#chronos (1990)

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1101900813_400Nachdem die Berliner Mauer am Abend des 9. Novembers 1989 am Freiheitsdrang der DDR-Bürger zerbrochen war, trat am 1. Juli 1990 die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion ­zwischen den beiden ungleichen Staaten in Kraft. Mit der Unterzeichnung des Deutsch-Deutschen Staatsvertrags war die Deutsche Demokratische Republik nach 28 Jahren nur noch Geschichte. Zu einem historischen Augenblick gehören auch prägnante Quotes. Oft kolportiert wird ein ­angebliches Zitat von Willi Brandt: «Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört.» Es gibt jedoch keine einzige Tonaufzeichnung, die die Urheberschaft des früheren Bundeskanzlers belegen könnte.

Trennen, was nicht zusammengehört, war ­hingegen das Motto der baltischen Staaten ­Estland, Lettland und Litauen, die 1940 von der Sowjetunion annektiert worden waren. Im ­Frühjahr 1990 erklärten sie nacheinander ihre Unabhängigkeit.

Zusammenführen, was nicht zusammen­gehört, war wiederum das Bestreben des ­Diktators Saddam Hussein, als er seine Truppen in Kuwait einmarschieren liess. Es war der Beginn des Zweiten Golfkrieges. Eine Koalition, angeführt von den USA und legitimiert durch die Resolution 678 des UN-Sicherheitsrates, startete die Offensive zur Befreiung Kuwaits. Der Krieg, in dem auch neue Taktiken und Waffen zum Einsatz kamen, wurde auch an der Informationsfront geführt: Handverlesene Journalisten (embedded journalists) wurden kämpfenden Militäreinheiten zugewiesen, täglich gebrieft und kontrolliert. Mit dem Kriegsreporter und ­Pulitzerpreisträger Peter Arnett, der vom Dach des Hotels Raschid aus berichtete, inszenierte CNN den Krieg als 24-Stunden-Liveshow. Sein erster Satz war: «Der Himmel über Bagdad ist erleuchtet.»

Roger Waters (Pink Floyd) gab anlässlich des Mauerfalls auf dem Potsdamer Platz das bis anhin grösste Konzert in der Geschichte der Rockmusik. Eine Viertelmillion Zuschauer besuchten das Open-Air-Konzert und sangen «We dont need no thought control». «The Wall» wurde weltweit per Satellit übertragen.

In der Charta von Paris wurde der Kalte Krieg formell beigelegt. Die 34 KSZE-Staaten bekannten sich zur Demokratie als Regierungsform und zur Achtung der Menschenrechte. Das Zentralkomitee der KPdSU gab das Machtmonopol der Partei auf, Michail Gorbatschow wurde zum neuen Präsidenten gewählt, in Moskau wurde das erste ­russische McDonald’s-Restaurant eröffnet. ­Gorbatschows Satz: «Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben», wurde seitdem oft zitiert, manchmal gilt auch: «Wer zu früh kommt, den bestraft das Leben.»

«Es wird keine Fortsetzung des Paten geben», wiederholte Francis Ford Coppola gebetsmühlenartig, wenn ihn Fans und Journalisten mit der Frage nach einem «Der Pate III» löcherten. Doch ein Blick auf sein tiefrotes Bankkonto liess ihn erschauern. Es erging ihm wohl wie Don Michael Corleone: «Grade als ich dabei war auszusteigen, ziehen sie mich wieder rein!» Das Drehbuch basierte erneut auf dem Roman von Mario Puzo. Der Film war in den 80er-Jahren angesiedelt und thematisierte die Skandale des Vatikans und die Neuausrichtung des Mafiabusiness: «Ich brauche keine Schläger. Ich brauche Anwälte!» Der Film wurde für sieben Oscars nominiert, erhielt aber lediglich eine goldene Himbeere für die schlechteste Nebendarstellerin. Geschmäht wurde ­überraschend Sofia Coppola, die Tochter des Regisseurs. Sie liess sich davon nicht unterkriegen und wurde eine erfolgreiche Regisseurin und Drehbuchautorin («Lost in Translation»).

Bob: «Schon lange verheiratet?»

Charlotte: «Danke. Zwei Jahre.»

Bob: «Ich endlose 25.»

© Basler Zeitung; 24.06.2016

Die ersten 50 Chronos Folgen erscheinen im Februar 2016 im Münster Verlag

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