Aus der geschützten Werkstatt für Pädophile

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20minuten schreibt heute (7.1.2018):

Es geht um unerwünschte sexuelle Avancen und Belästigungen bis hin zu Vergewaltigungen. Beschuldigt sind Priester, Ordensleute und Nicht-Kleriker. Bei der Bischofskonferenz sind bis heute gegen 250 sexuelle Übergriffe gemeldet worden. Sie ereigneten sich zwischen 1950 und heute. Betroffen sind über 140 Kinder und Jugendliche sowie 88 Erwachsene.

Das erinnert mich an die Kontroverse im Jahre 2014 im Zusammenhang mit meinem autobiograhischen Roman »Script Avenue« (640 Seiten). Auf zwei Seiten hatte ich die sexuellen Belästigungen im Internat Schwyz Mitte der 70er Jahre erwähnt.  Nicht aus Empörung, sondern weil es eine der autobiographischen Episoden war, die meine Einstellung zur Katholischen Kirche verständlicher machte.

Eine Innerschweizer Zeitung zitierte damals aus dem Roman. Regierungsrat und Bildungsdirektor Walter Stählin (SVP) zeigte sich »sehr betroffen« und rief medienwirksam eine »Task Force« ins Leben, die rasch zum Schluss kam, dass es keine Fakten gibt und das Ganze wohl meiner Phantasie entsprang.

Sie hatten keinen einzigen damaligen Mitschüler befragt. Damit sie »wahrheitsgetreu« sagen konnten: Wir haben keine Fakten.

Stattdessen erwähnten sie Mails von Ehemaligen, die in den 60er Jahren im Internat gewesen waren… und die Vorgänge Mitte der 70er Jahre bestritten –  obwohl sie den fehlbaren Präfekten Costa gar nie gekannt hatten…

Nach wochenlangem Aufwand fand ich schliesslich die Anschriften zweier damaligen Internatskollegen (der eine wohnte in Maroko). Sie waren bereit, als Zeitzeugen auszusagen. Aber Walter Stählin, der kurz vor der Beendigung seiner Amtszeit stand, hatte »kei Luscht«.

Ich liess es dann dabei bewenden, weil ich nun wirklich keine Lust hatte, dass man einen 640seitigen Roman in der Oeffentlichkeit auf ein paar wenige Zeilen reduziert.

Ich erhielt Monate später Besuch aus dem Bistum Chur. Sie hatten die Sache aufklären wollen, aber der Kanton Schwyz hatte sich geweigert die Liste der damaligen Intenatsschüler auszuhändigen… Ich übergab darauf Msgr. Dr. med., Dr. ius. can. Bischofsvikar Bonnemain Joseph Maria, den ich als sehr integre und beeindruckende Persönlichkeit kennenlernte, die Anschriften und Telefonnummern von zwei damaligen Mitschülern, die bereit waren, als Zeitzeugen auszusagen. Ich zeigte ihm auch den folgenden (pubertären) Tagebucheintrag:

Das Glockengebimmel regt mich auf, der schwule Präfekt auch. Die zu niedrige WC Türe auch. Die Abfallkörbe finde ich hingegen lustig: WC St. Johann, WC Don Bosco.

Ich weiss nicht, ob die beiden Zeitzeugen mittlerweile kontaktiert wurden.

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Zum besseren Verständnis:

Der fehlbare Präfekt hiess Costa. Er fasste uns beim morgendlichen Waschgang gerne überraschend an den Hintern, es ging also um sexuelle Belästigungen und nicht um mehr. Als kraftstrotzende 17jährige hätten wir uns zu wehren gewusst, aber er näherte sich stets überraschend von hinten. Einige fragten sich, wieso diese uralte Geschichte nach so vielen Jahren auftaucht. Eine »Anklage« nach so vielen Jahren wäre in der Tat lächerlich, aber in einem autobiographischen Roman gehören die zwei Seiten dazu, um darzulegen, wieso die Hauptfigur die katholische Kirche für eine geschützte Werkstatt für Pädophile hält.

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Das Kollegium Schwyz, 1856 vom Kapuzinerpater Theodosius Florentini gegründet, wurde bis 1972 vom Bistum Chur geführt, von da an übernahm der Kanton Schwyz die Schule. Bis 2001 gehörte ein Internat mit unterrichtenden Priestern dazu. Daher das damals angespannte Verhältnis zwischen Bistum Chur und Kanton Schwyz.

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