Eine Bildanalyse von ChatGPT5.1.

 

BILDANALYSE CHAT GPT 5.1.

Kurzfassung: Ja – kleine Buben wurden bis in die frühen 1960er-Jahre oft wie Mädchen gekleidet, und Armut bzw. Sparzwang verstärkte diesen Effekt, war aber nicht der einzige Grund.

Etwas ausführlicher und historisch eingeordnet (auch passend zu Basel um 1960):

1) Tradition: „Kleinkinder sind geschlechtsneutral“

Bis etwa zum 4.–6. Lebensjahr galt in vielen europäischen Ländern – auch in der Schweiz – die Faustregel:

  • Kleinkinder = praktische Kleidung, nicht geschlechtsspezifisch
  • kurze Kleider, Schürzen, einfache Baumwollanzüge waren Standard
  • Haare oft lockig oder länger, ohne klare Geschlechtermarkierung

Das hatte mehrere Gründe:

  • leichteres Wickeln / Toilettentraining
  • schnelleres Umziehen
  • weniger Stoffverbrauch
  • einfache Schnitte zum Selbernähen

Das war keine Ausnahme, sondern gesellschaftlich normal.

2) Ökonomischer Faktor: Armut verstärkte es deutlich

Was du beschreibst (kein Kühlschrank, kein Auto, keine Ferien) ist typisch für viele Arbeiter- und Kleinbürgerhaushalte der Nachkriegszeit.

In solchen Familien galt:

  • Kleidung wurde vererbt (meist von Mädchen an jüngere Geschwister – egal welches Geschlecht)
  • neu gekauft wurde nur, was absolut nötig war
  • neutrale Kleider waren günstiger und länger nutzbar
  • ein Kleid passte länger als eine Hose

Gerade bei mehreren Kindern war das ökonomisch rational.

3) Der Umbruch kam erst in den 1960ern

Die starke Geschlechtertrennung bei Kinderkleidung (rosa vs. blau, Kleider vs. Hosen) wurde erst mit:

  • Wirtschaftswunder
  • Massenkonsum
  • Fernsehen & Werbung
  • Babyboom-Generation

systematisch durchgesetzt.

Vorher war das keine Identitätsfrage, sondern Alltag.

4) Dein Foto im Kontext

Was man auf dem Bild sieht:

  • funktionale Alltagskleidung
  • einfache Schnitte
  • robuste Schuhe
  • kein modischer Zierrat

Das spricht eher für:

praktische Alltagskleidung in einem sparsamen Haushalt – völlig zeittypisch

Nicht für „absichtlich als Mädchen verkleidet“.

Fazit

Deine Erinnerung trifft es gut:

  • Ja, kleine Buben trugen damals häufig kleidartige Kleidung.
  • Ja, Armut und Sparsamkeit spielten eine wichtige Rolle.
  • Aber: Das war gesellschaftlich normal und nicht stigmatisierend.

Erst die spätere Konsumgesellschaft hat daraus ein „ungewöhnliches“ Thema gemacht.

gerne

Gut — dann hier die konkrete historische Einordnung für die Schweiz (ca. 1945–1970), mit Fokus auf Alltag, Stadt/Land-Unterschiede und Altersgrenzen.

1) Ab welchem Alter bekamen Knaben „Hosenpflicht“?

Es gab keine gesetzliche Regel, aber klare soziale Konventionen:

🔹 0–3 Jahre

Fast immer geschlechtsneutral

  • Hemdchen, Schürzen, kurze Kleider, Einteiler
  • Wickelpraktisch, leicht waschbar
  • Keine Unterscheidung im Alltag relevant

🔹 3–5 Jahre (deine Altersgruppe auf dem Foto)

Hier lag der Übergangsbereich:

Typisch:

  • kurze Kleider oder Tunika-ähnliche Schnitte
  • Latzhosen im Sommer
  • Trägerhosen im Winter

Entscheidend war:

  • Familienbudget
  • Anzahl Geschwister
  • Kindergartenstatus

Viele Knaben wechselten erst mit Schuleintritt zu klar „männlicher“ Kleidung.

🔹 ab 6–7 Jahre (Primarschule)

Jetzt wurde es sozial sichtbar:

  • Knaben: kurze Hosen, Kniestrümpfe, Hemd
  • Mädchen: Röcke, Kleider

Spätestens hier erwartete die Umwelt klare Zuordnung.

2) Stadt vs. Land: Basel war moderner – aber nicht „reich“

Interessant für Basel:

Stadt Basel 1960:

Vorteile:

  • bessere Versorgung
  • Secondhand-Läden
  • mehr Kaufhäuser

Aber:

  • viele Arbeiterfamilien
  • Kriegsnachwirkungen noch spürbar
  • Wohnungsnot
  • wenig Platz
  • gemeinschaftliche Waschküchen

In Arbeiterquartieren (Kleinbasel, Gundeli, St. Johann) war Sparsamkeit Alltag.

Auf dem Land dagegen:

  • mehr Selbstversorgung
  • mehr Eigenproduktion
  • aber weniger Bargeld

Resultat:

Kleidung wurde überall maximal genutzt – nur anders organisiert.

3) Warum Kleider für Kleinkinder ökonomisch sinnvoll waren

Ein Kleid hatte 4 Vorteile:

  1. passte länger (kein Hosenbein zu kurz)
  2. schneller geflickt
  3. weniger Stoff
  4. weitervererbbar

Bei wachsenden Kindern ein enormer Vorteil.

4) Mentalität der Eltern-Generation

Wichtig: Deine Eltern-Generation war geprägt von:

  • Krieg
  • Rationierung
  • Existenzsicherung
  • Funktion vor Ästhetik

Kinderkleidung war kein Identitätsstatement, sondern:

Gebrauchsgegenstand

5) Ein Detail, das Historiker nutzen: Schuhe

Dein Bild zeigt:

  • robuste Alltagsschuhe
  • keine „Sonntagskleidung“
  • keine neuen Lackschuhe

Das spricht stark für:

  • echtes Alltagsfoto
  • nicht inszeniert
  • nicht wohlhabender Haushalt
  • authentische Situation

Zusammenfassung in einem Satz

In Basel 1960 war es völlig normal, dass ein Bub im Vorschulalter kleidartige Kleidung trug – besonders in sparsamen Haushalten. Das war pragmatisch, sozial akzeptiert und kein Sonderfall.

Ich lese jetzt das Bild sozialhistorisch, nicht emotional und nicht biografisch spekulativ – sondern anhand typischer Alltagsindikatoren der Zeit.

1) Architektur & Umgebung: städtischer Mittelstand / Arbeiterquartier

Was auffällt:

  • Natursteinmauer mit sauberem Abschluss
  • gepflasterter Hof / Vorplatz
  • schmales Kellerfenster mit Gitter
  • Blumenkasten / Staudenbeet

Das spricht für:

  • städtisches Mehrfamilienhaus
  • Bauperiode ca. 1900–1930
  • typisch für Basel: Blockrandbebauung mit Innenhof

Kein Villenumfeld, kein Bauernhof, kein Neubau der 60er.

→ Wahrscheinlich klassisches Basler Mietshausmilieu.

2) Sitzposition & Körperhaltung: Alltagsfoto, kein Studio

Beide Kinder:

  • sitzen locker
  • Beine baumeln
  • Hände nicht „arrangiert“
  • Gesichtsausdruck ungezwungen

Das bedeutet:

  • keine professionelle Aufnahme
  • vermutlich Familienmitglied mit Kamera
  • spontane Hofsituation
  • keine Inszenierung für „Sonntagsporträt“

Solche Bilder entstanden oft:

  • nach dem Spielen
  • vor dem Heimgehen
  • beim kurzen „Stillhalten“ der Kinder

3) Kleidung: funktional, nicht repräsentativ

Stoff & Schnitt:

  • einfache Baumwolle
  • keine Spitze
  • keine Verzierungen
  • keine Gürtel, Schleifen, Knöpfe in Zierform

Das ist Alltagskleidung, nicht Ausgehkleidung.

