Wem gehört Mohammed?

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cueni_copyright_religionMohammed ist eine historische Figur und gehört, wie alle anderen historischen Persönlichkeiten auch, zum geistigen Weltkulturerbe der Menschheit. Er ist genauso wenig Eigentum der Muslime wie Jesus Eigentum der Christen ist.

Satire ist die jahrtausendealte Kunst des Spottens, des übertriebenen Spottes. Alles kann Gegenstand einer Satire sein, sowohl Mohammed als auch Jesus, der Papst oder Kim Jong Un.

Wer wie Bundesrätin Leuthard meint, Satire dürfe nicht alles, irrt. Satire darf alles. Muss alles dürfen. Wer sich dadurch in seiner Ehre verletzt fühlt, darf in unserem Rechtsstaat klagen. Die Richter entscheiden.

Es gibt nicht ein bisschen Satire. Es gibt weder eine Dreiviertel-Pressefreiheit noch eine Meinungsfreiheit nach Gutdünken der Obrigkeit. George Orwell sagte: Freiheit bedeutet, anderen Dinge zu sagen, die sie nicht hören wollen. Freiheit bedeutet auch, Karikaturen zu zeichnen, die andere nicht sehen wollen.

Wer nun in seiner öffentlichen Betroffenheitserklärung das Wörtchen «aber» einbaut und somit den Opfern eine Mitschuld zuschiebt, macht sich zum verlängerten Arm der Schock­terroristen. Wer in vorauseilendem Gehorsam kapituliert, verzichtet auf die Errungenschaften der Französischen Revolution. Wer die Meinungsfreiheit, ein zentrales Recht der freien Welt, nicht verteidigt, verliert sie.

Man kann Intoleranz nicht mit Toleranz begegnen. Wer glaubt, dass Nachgeben die Lösung ist, wird sich noch wundern. Jedes Nachgeben ermuntert zu weiterreichenden Forderungen. Was wird man als Nächstes mit Terrordrohungen erzwingen wollen? Michel Houellebecqs neuer Roman «Unter­werfung» ist kein Zufallsprodukt.

© Basler Zeitung; 09.01.2015; Seite bazab19
Kultur

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