Was soll falsch sein an Sterbehilfe?

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Autor Claude Cueni kontert Palliativmediziner

«Was soll falsch sein an Sterbehilfe?»

BERN – In einem Interview mit Blick.ch übte der Palliativmediziner Steffen Eychmüller Kritik an der Sterbehilfe. Der Autor Claude Cueni schreibt darauf eine Replik.

Claude Cueni ist ein Schweizer Schriftsteller. Zuletzt erschien 2014 sein autobiographischer Roman «Script Avenue», in dem er unter anderem das Sterben seiner Frau und seine anschliessende Leukämie-Erkrankung thematisiert. Für Blick.ch schreibt er eine Replik auf das Interview mit dem Palliativmediziner Steffen Eychmüller.

Auf Blick.ch kommentierte Steffen Eychmüller, ärztlicher Leiter am Zentrum für Palliative Care des Berner Inselspitals, den Suizid von This Jenny mit der Frage: «Wovor hatte er Angst? Der Entscheid ist möglicherweise ein Zeichen von Misstrauen. Offensichtlich glaubte er nicht, dass die Medizin Wege bietet für ein würdevolles Sterben – auch nachdem keine Hoffnung mehr auf Heilung besteht.»

Diese Angst ist nicht unbegründet. Palliativmediziner behaupten stets, heute müsse kein Todkranker mehr mit Schmerzen sterben. Man könne z.B. Morphium verabreichen. Das hilft vielen, aber nicht allen. Hochdosiertes Morphium beeinträchtigt die Atmung. Sind die Schmerzen nicht mehr beherrschbar, wird der Patient ins künstliche Koma versetzt und stirbt, während er im Koma liegt. Das ist die bittere Wahrheit hinter dem beruhigenden Satz: «Heute muss niemand mehr unter Schmerzen sterben.»

Herr Eychmüller führt weiter aus: «Es ist Ausdruck des Zeitgeistes. Man lebt selbstbestimmt, man managt sein eigenes Leben und seinen eigenen Tod.» Was soll daran falsch sein? Herr Eychmüller hat seine Weltanschauung, andere Menschen haben eine andere Weltanschauung. Es steht auch einem Palliativmediziner nicht zu, anderen (wildfremden) Menschen die eigene Weltanschauung aufzuzwingen.

Herr Eychmüller sagt: «Unsicherheit, das Schicksal, der grössere Zusammenhang – das wird alles ausgeklammert.» Was soll daran falsch sein? Die einen glauben an einen «grösseren Zusammenhang», die anderen nicht. Herr Eychmüller romantisiert das Sterben inmitten der Angehörigen. Wenn jemand vor dem sicheren Tod steht, von Schmerzen geplagt ist, hat er nur einen Wunsch: Aus diesem Leben verschwinden. Auf «Gemeinsames Nachdenken» wird gerne verzichtet, auch auf all die «wertvollen Erfahrungen», die in Kürze eh irrelevant sind.

Herr Eychmüller sagt, Exit sei gut für «Leute, die extrem individualistisch bis egoistisch leben, alles selber regeln und nichts dem Zufall überlassen wollen.» Wieso soll Eigenverantwortung egoistisch sein? Welcher vernünftige Mensch überlässt ausgerechnet das Sterben dem Zufall?

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