Farbwahl (in Schwarzweiß erkennbar):

  • helle Stoffe
  • pflegeleicht
  • waschbar
  • hitzetauglich für Sommer

Das passt zu:

  • Waschtag-Rhythmus
  • gemeinsamer Waschküche
  • keine Trockner, keine Chemiepflege

4) Schuhe: wichtigster Klassenindikator

Links:

  • klassische Riemchenschuhe
  • robust, dicke Sohle

Rechts:

  • Schnürschuhe
  • deutlich abgetragen
  • nicht neu

Beide:

  • praktisch
  • kein Luxus
  • keine modischen Details

Das spricht für:

solide, aber knappe Haushaltsökonomie

Nicht bitterarm — aber klar sparsam.

5) Haare & Pflege: ordentlich, aber nicht gestylt

  • sauber geschnitten
  • keine Schleifen, keine Haargel-Mode
  • natürlich fallend

Das entspricht:

  • Hauspflege
  • kein Friseurtermin alle paar Wochen
  • keine Modeorientierung

6) Blumen im Hintergrund: soziale Aussage

Interessant:

  • gepflegte Blumenrabatte
  • kein verwahrloster Hof
  • kein Müll, kein Gerümpel

Das deutet auf:

  • Hausordnung
  • gemeinschaftliche Pflege
  • Nachkriegsethos: Ordnung, Sauberkeit, Respektabilität

Typisch für Schweizer Mietshäuser dieser Zeit.

7) Was das Bild NICHT zeigt (und das ist wichtig)

Man sieht nicht:

  • Konsumsymbole
  • Spielzeug
  • Fahrräder
  • Plastikwaren
  • Markenartikel

Das unterstreicht deine Aussage:

kein Kühlschrank
kein Auto
kein Fernsehen
keine Ferien

Das passt exakt zur sozialen Realität vieler Basler Familien 1960.

Gesamtinterpretation (kompakt)

Das Bild zeigt sehr wahrscheinlich:

  • zwei Stadtkinder aus einem sparsam wirtschaftenden Arbeiter- oder unteren Mittelstandshaushalt
  • in einem gepflegten, aber einfachen Mietumfeld
  • Alltagsmoment im Innenhof
  • funktionale Kleidung
  • keine Statusinszenierung
  • hohe Normalität

Oder anders gesagt:

Kein Elend. Kein Wohlstand. Sondern solide Nachkriegsrealität.

Cuenis Monatsrückblick JANUAR 2026

 JANUAR 2026

2026 läutet das Ende der regelbasierten internationalen Ordnung ein und den Beginn der trumpschen Epoche. Deal or No Deal. Trump irritiert Freund und Feind. Frei nach Forrest Gump: «Politiker sind wie eine Pralinenschachtel. Man weiss nie, was man kriegt.»

Silvesterinferno in Crans-Montana. So viel vermeidbares Leid. Je kleiner die Gemeinde, desto grösser die Vetternwirtschaft. Beschränkten sich Brandschutzkontrollen auf drei Gläser Fendant?

Deutschland an Neujahr wie üblich im «Kriegszustand». Wenigstens gab es weniger Sexualdelikte als auch schon. Lag es daran, dass Sexualverbrechen mittlerweile das ganze Jahr über stattfinden?

Blackout in Berlin. Brandanschlag auf eine Strombrücke. Die neue RAF «Vulkangruppe» will «den Herrschenden den Saft abdrehen». 45’000 Haushalte bei Minustemperaturen tagelang ohne Strom, Heizung und Internet. Auch «Omas gegen rechts» frieren.

WEF I: Donald Trump reist mit 300 Mann an. Will er etwa die Schweiz annektieren? Der Dealmaker beruhigt nicht nur die Börsen: keine Gewalt gegen Grönland, keine Strafzölle, Anti-UNO, genannt Friedensrat, in Planung. Ticket zu teuer.

WEF II: Selenskyj attackiert mit dem Holzhammer seine «europäischen Freunde», die ihm gerade 90 Milliarden Steuergelder in Aussicht gestellt haben. Er träumt seit Kriegsbeginn davon, als Held auf einem NATO-Panzer in Russland einzumarschieren. Trotzdem Standing Ovations der Beschimpften für das (nebst Russland) korrupteste Land Osteuropas.

WEF III: Für Palantir-Chef Alex Karp ist es «schwer vorstellbar, warum wir Einwanderung in grossem Massstab haben sollten». KI ist intelligenter, versteht alle Sprachen, hält sich an Gesetze und ruiniert keine Sozialsysteme. «2023», ergänzt Elon Musk, «wird KI klüger sein als die gesamte Menschheit.»

Deutschland will die stärkste Armee Europas und schickt 15 unbewaffnete Soldaten ins Eis, um Polarfüchse, Schneehasen und Eisbären zu verteidigen. Drei Tage später kehren die Männer zurück. Verteidigungsminister Pistorius: «Unsere Marine ist nicht grönlandtauglich.»

Trump bestätigt den Einsatz einer neuen Schalltechnologie («Discombobulator») bei der Ergreifung des linken Diktators Nicolás Maduro. Innert Sekunden waren alle Abwehrsysteme (chinesischer und russischer Bauart) ausgeschaltet, und Maduros Leibgarde lag regungslos am Boden. Müssen sich Kolumbien, Mexiko, Kuba und Iran jetzt Sorgen machen?

Gemäss David Betz, Professor für Kriegsstudien am King’s College in London, zieht man am Vorabend von Bürgerkriegen die Schrauben an. Jeder Like kann strafbar sein. Papst Leo XIV. sieht «ein Schrumpfen der Meinungsfreiheit und gleichzeitig die Entwicklung einer orwellschen Sprache», die Andersdenkende ausschliesst. Brauchen wir nach 1946 erneut einen D-Day, um Europa vor der Meinungsdiktatur der EU-Elite zu schützen?

Putschgerüchte aus China. General Zhang Youxia, ein enger Vertrauter von Xi Jinping, soll den USA Atomgeheimnisse verkauft haben. Mit ihm wurde bereits in kurzer Zeit der zehnte General kaltgestellt. Taiwanesen können wieder länger schlafen.

Trumps Armada ist nun bereit, um den Iran anzugreifen. Bloss eine (teure) Drohkulisse – oder wartet er ab, bis die Börsen geschlossen sind?

12.01.2026 Cueni: Nachruf Erich von Däniken (1935-2026)

Blick

Claude Cueni über den verstorbenen Erich von Däniken (1935 – 2026)


Man muss die Theorien von Erich von Däniken (†90) nicht teilen, um anzuerkennen, dass ihm Grosses gelungen ist. Fast Überirdisches. EvD wurde zum Synonym für Ausserirdisches. Ein Nachruf von Schriftsteller Claude Cueni.


Erich von Däniken ist tot. Er starb am Samstag mit 90 Jahren im Spital von Interlaken BE, wie seine Tochter Cornelia am Sonntag bekannt gab. Letztes Jahr erschien sein 49. Buch, «Notizen». Als ich ihn Ende 2024 in seinem schlichten Büro in Interlaken zum Interview traf, sagte er, dies sei sein persönlichstes Buch – und sein letztes. Leider hat er damit recht behalten.

Erich von Däniken war mehr als der Karl May der Prä-Astronautik. 1935 in Zofingen AG geboren, wuchs er in Schaffhausen auf und war schon früh fasziniert von Mythologien, biblischen Texten, Archäologie und Raumfahrt. Er wurde ein Besessener, der mit unglaublicher Leidenschaft und Entdeckungsfreude den Planeten bereiste, auf der Suche nach immer neuen Spuren von Ausserirdischen.

Wie alles anfing

Als 1968 von Dänikens erstes Buch «Erinnerungen an die Zukunft» erschien, hielten ihn viele für einen liebenswerten Ufo-Spinner. Doch die Art und Weise, wie er historische Fakten deutete, faszinierte viele und machte seine Bücher und Filme zu Bestsellern. Die Kernthese blieb über all die Jahre gleich: Ausserirdische haben vor langer Zeit die Erde besucht und werden eines Tages wiederkommen. «Wir werden nicht nur beobachtet, sondern Ausserirdische sind unter uns.»

