein ­Halsband irgendwo versteckt. Du kannst überall suchen, wo du willst. Ich werde sehr wenig von dir halten, wenn du es nicht findest.»

Etwas ganz anderes musste Robert Shaw im Oscar-prämierten «Weissen Hai (Jaws)» finden: «Wenn wir einen Hai suchen, werden wir ihn kaum an Land finden.» – «Werden die 3000 Dollar in bar oder per Check ausgezahlt?»

1975 trat die von der Generalversammlung der Vereinigten Nationen beschlossene Konvention über das Verbot der Entwicklung, Herstellung und Lagerung biologischer Waffen in Kraft. Genützt hat es nichts.

Das gilt auch für das Inkrafttreten des Wa­­shingtoner Artenschutzübereinkommens, das den internationalen Handel mit gefährdeten Tieren und Pflanzen verbieten sollte. Da Umsetzung und Vollzug den einzelnen Mitgliedstaaten obliegen, gilt auch hier: ausser Spesen wenig gewesen.

Auch in Helsinki war das Nachtleben auf­regender als die Sitzungen der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE). Diese brachte immerhin eine Schlussakte zu Papier. Die unterzeichnenden Staaten ­«verpflichteten» sich in einer «Absichtserklärung» zur Unverletzlichkeit der Grenzen, zur friedlichen Beilegungen von Streitfällen, zur ­Wahrung der Menschenrechte und zur Informationsfreiheit. Noch mehr Papier.

Papiermangel herrschte hingegen in der DDR. 1975 musste deshalb der Druck der Sonntags­zeitungen eingestellt werden. Engpässe gab es auch bei der Produktion von Hygieneartikeln. «Sans-Papiers» hatte damals noch eine ganz andere Bedeutung.

1975 erreichte Barry Manilow mit seinem Ohrwurm «Mandy» Platz 1 der US-Charts: «Ich lasse mein Leben Revue passieren, die Bilder rauschen an mir vorbei wie eiskalter Regen.» Das ahnten auch die Zeugen Jehovas. Sie hatten nach jahrelangem Bibelstudium und mathematischen Berechnungen herausgefunden, dass die Welt 1975 untergeht. Falls Sie heute diese Kolumne lesen, könnte das ein Hinweis auf einen Rechenfehler sein.

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