In zahlreichen Kulturen sind solche Geschichten überliefert, und wenn man «Engel» und «geflügelte Götterboten» durch «ausserirdische Briefträger» ersetzt, liest sich sogar die Bibel wie spannende Science-Fiction.

Auch wer seine Theorien nicht teilt, muss anerkennen, dass ihm Grosses gelungen ist. Von Däniken hat bei Millionen von Menschen die Faszination für alte Kulturen geweckt und Dutzende Autoren und Filmemacher zu neuen Werken inspiriert. Sein Name wurde zur Marke: EvD, ein Synonym für Ausserirdisches.

Weltstar der Prä-Astronautik

Papst Franziskus (1936–2025) erteilte ihm mit einer Urkunde den apostolischen Segen zum Geburtstag. Zahlreich sind die weltweiten Auszeichnungen, die Preise, die Ehrendoktorwürden, die Ehrenbürgerschaften. Als Weltstar der Prä-Astronautik gehörte EvD neben Roger Federer (44) zu den berühmtesten lebenden Schweizern, und mit über 67 Millionen verkaufter Bücher in 32 Sprachen wurde er der erfolgreichste Schweizer Schriftsteller aller Zeiten.

Etliche Autoren haben sich in den letzten 200 Jahren mit dem Thema Prä-Astronautik beschäftigt, aber die meisten dümpelten zwischen Mystik und Esoterik. EvD hätte in den 1970er-Jahren locker eine lukrative New-Age-Religion gründen können, so wie der französische Sportjournalist Claude Vorilhon (79), Gründer der Ufo-Religion Raelismus, der sich Sohn der ausserirdischen Zivilisation Elohim nannte und Uriella-mässig durch Europa tingelte.

Lieber mehr wissen, als mehr besitzen

EvD war aus anderem Holz geschnitzt. In seinem letzten Interview sagte er, er habe kein Vermögen, er habe all seine Honorare laufend in neue Expeditionen gesteckt und sich weitergebildet. Wissen war ihm stets wichtiger als Besitz. Er wurde zu einer wandelnden Enzyklopädie für antike Kulturen. Auch mit 90 konnte er fliessend alle möglichen Zahlen und Fakten verständlich erläutern, als lese er sie von einem Teleprompter ab. Sein Gedächtnis war phänomenal. Wenn er sprach, war jede Antwort druckreif.

Im Alter wurde er nachsichtiger mit seinen Kritikern, zeigte sogar Verständnis, auch wenn er bis zuletzt mit grosser Begeisterung seine Thesen vertrat. Er mochte Menschen und ihre Gesellschaft und hatte auch den nötigen Humor, um eigene Fehlinterpretationen einzugestehen. Er war fürwahr eine beeindruckende Persönlichkeit mit grossem Herzen und Sinn für Ironie.

Glaubte von Däniken an einen Gott?

Er schwurbelte nie herum, sprach Klartext ohne Rücksicht auf negative Reaktionen. Political Correctness war ihm fremd. Auch dafür liebten ihn seine Fans. David gegen Goliath, Autodidakt gegen Wissenschaft.

Glaubte Erich von Däniken an einen Gott? Auf diese Frage antwortete er bei meinem Besuch: «Ich sehe Gott nicht als Wesen, das boshaft oder gut ist. Gott ist der grandiose Geist des Universums. Ich bin ein tiefgläubiger Mensch, und ich bete jeden Tag zum grandiosen Geist der Schöpfung. Die anderen nennen es Gott, es kommt alles auf dasselbe raus. Ich bitte diesen Schöpfungsgeist: Ich möchte weiterleben, ich möchte gesund bleiben, ich möchte aktiv bleiben. Zumindest bilde ich mir ein, das ist der Grund dafür, dass ich so alt wurde.»

05.01.2026: Viktor Orkan VIKTOR ORBÁN’S NEW YEAR INTERNATIONAL PRESS CONFERENCE

Offizielle Englischübersetzung

Ohne Kommentar. Damit sich jeder seine eigene Meinung bilden kann.


 

PRIME MINISTER VIKTOR ORBÁN’S NEW YEAR INTERNATIONAL PRESS CONFERENCE

  • 05/01/2026
  • SOURCE: CABINET OFFICE OF THE PRIME MINISTER

Thank you very much, Zoltán. Good morning everyone.

Ladies and Gentlemen,

First of all, I would like to wish a happy New Year to those who have decided to start the political season here with us. I wish you all a successful and happy New Year. There are many questions concerning the year 2026. It will be my task, with the help of the Minister, to answer these questions. Before we get to that, if I may, I would like to provide a brief introduction for today’s gathering. I would also like to say a few words about 2025, and how I view the most important issues for 2026. 

What we all know about 2025 is that it was an extremely eventful year – not only from your perspective, but also from mine, from the Government’s perspective. I have prepared a rather boring statistical summary, which shows that in 2025 I attended eighty-two meetings of heads of state and government, and was present at twenty-five summits. What is more exciting than this is that 2025 was a year when it became clear to everyone that an era in international politics had come to an end, with President Trump’s inauguration dealing the final blow to that old era. As a result, in 2026 we are already living in a new era. There will surely be enough written to fill a library on how to define and verbally describe the old era, and how to describe the new era ahead of us. For now we are still using the simple approach of calling the era that ended in 2025 “the liberal world order”. This had its own rules – let’s say its old rules, which are no longer valid; and in 2026 Hungarians will have to make headway in a world operating according to new rules. We call the era we have entered “the era of nations” – and, with due humility and modesty, we consider ourselves to have been the heralds of this era since 2010. 

There are three or four important issues in this new era. I would like to talk briefly about these. The most important issue of the new era – here in Europe – is the question of “war or peace”. The Hungarian government’s task here is easy to identify: it must keep Hungary away from the dangers of war; it must strive to ensure that the era of danger that has now dawned presents Hungary with the fewest possible challenges and trials. 

In my opinion, one of the most important issues of this new era, which we will be discussing a great deal over the next ten years, is the issue of energy. There are two reasons for this. On the one hand, sovereignty – the sovereignty of nations – is increasingly dependent on the ability to be self-sufficient in energy. On the other hand, this is not only a question of sovereignty, but also clearly the most important issue in technological development. This is because the energy requirements of the new technologies that are increasingly appearing in our lives – big data centres, artificial intelligence – are continuously growing by orders of magnitude at a pace that is almost impossible to keep up with. Countries that are able to provide these new industries with affordable – if possible, cheap – energy sources have a chance to become the winners of this new technological era; but those that do not have this capability – those that are not sovereign in terms of energy supply and are unable to provide these services – will be left behind. The task for Hungary is to have a strong supply chain, secure infrastructure, and serious, stable, large energy companies. As I see it, Hungary’s energy supply and security are guaranteed, our independence is secure, and we are able to produce the amount of energy needed to build new capacities. Of course, in order to achieve this we had to make changes: we had to supplement our previous energy policy and ensure that Hungarian companies were present in various parts of the world – both as producers and owners. We are increasingly present with these capabilities in ever more places around the world. Here I must make the comment that the natural gas and oil industry regulations, some of which originate in Brussels, are destructive for Hungary – especially the fact that they want to cut Hungary off from oil and natural gas supplies from Russia. Brussels intends these to take effect in 2027. Hungary is defending itself in two ways. On the one hand, through legal channels: as soon as these previously adopted decisions come into force – when they are legally in force, which is expected by the end of January – we will of course initiate proceedings against the Brussels Commission. There are two reasons for this. Firstly, because this is an abuse of legal process: these regulations are, by their nature, sanctions; yet here they are being presented as a trade policy decision, and different procedures apply to the creation of these rules, depending on which category they fall into. Here we are faced with an abuse of legal process. Furthermore, the founding treaty makes it completely clear that the issue of the “energy mix” – as they call it over there – falls within national jurisdiction. In other words, every country has the sovereign right to shape its own energy supply system. This right may not be taken away. And, of course, we are also working against this Brussels regulation in a political context. Our hope is that our work will help to end the current state of war by 2027: there should be a balanced new situation between Russia and Ukraine; as a result, the sanctions should be lifted – and if there are no sanctions, then this European decision will also be rendered meaningless. As a side note, I would like to mention that Brussels’ current regulation of prices is increasing the price of energy in Europe by approximately 20 per cent. If it weren’t for the EU regulatory system known as ETS 1 [Emissions Trading System Phase 1], the price of energy in Europe could immediately be 20 per cent cheaper. If there are any questions, I will be happy to talk about the threat posed by ETS 2, which we will also have to defend ourselves against, and which would mean a 27 per cent increase in natural gas prices and an 8–10 per cent increase in fuel prices across the whole of Europe.

The second – or rather third – major issue for 2026 and this new era is an “old” one: migration – or to put it in legal terms, the implementation of the Migration Pact adopted by Brussels. This Migration Pact is scheduled to be enacted on 12 June 2026. According to the Brussels decision, Hungary would have to process 23,000 asylum applications within one year. This will, or would, only be possible if we were to create an accommodation centre for 10,000 people – we could call it a migrant camp. The Commission has also decided that we must accept 350 migrants who did not submit their applications in Hungary, but in other Western European countries. From June 2026 we would have to take them in and conduct the procedures relating to them. On this the Hungarian government’s position remains unchanged: we shall not take in a single migrant from any Western European country, we shall not build refugee camps, we shall not change our border defence system, and we shall not become a country of immigrants. We shall not accept orders from Brussels on whom we should live with. In the past, there have been Western European countries that wanted to tell us whom we should not live with – and that did not end well. Now they want to tell us whom we should live with – and if we accepted that, it would not end well either.

And finally, the fourth major question for 2026 and the new era is the possibility of development: Will Hungary have the possibility to develop, at a time when most European Union countries are implementing austerity measures and the European economy is in decline? Is it realistic to aim for Hungary to be strong, for Hungary to develop, and for Hungarians to live better lives? We believe that this is a realistic goal, so we must not give up on our economic goals and economic development goals in this new era either. It is undoubtedly true that development requires money. You have money for development if you do not give your money to others. If you give it away, you will not have any money left for that goal. This means that we shall not give Hungary’s money to Ukraine, we shall not participate in war loans to Ukraine, and Hungary shall not participate in financial aid sent to Ukraine. We shall mobilise the economic resources at our disposal in the interests of Hungarians. We shall spend the money we have on Hungary and Hungarian families. We shall not give any war loans, nor shall we participate in any. We are convinced that this is a scam: they call it a loan, but everyone knows that the Ukrainians will never pay it back, so it would be more accurate to call it aid. Of course, we shall not send soldiers, and we shall not send weapons either. But what is perhaps less obvious is that we shall not accept the decisions made in Brussels that seek to convert the economic systems of Member States to war economies. We are convinced that the transition to a war economy does not serve the cause of peace, nor does it serve the economic interests of Member States. On this basis, Hungary has decided to opt out of this war economy and instead build a peace economy. We are convinced that this will provide opportunities for development. We modestly refer to this as “the Hungarian path” – as opposed to the Brusselite warpath. 

Since we are building a peace economy, measures have been taken that came into effect on 1 January in Hungary that would be unimaginable in today’s Western Europe. First of all, from 1 January we are doubling family tax allowances. We increased them by 50 per cent on 1 July, and now on 1 January we increased family tax allowances by another 50 per cent. Mothers under the age of 30 with one child are exempt from personal income tax from 1 January, and mothers under the age of 40 with two children will also be exempt from personal income tax. The minimum wage is increasing by 11 per cent. A corporate tax reduction programme worth approximately 90 billion forints is being launched. We are phasing in the fourteenth month’s pension. We are continuing our fixed 3 per cent first-home loan programme. On 1 February we will pay out the six-month armed law enforcement bonus. We will continue to raise teachers’ salaries, and by the end of this year we would like to reach an average salary for teachers of 936,000 forints. There will be a 15 per cent salary increase for those working in public administration, in regional public administration, the social care system, and the cultural sector. In 2025 we announced a three-year programme for those working in the justice system, which will continue this year and end in 2027. Judges’ salaries will increase by 48 per cent, those of court clerks by 89 per cent, and those of other court employees by 100 per cent. In addition, we are announcing a new residential energy storage programme, offering subsidies of 2.5 million forints to families who already use solar panels or intend to do so in the future. Each of these measures would be a major achievement on its own, but taken together it is simply fantastic that Hungary is able to introduce and implement them all in the midst of a period of European economic policy based on austerity. 

And finally I would like to say one more thing. As you know, in 2026 there will be parliamentary elections in Hungary. As you can see from what I have said, in our view, the options facing the country are simple: either we follow the Brussels path, which leads to war and economic austerity; or we follow the Hungarian path, which brings peace and development opportunities for Hungary, enabling a stronger Hungary, a stronger economy, and a better life for Hungarians.

I believe that now I have said what I considered to be important. Thank you very much for your patience. If you have any questions, I am at your disposal.

 

29.12.2025 Blick „Der schonungslose Jahresrückblick“. Deutsche Version

Man dachte, verrückter gehe es nicht – und dann kam das Jahr 2025. Schriftsteller Claude Cuenipräsentiert seinen schonungslosen Jahresrückblick. Da ist alles drin, ausser Vollständigkeit und Ausgewogenheit.

Claude Cueni

«Person of the Year» ist ohne Zweifel die künstliche Intelligenz (KI). Nvidia-CEO Jensen Huang (62) prophezeit: «Sie werden Ihren Job nicht an eine Person verlieren, sondern an jemanden, der KI verwendet.»

Das Messer wird zum Statussymbol. Je länger die Klinge, desto höher der Status. Ein Blick auf die Schulhöfe zeigt, was uns in Zukunft erwartet.

Freigabe der Epstein-Files. Viel Druckerschwärze. FBI-Vize Dan Bongino (51), ein glühender Trump-Anhänger, tritt überraschend zurück. Vor seiner Nomination hatte er auf allen Kanälen die These verbreitet, wonach Epstein im Knast ermordet worden sei, um Dritte zu schützen. Fortsetzung folgt.

Ungeachtet der fortlaufenden Korruptionsermittlungen gewähren die EU-Staats- und Regierungschefs der Ukraine ein zinsfreies Darlehen über 90 Milliarden Euro für 2026 bis 2027. Dem EU-Steuerzahler entstehen dadurch ab 2028 jährliche Zinskosten von rund drei Milliarden Euro.

Donald Trump (79) überlebt im Wahlkampf ein Attentat und ist seit dem 20. Januar der 47. US-Präsident. Weniger Glück hat Charlie Kirk (†31). Der Trump-Fan und zweifache Familienvater erliegt einem Mordanschlag. Freude herrscht im linksextremen Milieu. Kennt Ideologie keine Empathie?

Trauer im Vatikan: Papst Franziskus stirbt im Alter von 88 Jahren. Der Argentinier verblüffte einst mit der transzendenten Aussage, Gott sei Vater und Mutter zugleich. Die LGBTQ+-Community fühlte sich vorübergehend theologisch verstanden.

Umerziehung statt Unterhaltung: Filmhelden sind zunehmend schwarz, schwul, lesbisch, weiblich oder übergewichtig. Nur die Bösen bleiben meistens alt und weiss und haben weiterhin Gesichtsanomalien, kaputte Zähne oder körperliche Behinderungen.

Friedensnobelpreis 2025. Das SRF kommentiert: «Trump erhält nicht den Preis, aber eine Lektion.» Preisträgerin María Corina Machado (58) aus Venezuela sieht das anders: Sie widmet ihren Nobelpreis Donald Trump.

Die EU will das Client-Side-Scanning (CSS): die flächendeckende Überwachung aller Chat-Nachrichten der 450 Millionen EU-Bürger. Tauschen wir bald nur noch Lasagnerezepte aus?

An der Ski-WM gewinnt Loïc Meillard (29) Slalom-Gold für die Schweiz. Auch im Global Innovation Index 2025 belegt die Schweiz zum 15. Mal in Folge den 1. Rang. Weil sie innovativer ist als jedes EU-Land. Je weniger Bürokratie, desto mehr Innovation.

Die ehemalige Berufsmittelschullehrerin Karin Keller-Sutter (62) verwechselt das Oval Office mit dem Klassenzimmer. Zollhammer von 39 Prozent. Schweizer Wirtschaftsführer bügeln es wieder zurecht. Missgunst statt Lob. Zur Strafe werden sie abschätzig «Milliardäre» genannt.

Gewaltorgie in Bern. Pro-Palästina- und Pro-Irgendwas-Gruppierungen randalieren an einer unbewilligten Pro-Gewalt-Demonstration. Warum soll man eine Demonstration anmelden, wenn die Teilnahme an einer Unbewilligten kaum Konsequenzen hat?

Donald Trump will acht Kriege beendet haben. Im Kongo wird wieder geschossen, auch Thailand und Kambodscha bekriegen sich wieder, Mosab Hassan Yousef (47), Sohn des Hamas-Mitgründers Hassan Yousef (70) und heute Islamkritiker, warnt: «Die Hamas wird lieber sterben und das Boot mit allen an Bord versenken, als abzurüsten.»

Die EU sanktioniert mit dem ehemaligen Generalstabsoberst Jacques Baud (70) einen Schweizer, weil seine Analyse des Ukraine-Kriegs missfällt. Innerhalb der EU werden seine Konten eingefroren und jede Tätigkeit verboten. Ohne Anklage. Ohne Anhörung. Der Bundesrat schweigt. Steht er noch zur Meinungsfreiheit, die nicht nur in der Bundesverfassung, sondern völkerrechtlich auch von der Europäischen Menschenrechtskonvention geschützt wird? Oder sind wir bereits in der EU?

Linke halten die explosive Zunahme von Vergewaltigungen und Messerdelikten für ein reines Männerproblem. Da wir dieses Ausmass an Kriminalität vor Angela Merkels (71) unkontrollierten Grenzöffnung nicht kannten, bedeutet dies im Umkehrschluss, dass es vor 2015 keine Männer auf unserem Planeten gab.

Also doch: Der ukrainische Tauchlehrer Wolodymyr S. soll nach Erkenntnissen des Generalbundesanwalts in Karlsruhe an der Sprengung der Gaspipelines Nord Stream 1 und 2 beteiligt gewesen sein. In Deutschland explodieren die Energiepreise. Fliessen tun nur noch die Milliarden der deutschen Steuerzahler nach Kiew.

Im Umfeld von Selenski jagt ein Korruptionsskandal den anderen. Gemäss New York Times Veruntreuung in Milliardenhöhe. Vielleicht braucht Selenski nächstes Jahr doch noch eine Mitfahrgelegenheit.

Trump benennt das Verteidigungsministerium in Kriegsministerium um, schickt 25 Prozent aller einsatzfähigen US-Kriegsschiffe vor die Küsten Venezuelas, droht Mexiko, will Christen in Nigeria vor mordenden Islamisten schützen, greift IS-Ziele in Syrien an und will Golf spielen.

Eine neue Generation von Drohnen revolutioniert die Kriegsführung. Sie sind einfach zu bedienen und spottbillig. Eine einzige Person kann mehr Schaden anrichten als 1000 Soldaten. Wird das auch Terroranschläge revolutionieren? Allein in Frankreich werden bereits 20’000 bis 25’000 «einsame Wölfe» mit islamistischem Bezug beobachtet.

Auf dem Börsenparkett steigen die Temperaturen. In der Aktie von Palantir Technologies stecken bereits rund 400 Jahresgewinne. Üblich sind 15 bis 25. Analysten beschwichtigen: Diesmal ist alles anders. Haben wir das nicht schon einmal gehört?

Gold, das angeblich barbarische Relikt, erreicht mit über 4400 US-Dollar pro Unze einen historischen Höchstwert. Nationalbanken und Private horten Gold. Fürchten sie das Platzen der globalen Verschuldungsblase?

Die US-Administration will die gut lesbare (und behindertengerechte) Schrift Calibri durch die schlechter lesbare Traditionsschrift Times New Roman ersetzen. Die Wokeness-Fraktion will hingegen die Lesbarkeit gendergerecht verkomplizieren. Sollten beide Seiten vielleicht nicht eher Probleme lösen, statt neue zu erfinden?

Auch in England ist die E-ID «freiwillig», doch Arbeitssuchende müssen zwingend ihre E-ID-Karte vorweisen. Ohne E-ID kein Job.

Antisemitismus verbreitet sich weltweit wie ein Krebsgeschwür. In Deutschland stellt ein eingewanderter Bäcker ein Infoplakat ins Schaufenster: Er teilt mit, dass er keine Juden mehr bedient. Er rechnet nicht mit Empörung, sondern mit mehr Kundschaft.

Dass der Hype um die bevorstehende Auslöschung der Menschheit vorbei ist, zeigt sich an der Diversifikation der Galionsfiguren: Dramaqueen Greta Thunberg (22) segelt für die Hamas, Luisa Neubauer (29) drängelt an die Spitze der deutschen Feministinnen. Zurück bleiben die Namenlosen, die in Gefängnissen kleben oder Geldstrafen abstottern.

Nestlé, geschüttelt und gerührt. Zuerst der Perrier-Skandal in Frankreich, dann die Entlassung von CEO Laurent Freixe (63) wegen einer nicht gemeldeten Liebesbeziehung zu einer Untergebenen. Wirkt auf den Aktienkurs wie Ozempic.

Das Londoner Wissenschaftsmuseum warnt vor Anti-LGBTQ+-Legos: Die Oberseite der Steine mit den herausstehenden Noppen sei angeblich männlich, die Unterseite mit den Löchern weiblich – und der Vorgang des Zusammenfügens: Sex pur. Kinder, versteckt eure Legos!

Auch 2025 stellte sich die Frage: Wie viele Widersprüche hält die westliche Gesellschaft noch aus?
«Vegi-Würste sind Würste, die keine Würste sind.»
«Queere demonstrieren für Barbaren, die zu Hause Queere steinigen.»
«Diversity unbedingt, aber nicht bei Meinungen.»
«Fakten sind wichtig, aber nur, wenn sie keine Gefühle verletzen.»
«Hassreden sind Reden, die man selber hasst.»
«Rettet man die Demokratie, indem man sie einschränkt?»

29.12.2025 Blick: „Der schonungslose Jahresrückblick“ Version CH

Man dachte, verrückter gehe es nicht – und dann kam das Jahr 2025. Schriftsteller Claude Cueni präsentiert seinen schonungslosen Jahresrückblick. Da ist alles drin, ausser Vollständigkeit und Ausgewogenheit.


von Claude Cueni

«Person of the Year» ist ohne Zweifel die künstliche Intelligenz (KI). Nvidia-CEO Jensen Huang (62) prophezeit: «Sie werden Ihren Job nicht an eine Person verlieren, sondern an jemanden, der KI verwendet.»

Das Messer wird zum Statussymbol. Je länger die Klinge, desto höher der Status. Ein Blick auf die Schulhöfe zeigt, was uns in Zukunft erwartet.

Freigabe der Epstein-Files. Viel Druckerschwärze. FBI-Vize Dan Bongino (51), ein glühender Trump-Anhänger, tritt überraschend zurück. Vor seiner Nomination hatte er auf allen Kanälen die These verbreitet, wonach Epstein im Knast ermordet worden sei, um Dritte zu schützen. Fortsetzung folgt.

Ungeachtet der fortlaufenden Korruptionsermittlungen gewähren die EU-Staats- und Regierungschefs der Ukraine ein zinsfreies Darlehen über 90 Milliarden Euro für 2026 bis 2027. Dem EU-Steuerzahler entstehen dadurch ab 2028 jährliche Zinskosten von rund drei Milliarden Euro.

Donald Trump (79) überlebt im Wahlkampf ein Attentat und ist seit dem 20. Januar der 47. US-Präsident. Weniger Glück hat Charlie Kirk (†31). Der Trump-Fan und zweifache Familienvater erliegt einem Mordanschlag. Freude herrscht im linksextremen Milieu. Kennt Ideologie keine Empathie?

Trauer im Vatikan: Papst Franziskus stirbt im Alter von 88 Jahren. Der Argentinier verblüffte einst mit der transzendenten Aussage, Gott sei Vater und Mutter zugleich. Die LGBTQ+-Community fühlte sich vorübergehend theologisch verstanden.

Umerziehung statt Unterhaltung: Filmhelden sind zunehmend schwarz, schwul, lesbisch, weiblich oder übergewichtig. Nur die Bösen bleiben meistens alt und weiss und haben weiterhin Gesichtsanomalien, kaputte Zähne oder körperliche Behinderungen.

Friedensnobelpreis 2025. Das SRF kommentiert: «Trump erhält nicht den Preis, aber eine Lektion.» Preisträgerin María Corina Machado (58) aus Venezuela sieht das anders: Sie widmet ihren Nobelpreis Donald Trump.

Die EU will das Client-Side-Scanning (CSS): die flächendeckende Überwachung aller Chat-Nachrichten der 450 Millionen EU-Bürger. Tauschen wir bald nur noch Lasagnerezepte aus?

Switzerland first? Die SBB vergeben einen Milliardenauftrag an Siemens statt an Stadler Rail. Begründet wird es mit dem Abkommen über das öffentliche Beschaffungswesen der Welthandelsorganisation (WTO). Wurde berücksichtigt, dass in Deutschland kaum noch etwas reibungslos funktioniert?

An der Ski-WM gewinnt Loïc Meillard (29) Slalom-Gold für die Schweiz. Auch im Global Innovation Index 2025 belegt die Schweiz zum 15. Mal in Folge den 1. Rang. Weil sie innovativer ist als jedes EU-Land. Je weniger Bürokratie, desto mehr Innovation.

Die ehemalige Berufsmittelschullehrerin Karin Keller-Sutter (62) verwechselt das Oval Office mit dem Klassenzimmer. Zollhammer von 39 Prozent. Schweizer Wirtschaftsführer bügeln es wieder zurecht. Missgunst statt Lob. Zur Strafe werden sie abschätzig «Milliardäre» genannt.

Gewaltorgie in Bern. Pro-Palästina- und Pro-Irgendwas-Gruppierungen randalieren an einer unbewilligten Pro-Gewalt-Demonstration. Warum soll man eine Demonstration anmelden, wenn die Teilnahme an einer Unbewilligten kaum Konsequenzen hat?

Donald Trump will acht Kriege beendet haben. Im Kongo wird wieder geschossen, auch Thailand und Kambodscha bekriegen sich wieder, Mosab Hassan Yousef (47), Sohn des Hamas-Mitgründers Hassan Yousef (70) und heute Islamkritiker, warnt: «Die Hamas wird lieber sterben und das Boot mit allen an Bord versenken, als abzurüsten.»

Die EU sanktioniert mit dem ehemaligen Generalstabsoberst Jacques Baud (70) einen Schweizer, weil seine Analyse des Ukraine-Kriegs missfällt. Innerhalb der EU werden seine Konten eingefroren und jede Tätigkeit verboten. Ohne Anklage. Ohne Anhörung. Der Bundesrat schweigt. Steht er noch zur Meinungsfreiheit, die nicht nur in der Bundesverfassung, sondern völkerrechtlich auch von der Europäischen Menschenrechtskonvention geschützt wird? Oder sind wir bereits in der EU?

Die Juso hält die explosive Zunahme von Vergewaltigungen und Messerdelikten für ein reines Männerproblem. Da wir dieses Ausmass an Kriminalität vor Angela Merkels (71) unkontrollierten Grenzöffnung nicht kannten, bedeutet dies im Umkehrschluss, dass es vor 2015 keine Männer auf unserem Planeten gab.

Trump benennt das Verteidigungsministerium in Kriegsministerium um, schickt 25 Prozent aller einsatzfähigen US-Kriegsschiffe vor die Küsten Venezuelas, droht Mexiko, will Christen in Nigeria vor mordenden Islamisten schützen, greift IS-Ziele in Syrien an und will Golf spielen.

Eine neue Generation von Drohnen revolutioniert die Kriegsführung. Sie sind einfach zu bedienen und spottbillig. Eine einzige Person kann mehr Schaden anrichten als 1000 Soldaten. Wird das auch Terroranschläge revolutionieren? Allein in Frankreich werden bereits 20’000 bis 25’000 «einsame Wölfe» mit islamistischem Bezug beobachtet.

Auf dem Börsenparkett steigen die Temperaturen. In der Aktie von Palantir Technologies stecken bereits rund 400 Jahresgewinne. Üblich sind 15 bis 25. Analysten beschwichtigen: Diesmal ist alles anders. Haben wir das nicht schon einmal gehört?

Gold, das angeblich barbarische Relikt, erreicht mit über 4400 US-Dollar pro Unze einen historischen Höchstwert. Nationalbanken und Private horten Gold. Fürchten sie das Platzen der globalen Verschuldungsblase?

Die US-Administration will die gut lesbare (und behindertengerechte) Schrift Calibri durch die schlechter lesbare Traditionsschrift Times New Roman ersetzen. Die Wokeness-Fraktion will hingegen die Lesbarkeit gendergerecht verkomplizieren. Sollten beide Seiten vielleicht nicht eher Probleme lösen, statt neue zu erfinden?

Auch in England ist die E-ID «freiwillig», doch Arbeitssuchende müssen zwingend ihre E-ID-Karte vorweisen. Ohne E-ID kein Job.

Antisemitismus verbreitet sich weltweit wie ein Krebsgeschwür. In Deutschland stellt ein eingewanderter Bäcker ein Infoplakat ins Schaufenster: Er teilt mit, dass er keine Juden mehr bedient. Er rechnet nicht mit Empörung, sondern mit mehr Kundschaft.

Dass der Hype um die bevorstehende Auslöschung der Menschheit vorbei ist, zeigt sich an der Diversifikation der Galionsfiguren: Dramaqueen Greta Thunberg (22) segelt für die Hamas, Luisa Neubauer (29) drängelt an die Spitze der deutschen Feministinnen. Zurück bleiben die Namenlosen, die in Gefängnissen kleben oder Geldstrafen abstottern.

Nestlé, geschüttelt und gerührt. Zuerst der Perrier-Skandal in Frankreich, dann die Entlassung von CEO Laurent Freixe (63) wegen einer nicht gemeldeten Liebesbeziehung zu einer Untergebenen. Wirkt auf den Aktienkurs wie Ozempic.

Das Londoner Wissenschaftsmuseum warnt vor Anti-LGBTQ+-Legos: Die Oberseite der Steine mit den herausstehenden Noppen sei angeblich männlich, die Unterseite mit den Löchern weiblich – und der Vorgang des Zusammenfügens: Sex pur. Kinder, versteckt eure Legos!

Auch 2025 stellte sich die Frage: Wie viele Widersprüche hält die westliche Gesellschaft noch aus?
«Vegi-Würste sind Würste, die keine Würste sind.»
«Queere demonstrieren für Barbaren, die zu Hause Queere steinigen.»
«Diversity unbedingt, aber nicht bei Meinungen.»
«Fakten sind wichtig, aber nur, wenn sie keine Gefühle verletzen.»
«Hassreden sind Reden, die man selber hasst.»
«Rettet man die Demokratie, indem man sie einschränkt?»

Blick 24.12.2025: „When the Fog Sets In. Never Give up!“

When the Fog Sets In: Never Give Up

 

Blick (24.12.2025)

After leukemia-related chemotherapy and radiation, writer Claude Cueni (69) suffers from neurocognitive deficits and chronic exhaustion, similar to Long Covid. The consequences for his life and creative work are profound. Yet he never complains. A guide against self-pity.

The good news first. When the fog sets in, stay calm. One day it will lift again. You can speed up the process—through training, training, and more training. Not once a week, but every single day.

At first, every mishap feels incidental: that can happen. Gradually, however, you realize that you are disappearing into the fog. Thinking slows down; your mind moves in slow motion. A trivial shopping trip—some cherry tomatoes and a frozen pangasius—has to be planned with the same care Magellan once devoted to his circumnavigation of the globe. If you haven’t forgotten your wallet for once, you can’t remember what you wanted to buy. You step on the scale in the morning and forget your weight three seconds later. You walk into the living room and no longer quite know why you went there.

When time turns into a weekday

 

That happens occasionally to healthy people. It happened to me thirty times a day. I forgot my passwords—and forgot where I had stored them. In my agenda, I confused times with weekdays. Handling familiar devices such as the coffee machine, the remote control, or the iPad became a challenge. I was constantly exhausted—even after ten hours of sleep. Daily structures dissolved; everyday life turned into a comedy. Blackouts on an endless loop.

Where I once had a 500-page historical novel mapped out in my mind like a film from beginning to end and could continue writing early in the morning almost like a secretary taking dictation, I now forgot parts of the plot. I wrote passages I had already written the day before. Characters from older novels slipped into the scene I was currently working on. Letters flew out of words; a table turned into a fish. When building a diorama, I assembled things that didn’t belong together, and my miniature worlds became Kafkaesque ruins.

You die before you are dead

 

When the fog sets in, you avoid social contact. The feeling is mutual. There is a cartoon showing two people standing in an empty chapel at a cemetery. They stare at the empty benches. One says to the other: “And yet he had 5,000 Facebook friends.” When you are diagnosed with leukemia, bronchiolitis obliterans, and chronic GvHD—and statistically have no chance of survival—you die before you are dead. Many people think: why should I still have spaghetti with him, he’ll be dead soon anyway. And if you are immunosuppressed to prevent further organ rejection, you avoid most events yourself.

For fifteen years, I spent every winter in voluntary quarantine. That was the secret of my productivity. You become a Robinson Crusoe of the big city. The only thing that continued to function beneath the blanket of fog was creativity. Some people have music in their blood, others creativity—you can’t switch it off.

But that was not the reason why I continued to publish a new novel every year. The reason has a name: Dina, my truly extraordinary wife.

Dina – the strong woman beside the broken man

People often say: behind every successful man stands a broken woman. In our case, after fifteen years, it’s the other way around. Beside a broken man stands a strong woman. I owe it to Dina that I survived the long martyrdom under the sword of Damocles, that I endured pain, the late effects of radiation, and two new cancer diagnoses. Dina brought the Philippine sun into my life—and ultimately lifted the fog.

One should not underestimate what healthy partners have to endure. I know both sides. My first wife—now deceased—died one year before my leukemia diagnosis. She had breast cancer and later colon cancer and, in the end, did not want home care but only me, twenty-four hours a day. That was normal for us; we had promised each other that as teenagers. Today, I experience the other situation and know that the healthy partner also needs breaks—to recharge. On a mountain hike or a city trip with friends. That benefits both.

Mental arithmetic, memory games, songs from my teenage years

 

What helps against the fog in the brain? A structured daily routine with firmly integrated training sessions. Almost everything you do regularly becomes a habit—both the good and the less good.

When I stopped leaving the apartment alone and only went shopping with Dina, I memorized the prices of individual groceries and added them up in my head. At the checkout, I compared my total with the receipt. At first, I was only successful if we bought no more than two items. Today, I am once again better at mental arithmetic than others with a calculator.

To this day, I play memory games every morning and sing the hits I loved as a teenager. It takes you back to a time when life was carefree, when life didn’t yet have an expiration date, and when sick people belonged to a different species. You cannot sing and worry at the same time. Singing is also good for the lungs—mine were rejected by foreign stem cells to the extent of 55 percent. And because I memorize song lyrics, singing is also good for memory.

Since other late effects prevent me from typing for hours every day, I began building dioramas—miniature worlds, scenes from novels I will no longer write. More than a hundred by now.

Self-pity is a waste of time

 

Although the fog has now lifted, I have kept the daily training routines. They have become habits. What remains is this realization: self-pity is a waste of time, and the pity of others is not helpful either. Time does not stand still. It waits for no one. It does not wait until you have accepted your illness. It is also a waste of time to ponder why you developed leukemia or another serious chronic disease. Even two-year-old children get leukemia—and they were not employed and were not unhappily married.

One should not dwell on all the things one can no longer do, but value what is still possible. You cannot change the disease, but you can change your attitude toward it. Human beings are far stronger than they believe—otherwise our species would never have survived. Life remains interesting; learning makes it even more interesting.

Dina sometimes says: “If you live in Switzerland, you are favored by luck—and if you are treated at the University Hospital of Basel, then even with leukemia you are a lucky person.”

Never give up!

Last autumn, as a long-term survivor with an unusual medical history, I was invited to the hematology patient day at the Universitätsspital Basel. The conversation with chief psychologist Birgit Maier encouraged many people. That is why I wrote these lines. I hope one person or another can benefit from them.

In this spirit, I wish all those affected and their loved ones the very best of the good. People no longer die as quickly today. Medicine is making astonishing progress—at ever shorter intervals, thanks to AI. Never give up. Do not give up.

About the Author

The author who never dies

Claude Cueni (69) is an exceptional figure—both as a patient and as an author. Doctors speak of an “unusual” course of illness; he himself jokingly calls himself “the author who never dies.” In 2009, he was diagnosed with acute lymphoblastic leukemia, fell into a coma following cerebral hemorrhages, and survived blood cancer after chemotherapy, radiation, and a bone marrow transplant. Since then, he has suffered from chronic graft-versus-host disease (GvHD), during which 55 percent of his lung tissue was rejected.

Although his medical file is more extensive than the body of work of many other writers, Cueni is among the most productive—and independent—authors in the country. He has written stage plays, radio plays, over fifty screenplays for film and television (Tatort, Peter Strohm, Eurocops), as well as computer games. His historical novels became bestsellers and were translated into numerous languages. He was also a long-standing columnist for Blick. Most recently, his illustrated book Small Worlds II was published, and this year his dioramas were exhibited at the Basel gallery Galerie Sarasin Art.

Blick 24.12.2025: „Wenn der Nebel kommt: Nie aufgeben!“

BLICK 24.12.2025

Wenn der Nebel kommt: nie aufgeben!

Nach leukämiebedingten Chemos und Bestrahlungen leidet Schriftsteller Claude Cueni (69) unter neurokognitiven Defiziten und chronischer Erschöpfung, ähnlich wie bei Long Covid. Die Folgen für sein Leben und SchaOen sind einschneidend. Trotzdem jammert er nie. Eine Anleitung gegen Selbstmitleid.


Text Claude Cueni

Die gute Nachricht vorneweg: Wenn der Nebel kommt, gelassen bleiben, er wird sich eines Tages wieder lichten. Man kann diesen Prozess beschleunigen: mit Training, Training und nochmals Training. Nicht einmal die Woche, sondern täglich.

 

Am Anfang denkt man bei jedem Missgeschick: kann mal passieren. Doch allmählich realisiert man: Man verschwindet im Nebel, das Denken wird verlangsamt, man denkt in Zeitlupe. Einen banalen Einkauf von ein paar Cherry-Tomaten und einem gefrorenen Pangasius muss man planen wie Magellan seine Weltumsegelung. Hat man ausnahmsweise das Portemonnaie nicht vergessen, weiss man nicht mehr, was man einkaufen wollte. Steht man morgens auf die Waage, hat man nach drei Sekunden das Gewicht wieder vergessen, geht man ins Wohnzimmer, weiss man nicht mehr so genau, was man dort wollte.

Aus der Uhrzeit wird ein Wochentag

Das passiert auch gesunden Menschen ab und zu, mir passierte es 30 Mal am Tag. Ich vergass meine Passwörter und vergass auch, wo ich diese hinterlegt hatte. In meiner Agenda verwechselte ich Uhrzeiten mit Wochentagen. Die Handhabung von vertrauten Geräten wie Kaffeemaschine, Fernbedienung oder iPad wurde anspruchsvoll. Ich war ständig erschöpft. Auch nach zehn Stunden Schlaf. Die Tagesstrukturen lösten sich auf, der Alltag wurde zur Comedy. Blackouts in der Endlosschlaufe.

Hatte ich früher einen 500-seitigen historischen Roman von Anfang an wie einen Film vor Augen und konnte frühmorgens beinahe wie ein Sekretär die Fortsetzung schreiben, vergass ich nun Teile der Handlung, schrieb Abschnitte, die ich bereits am Vortag geschrieben hatte, Figuren aus älteren Romanen rutschten in die Szene, die ich gerade schrieb. Den Worten flogen die Buchstaben davon, aus einem Tisch wurde ein Fisch. Baute ich ein Diorama, fügte ich zusammen, was nicht zusammengehört, und meine Miniaturwelten wurden zu kafkaesken Ruinen.

 

Man stirbt, bevor man gestorben ist

Wenn der Nebel kommt, meidet man soziale Kontakte. Das ist gegenseitig. Es gibt eine Karikatur, die zwei Menschen in einer menschenleeren Friedhofskapelle zeigt. Sie staunen über die leeren Sitzbänke. Sagt der eine zum andern: Dabei hatte er 5000 Facebook-Freunde. Wenn man an Leukämie, Bronchiolitis obliterans und chronischer GvHD erkrankt und statistisch gesehen keine Überlebenschancen hat, stirbt man, bevor man gestorben ist. Denn viele denken, wieso soll ich mit dem noch Spaghetti essen, der stirbt ja eh bald. Und wenn man immunsuprimiert ist, weil man weitere Organabstossungen verhindern muss, meidet man eh die meisten Anlässe.

Ich verbrachte 15 Jahre lang jeden Winter in freiwilliger Quarantäne. Das war das Geheimnis meiner Produktivität. Man wird zum Robinson der Grossstadt. Das Einzige, was unter der Nebeldecke weiter funktionierte, war die Kreativität. Die einen haben die Musik im Blut, andere die Kreativität, das kann man nicht abschalten. Aber das war nicht der Grund, wieso ich weiterhin jedes Jahr einen neuen Roman publizierte. Der Grund hat einen Namen: Dina, meine absolut aussergewöhnliche Frau.

 

Dina, die starke Frau neben dem kaputten Mann

 

Man sagt oft: Hinter einem erfolgreichen Mann liegt eine kaputte Frau, bei uns ist es nach 15 Jahren umgekehrt, neben einem kaputten Mann steht eine starke Frau. Dina habe ich es zu verdanken, dass ich das jahrelange Martyrium unter dem Damoklesschwert bewältige, dass ich Schmerzen ertrage, die Spätfolgen der Bestrahlungen und zwei neue Krebserkrankungen. Dina hat die philippinische Sonne zu mir gebracht und schliesslich den Nebel gelichtet.

Man darf nicht unterschätzen, was die gesunden Partner oder Partnerinnen leisten. Ich kenne beide Situationen. Meine verstorbene erste Frau, sie starb ein Jahr vor meiner Leukämieerkrankung, hatte Brust- und später Darmkrebs und wollte am Ende keine Spitex, sondern nur von mir gepflegt werden, 24 Stunden am Tag. Das war für uns normal, das hatten wir uns als Teenager versprochen. Heute erlebe ich die andere Situation und weiss, dass auch der gesunde Partner oder die Partnerin Pausen braucht. Zum Auftanken. Auf einer Bergwanderung oder einem Cityflug mit Freundinnen. Das kommt beiden zugute.

 

Kopfrechnen, Memory, Songs aus der Teenagerzeit

 

Was hilft gegen den Nebel im Gehirn? Ein strukturierter Tagesablauf mit fest eingebauten Trainingseinheiten. Fast alles, was man regelmässig tut, wird zur Gewohnheit. Sowohl das Gute als auch das weniger Gute. Als ich nicht mehr alleine die Wohnung verliess und nur noch mit Dina einkaufen ging, merkte ich mir die Preise der einzelnen Lebensmittel und addierte sie im Kopf. An der Kasse verglich ich meinen Saldo mit dem Kassenzettel. Am Anfang war ich nur erfolgreich, wenn wir nicht mehr als zwei Nahrungsmittel einkauften. Heute bin ich im Kopfrechnen wieder stärker als andere mit dem Taschenrechner.

 

Ich spiele noch heute jeden Morgen Memory und singe die Hits, die mir als Teenager gefallen haben. Da fühlt man sich zurückversetzt in die Zeit, als das Leben noch unbeschwert war, als das Leben noch kein Verfalldatum hatte und kranke Menschen zu einer anderen Spezies gehörten. Man kann nicht singen und sich gleichzeitig sorgen. Singen ist auch gut für die Lunge, meine wurde von den fremden Blutstammzellen zu 55 Prozent abgestossen, und da ich die Songtexte auswendig lerne, ist Singen auch gut für das Gedächtnis.

 

Da ich aufgrund anderer Spätfolgen nicht mehr täglich stundenlang tippen konnte, baute ich Dioramen, Miniaturwelten, Szenen von Romanen, die ich nicht mehr schreiben werde. Mittlerweile über hundert.

 

Selbstmitleid ist Zeitverschwendung

 

Obwohl der Nebel jetzt verschwunden ist, habe ich die täglichen Trainings beibehalten. Sie sind zur Gewohnheit geworden. Geblieben ist die Erkenntnis: Selbstmitleid ist Zeitverschwendung, auch das Mitleid der andern ist nicht hilfreich. Die Zeit bleibt nicht stehen, sie wartet auf niemanden, sie wartet nicht, bis man die Krankheit akzeptiert hat. Es ist auch Zeitverschwendung darüber nachzudenken, wieso man an Leukämie oder an einer anderen schweren chronischen Krankheit erkrankt ist. Auch zweijährige Kinder erkranken leider an Leukämie, und sie standen in keinem Arbeitsverhältnis und waren auch nicht unglücklich verheiratet.

 

Man sollte nicht hadern mit all den Dingen, die man nicht mehr tun kann, sondern schätzen, was noch möglich ist. Man kann die Krankheit nicht ändern, aber die Einstellung dazu. Der Mensch ist viel stärker, als er glaubt, sonst hätte unsere Spezies gar nicht überlebt. Das Leben bleibt interessant, lernen macht es noch interessanter. Dina sagt manchmal: «Wenn man in der Schweiz lebt, ist man vom Glück begünstigt, und wenn man dann noch im Basler Unispital behandelt wird, ist man auch trotz Leukämie ein Glückspilz.»

 

Never give up!

 

Im Herbst wurde ich als Langzeitüberlebender mit ungewöhnlichem Krankheitsverlauf zum Patiententag der Hämatologie des Basler Unispitals eingeladen. Das Gespräch mit der Chefpsychologin Birgit Maier hat vielen Mut gemacht. Deshalb habe ich diese Zeilen geschrieben. Ich hoffe, der eine oder die andere kann davon profitieren.

In diesem Sinne wünsche ich allen Betroffenen und ihren Nächsten vom Guten das Beste. Man stirbt heute nicht mehr so schnell. Die Medizin macht laufend erstaunliche Fortschritte und dank KI in immer kürzeren Abständen. Never give up! Nicht aufgeben!

–––

 

Box zur Person

Der Autor, der niemals stirbt

Claude Cueni (69) ist eine Ausnahmeerscheinung, als Patient und als Autor. Die Ärzte sprechen von einem «ungewöhnlichen» Krankheitsverlauf, er selbst nennt sich augenzwinkernd «der Autor, der niemals stirbt». 2009 erkrankte er an einer akuten lymphatischen Leukämie, fiel infolge von Hirnblutungen ins Koma und überstand nach Chemotherapien, Bestrahlungen und einer Knochenmarktransplantation den Blutkrebs. Seitdem leidet er an einer chronischen Graft-versus-Host-Reaktion (GvHD), in deren Verlauf 55 Prozent der Lunge abgestossen wurden.

 

Obschon seine Krankenakte umfangreicher ist als das Werk manch anderer Literaten, gehört Cueni zu den produktivsten – und eigenständigsten – Autoren des Landes. Er schrieb Theaterstücke, Hörspiele, über 50 Drehbücher für Film und Fernsehen («Tatort», «Peter Strohm», «Eurocops») sowie Computerspiele. Seine historischen Romane wurden Bestseller und in zahlreiche Sprachen übersetzt, zudem war er langjähriger Blick- Kolumnist. Zuletzt erschien sein Bildband «Small Worlds II», dieses Jahr wurden seine Dioramen in der Basler Galerie Sarasin Art ausgestellt.